corona magazine
Nur der Himmel ist die Grenze
ISSN 1422-8904

 newsBEAT
+ Avengers Gagengerüchte
+ HOB Drei Filme!
+ Phase 2 für Marvel-Filme
+ Thor: Dreharbeiten in GB
+ Total Recall floppt
+ Prometheus: Sequel
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TREKminds - Nur der Himmel ist die Grenze
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20. August 2012 - Ausgabe 272 - "It’s hot in here, isn’t it?"
Manche mögen’s heiß
Die Sommerpause ist zu Ende. Ha! Seltenst einen unpassenderen Kommentar, einen offensichtlicheren Witz, ein absolut ungelungeneres Wortspiel gehört. Sommer – zu Ende. Draußen sind 38°C und ich komme gerade von den "Space Days 2012" aus Darmstadt zurück, wo eine ganze Halle in der Hitze geschmolzen ist. Rein gefühlsmäßig, natürlich. Es mag ja sein, dass der Sommer seine berühmten Pausen auch in diesem Jahr gemacht hat, wobei mir die Wörter "Abstinenz" und "totale Verspätung" da eher in den Sinn kommen, aber justamente jetzt, wo wir uns wieder in die Corona-Arbeit stürzen, schlägt er mit voller Wucht zu. Das bringt mich so aus dem Gleichgewicht, dass ich noch mehr Worte als sonst aneinanderreihe, die es laut Duden gar nicht gibt. Mein Lektor will ich bei diesem Wetter nicht sein.

Wie war denn Ihr Sommer? In NRW gehen die Sommerferien jetzt zu Ende und die Frage ist wohl lokal gesehen angebracht. In anderen Gegenden freilich genießen Schüler und Eltern noch freie Tage in der Hitze, unter ihnen auch unser Redakteur Klaus Schapp, der Ihnen normalerweise in jeder Ausgabe die hoch geschätzte TV-Vorschau präsentiert. Weil er aber noch nicht wieder in unseren virtuellen Räumen weilt, haben wir neben weiteren tollen Artikeln über weitere phantastische Hörspiele, "Star Trek", noch mehr "Star Trek", Kinofilme und die Frage, ob nun nach Entdeckung des "Gottesteilchen" das Armageddon kommen kann, einen Ersatz an unsere 5. Position gesetzt, den mein Chefredakteur-Kollege Frank Hebenstreit verfasst hat. Lesen Sie es.

Es ist schön, sich wieder mit dem Hobby auseinanderzusetzen, denn in diesem Herbst haben wir viele Highlights zu erwarten, die das Phantastik-Herz schneller schlagen lassen werden. In diesem Sinne wünsche ich mir, es sei bereits Herbst. Obwohl - in diesem Moment wahrscheinlich nicht nur in diesem Sinne…

Hey, wir sind wieder da. Viel Spaß beim Lesen – und:
Bleiben Sie uns gewogen

Herzlichst
Ihr Mike Hillenbrand
Chefredaktion (v.i.S.d.P.)
Inhalt
1.Phantastische Hörspiele in Deutschland Teil 2: Requiem
Oliver Kochs Rundumschlag über die Hörspiele der Szene geht in die 2. Runde
6.Im Gespräch mit Claudia Kern
Wenn Mike Hillenbrand eines von Frau Kern gelernt hat, dann: ‚Einfach ist blöd.‘ Was lernt Reiner Krauss?
2.newsBEAT
Kurzmeldungen aus Fernsehen, Kino & Co.
7.Phantastische Spiele: Star Trek Fleet Captains
"Star Trek"-Atmosphäre pur auf dem Wohnzimmertisch
3.Star Trek: U. S. S. Enterprise – Technisches Handbuch
Ein gutes informatives Begleitprodukt trotz Flaute im Franchise
8.Battleship - Auf der Suche nach einem neuen Feindbild?
Die „Transformers“ spielen „Schiffe versenken“ in „Pearl Harbor“. Müssen wir das sehen?
4.Klingonische Sprache: Die richtige Betonung
Wie spricht man eigentlich Klingonisch? Wie soll sich Klingonisch anhören?
9.Wissenschaft: Higgs – und nun?
Ist die Teilchenphysik nun am Ende?
5.KEINE TV-Vorschau – Sündhafte Begierde der Verdammnis
Er trifft ihn. Was in unserem Genre häufig wahr ist, findet nun auch im Buch statt.
10.Die Corona-Kurzgeschichte
"Die Kammer" von Stefan Goebels

1. Phantastische Hörspiele in Deutschland Teil 2: Requiem
von Oliver Koch
Der Boom "erwachsener" phantastischer Hörspiele der letzten Jahre brachte einen enormen Output inhaltlicher und technisch hervorragender Geschichten hervor, die sich den Status "Kino fürs Ohr" redlich verdient haben und belegen: Das Niveau deutscher Phantastik muss sich keinesfalls hinter der des vorwiegend aus dem anlog-amerikanischen Raum dominierten Szene verstecken.
Sie entschuldigt auch die beklagenswerte Dürftigkeit des Angebots deutscher phantastischer Filme, das sowohl nicht der Rede wert ist als auch unwürdig ist.
Doch der Boom im Hörspielmarkt erreichte irgendwann den Zenit – der gewaltige kreative Schub produzierte aus einem anfänglich begrüßenswerten Angebot schlechterdings ein Überangebot.
So einfach kann das sein: Goldgräberstimmung erzeugt eines Tages Katzenjammer. So zerplatzte ganz in der Tradition von Wirtschaftszyklen ein Traum ständigen Wachstums: Die neuen, jungen, kreativen Labels kannibalisierten sich ab einem gewissen Zeitpunkt ebenso wie die etablierten Studios selbst.
Zum einen dürfte zu überlegen sein, ob der Hörspielmarkt in Deutschland einfach überschätzt wurde – zum anderen hatten viele Produktionen auch mit Problemen bei Marketing und Distribution zu kämpfen.
Kurz gesagt: Wer nicht in großen Ketten gelistet ist und bequem gefunden werden kann, hat Probleme. Die professionellen Produktionen waren oft auch schlicht zu teuer, um von einer interessierten Fanbase dauerhaft finanziert zu werden.

Das musste sogar Lübbe Audio mit der großen "Perry Rhodan"-Reihe "Sternenozean" feststellen – dabei wurde hier viel richtig gemacht: Ein großes Label, durchschlagende Marktkraft, ein großer Name und bekannte Sprecher. Dennoch stand die Serie gegen Ende auf der Kippe – und wurde zum großen Glück der Fans letztlich doch zu Ende geführt.

Ein Glück, das Anhänger anderer Serien nicht hatten.
So versandete die hervorragende Science-Fiction-Serie "Planet Eden" des Dortmunder Labels Maritim Produktionen nach Folge 6 mitten in der Storyline, die sich über die Folgen konsequent und spannend entwickelt hatte. "Planet Eden" hatte das Zeug zum Klassiker, vereinte die Serie doch eine mitreißende Geschichte mit tollem Spannungsbogen, glaubwürdigen Charakteren und Sprechern, die ihren Job richtig gut machten. Auch auf technischer Seite gab es nichts zu mäkeln.
"Planet Eden" wurde nicht das Opfer von Projektstreichungen zur Konsolidierung eines Labels, sondern der Schließung von Maritim Produktionen.
Im Sog verschwand eine weitere- SF-Serie vom Markt: "Raumstation Alpha-Base", die nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass nahezu der komplette Sprechercast der TV-Serie "Star Trek: Voyager" eingesetzt wurde, sondern auch wegen der zugrundeliegenden Geschichte wie ein Hörspiel-Plagiat von "Voyager" in der Diskussion stand.

Das umtriebige Label hatte mit "Danger" eine weitere Serie am Start, das abgeschlossene Folgen bot. Dass auch diese eingestellt wurde, versteht sich von selbst.

Aus ähnlichem Grund stellte Lausch Hörspiele von Günter Merlau die originelle und komplexe Phantastik-Serie "Die schwarze Sonne" kurz vor Auflösung der Storyline und Abschluss der Serie ein. "Die schwarze Sonne" ist eine epische Erzählung auf drei Zeitebenenm die auf geschickte Weise miteinander verwoben sind, und die ohne Auflösung nun nach Folge 10 kaum verständlich bleiben wird.2 Folgen waren noch vorgesehen – eine große Tragik.
Günter Merlau hat sich viel vorgenommen und mit "Caine" eine weitere, höchst originelle Serie auf den Markt gebracht und abschließen können. Als "Hörspiele für Erwachsene" sprachen "Caine" und "Die schwarze Sonne" eine genau definierte Zielgruppe an. Beide Serien überraschten neben einem Höchstmaß an Kreativität auch mit einer technischen und musikalischen Umsetzung, die ihresgleichen sucht.
Merlau dachte in einem Interview darüber nach, eventuell "Die Schwarze Sonne" doch noch zum Abschluss zu bringen – das hätte vor allem die Geschichte verdient.

Doch Merlau brachte es in dem Interview deutlich auf den Punkt: Der Markt gab einfach nicht genug her, um überleben zu können. Er rechnete vor, wie gering die Deckung der Produktionskosten ist und nannte Verkaufszahlen – eine bedauerliche Entwicklung auch hinsichtlich des Engagements und der Begeisterung, die die Macher aufbringen. Messen, Social-Web-Kanäle, breite Kommunikation: Alles das reicht nicht zwangsläufig und taugt daher nicht als Allheilmittel.
Günter Merlau zog sich aus dem Segment zurück. Dieser ungeschminkte Einblick in die Mühen und Nöte eines Hörspiel-Produzenten ist im Internet noch zu hören unter:

Ein weiteres Label, dessen Ende den vorzeitigen Abbruch einer SF-Serie nach sich zog, ist das kleine, aber feine Label "Pandoras Play" aus dem ostwestfälischen Bielefeld. Was als Projekt mehrerer Studenten begann, entwickelte sich vor allem mit der Mystery-Serie "Schattensaiten" binnen weniger Jahre zu einem verlässlichen Lieferanten phantastischer, Hörperlen vornehmlich aus dem Mystery- und Fantasy-Genre mit Charme, bis schließlich mit "Das dunkle Meer der Sterne" die erste waschechte Science-Fiction-Serie erschien. Ihr Schicksal war mit dem Ende von "Pandoras Play" besiegelt.

Dieses Hörspiel-Sterben mag tragisch sein, doch ohne Grund kommt es nicht. Ein Überangebot allein kann als Grund nicht erhalten.

Zum einen brach fehlende Distribution den Labels und Serien das Genick. Wie bereits erwähnt: Was nicht gefunden wird, wird nicht gekauft. Oder nicht genug.
Zum anderen aber haben auch zweifelhafte Veröffentlichungszyklen dazu geführt, dass das Interesse abebbte. Oft vergingen mehrere Monate, bis ein neuer Teil einer Serie auf dem Markt erschien – nicht selten zu lang, um das einmal geschürte Feuer lange genug am Leben zu halten. Während der Wartezeiten auf eine weitere Fortsetzung der Geschichte erschienen immer neue Konkurrenzerzählungen, die das Interesse abzogen. Hier kommt wieder das gegenseitige Kannibalisieren zum Tragen. Die Breite des Angebots gestattete zwar ständige Neuerung, aber schadete der Tiefe. Kurz: Fans oder Interessenten sprangen ab und bekamen – auch wegen fehlender Distribution und Vermarktung – weitere Fortsetzungen möglicherweise gar nicht mehr mit.

Günter Merlau klagte bei seinem Interview illegale Downloads an, die nichts für ihre Hörspiele zahlen. Auch Lübbe Audio gab dies als Grund an, um weitere Produktionen einzustellen. Diese Anklage mag in gewissem Rahmen sicher berechtigt sein – doch allein dies kann der Grund nicht sein. Nicht die illegalen Downloads haben das Ende herbeigeführt. Wenn sie als wesentlicher Baustein erkannt werden, zeigt dies, auf welch fragilen Beinen der Hörspielmarkt anscheinend steht.

Schade: Das Äquivalent zum deutschen SF-Kino scheitert letztlich an Gründen, an denen das Kino selbst leidet: Chronische Unterfinanzierung. Die Hörspiel-Labels pumpen oft ihr ganzes Geld in die Produktionen an sich und schaffen häufig Großartiges. Zur angemessenen Verbreitung und Bekanntmachung fehlen dann die Mittel. Und die sogenannte "Fanbase" ist zu klein, um genug abzuwerfen.
Doch ist das eigentlich hundertprozentig richtig?
Nicht ganz. Denn noch immer ist die deutsche SF-Hörspiel-Szene quicklebendig und bringt eigenwillige und interessante Storys hervor, die auch technisch überzeugen.
Hier kommen vor allem einige Labels sowie die Produzenten und Anbieter kostenloser Hörspiele zum Tragen.

Über die wird es im dritten und letzten Teil gehen.

2. newsBEAT
Avengers 2: 20 Mio für Scarlett Johansson
Die New York Post berichtet, dass Scarlett Johansson für ihre Rolle als Schwarze Witwe in der Fortsetzung von "Avengers" 20 Millionen US-Dollar bekommen wird. Offiziell gilt diese Information als Gerücht, weil die Stellungnahme von Johanssons Management noch aussteht, aber nach dem Erfolg von Teil 1 ist eine solche Summe nicht unwahrscheinlich.

Johansson spielte die Rolle zum ersten Mal in "Iron Man 2" und erhielt damals im Vergleich eher magere 400.000 Dollar. Trotz der Gehaltserhöhung ist sie aber noch weit vom Star der Avengers, Robert Downey jr. entfernt, der sein Konto inklusive Boni mit geschätzten 50 Millionen Dollar befüllen konnte. Seine Teamkollegen - Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans und Jeremy Renner - gaben sich jeweils mit bescheidenen 2-3 Millionen (inklusive Boni) zufrieden, Samuel L. Jackson und Scarlett Johansson bekamen das doppelte.
Der Hobbit: Es ist offiziell - Drei Filme!
Am 30. Juli hat Peter Jackson auf seiner Facebookseite offiziell bekannt gegeben, dass es einen dritten Hobbitfilm geben wird. Teil 1 kommt Weihnachten dieses Jahres ins Kino, Teil 2 ein Jahr später und Teil 3 sogar nur sechs Monate später im Sommer 2014.

Dass Jackson den Wunsch hatte, einen dritten Film anzuhängen, war schon länger bekannt, bisher hatten die Produktionsstudios New Line Cinema und Warner Bros. jedoch eher verhalten darauf reagiert. Vermutlich wollte man erst abwarten, ob man die Besetzung für die umfangreichen Zusatzdrehs zusammen bekommen würde. Das scheint nun geschehen zu sein.
Phase 2 für die Marvel-Filme
Marvel hat in der Tat einen in Phasen unterteilten Masterplan. Zumindest seit neustem. Nach dem enormen Erfolg der Comicverfilmungen der letzten Jahre, welcher dieses Jahr mit "The Avengers" seinen Höhepunkt feierte, legt der Comic-Verlag ordentlich nach.

Auf der Comic Con in San Diego wurde offiziell die Logos inklusive der Starttermine für die Fortsetzungen "Thor 2: The Dark World", "Captain America 2: The Winter Soldier" und "Iron Man 3" veröffentlicht.

Neu eröffnet werden Comicverfilmungen der Guardians of the Galaxy (inklusive einem Foto mit sogenanntem "Concept Design") und Ant-Man. "Guardians of the Galaxy" soll dann übrigens direkt in "Avengers 2" münden. Das wäre dann voraussichtlich irgendwann 2015. Joss Whedon hat zu einer "Avengers"-Fortsetzung allerdings noch keine Stellung bezogen.
Thor: Dreharbeiten in Großbritannien geplant
Einen schicken Arbeitstitel hat sich Marvel für die Fortsetzung ihres Film über den Donnergott ausgedacht. Schade nur, dass der Name Thursday Mourning schon aufgeflogen ist. Die Produktionsfirma die Anwohner von Bourne Wood in einem Brief über die Dreharbeiten in Kenntnis gesetzt. Dort steht zwar nichts darüber, dass dort "Thor - The Dark World" gedreht wird, aber aus dem Text geht es praktisch hervor.

Ein Auszug: "Wir möchten Ihnen mitteilen, dass in den kommenden Monaten in Bourne Wood Dreharbeiten stattfinden werden. Anbei ein Überblick über das Projekt. Thursday Mourning ist der Arbeitstitel eines großangelegten Spielfilmprojekts. Es handelt sich um eine Comicadaption, die in einem fiktionalen Reich spielt.

Wir werden ein fiktionales Dorf mit Yurten und anderen dörflichen Dekorationen, das in dieses Reich gehört, in einer Senke errichten. Die Sequenz beinhaltet eine Schlacht zwischen zwei Königreichen, die damit endet, dass unser Comicheld die Rettung bringt. Das wird eine erhebliche Menge an Stunts und kontrollierten Special Effects erfordern, die alle in der Zeit von 7 bis 19 Uhr gefilmt werden.

Wir planen die Gebiete, die bereits in der Vergangenheit von Filmcrews benutzt worden sind für unsere Fahrzeuge zu benutzen. In der Sequenz spielen außerdem rund 200 Statisten mit, die in den frühen Morgenstunden ankommen werden, damit sie rechtzeitig für den Drehstart in Kostüm und Make-up bereitstehen."

Es scheint also eine große Schlacht zu geben. In Bourne Wood wurde bereits für "Snow White and the Huntsman", "Gladiator" und "Harry Potter und der Halbblutprinz" gedreht.
Total Recall floppt
Der Reboot/Remake/Reimagining/Re-irgendwas, den keiner so richtig haben wollte, fällt nicht nur bei den meisten Filmkritikern durch, sondern auch an der Kinokasse.

Mit einem massiven Produktionsbudget von geschätzten 125 Millionen US-Dollar landete "Total Recall" am wichtigen Eröffnungswochenende sogar nur auf Platz 2 der US-Kinocharts hinter "The Dark Knight Rises". Das Einspielergebnis beläuft sich auf magere 26 Millionen Dollar. Die einzig "gute" Nachricht ist, dass "Total Recall" in absoluten Zahlen damit knapp über dem Einspielergebnis des Originalfilms von 1990 liegt. Paul Verhoevens Verfilmung konnte 25,5 Millionen Dollar am ersten Wochenende einsammeln.

Die Kehrseite: die Inflation hat in den letzten 22 Jahren auch vor Preisen für Kinokarten nicht Halt gemacht. Damals wurden natürlich wesentlich mehr Tickets verkauft. Nach einer aktuellen Projektion wird der Film sein Budget nicht annähernd wieder einspielen können.

Am 23. August 2012 startet "Total Recall" in den deutschen Kinos. Unter der Regie von Len Wiseman ("Underworld") agieren Colin Farrell ("Alexander"), Kate Beckinsale ("Underworld") und Jessica Biel ("Blade: Trinity").
Prometheus: Sequel in Vorbereitung
"Prometheus" ist gerade mal in allen Kinos angelaufen, da wird bereits an einer Fortsetzung gearbeitet. Das Projekt ist in einer sehr frühen Phase, in der die Verfügbarkeit der Beteiligten geprüft wird. Es sieht allerdings so aus, als müsste das Sequel zum ohne Drehbuchautor Damon Lindelof auskommen, weil er bereits anderweitig verpflichtet ist.

Fox-Produktionschefin Emma Watts hat dazu bereits ein kurzes Statement abgegeben: "Ridley [Scott] freut sich sehr über den Film, aber wir müssen es richtig machen und dürfen nichts überstürzen." Das könnte wiederum bedeuten, dass man eventuell bereit wäre, auf Lindelof zu warten. Scott, Lindelof und sein Co-Autor John Spaiths haben im Drehbuch für "Prometheus – Dunkle Zeichen" bereits die Spuren für eine Fortsetzung gelegt. Fox hat derzeit Sequels zu "X-Men: Erste Entscheidung" und "Planet der Affen: Prevolution" in Arbeit.
Die X-Men-Fortsetzung heißt...
...nein, nein, nein, sicherlich nicht Zweite Entscheidung.

Der neue Film, ein Sequel vom Prequel "X-Men: Erste Entscheidung", wird unter dem Titel "X-Men: Days of the Future Past" am 18. Juli 2014 in die Kinos kommen. Dies hat Bryan Singer, Regisseur der Teile 1 und 2, Produzent bei 3 und 0, am Rande einer Promotiontour fallen lassen.

Dies ist allerdings keine große Überraschung, da bereits vor Wochen bekannt wurde, dass Handlungsstränge aus einer "X-Men"-Comicausgabe aus dem Jahr 1981 in die Filmhandlung integriert werden. Dreimal dürft ihr raten, wie dieser Comicband heißt. Der Comic spielt in zwei Zeitlinien, einmal der Gegenwart und in einer Zukunft, in der die Mutanten in Camps interniert leben.

In der neuen Fortsetzung soll auch die Kontinuität mit den anderen "X-Men"- sowie den beiden "Wolverine"-Filmen gewahrt werden. Möglicherweise wird es wieder Auftritte von Schauspielern der anderen "X-Men"-Ära geben, oder es wird sich auf Ereignisse der anderen Filme bezogen oder sogar darauf aufgebaut.
Masters of the Universe: neuer Film
"He-Man & The Masters of the Universe" werden in einem Film wieder zu neuem Leben erweckt. Das beliebte Kinderspielzeug von Mattel hatte von 1983-1985 bereits eine eigene Zeichentrick-Serie. Der Spin-Off "She-Ra" (He-Mans Zwillingsschwester) war 1985 der Versuch, 93 Episoden lang dem Barbie-Franchise ein paar Mädels abzugewinnen.

1987 dann gab es dann sogar einen richtigen Kinofilm. "Masters of the Universe", mit damals relativ unbekannten Schauspielern wie Dolph Lungren ("Universal Soldier"), Frank Langella ("Superman Returns"), Courtney Cox ("Scream") oder Robert Duncan McNeill ("Star Trek: Voyager").

Bisherige Versuche, das He-Man-Franchise wiederzubeleben, waren erfolglos. Dies ändert sich jetzt. Es gibt ein Drehbuch von Mike Finch und Alex Litvak ("Predators"), Regie soll Jon M. Chu führen. Chu ist allerdings noch mit Rumflicken, Nachdrehen und 3D-Konvertieren seines aktuellen Projektes "G.I. Joe: Retaliation" beschäftigt. Der Problem-geplagte Film soll im März 2013 in die Kinos kommen.

Für die Verfilmung von "Masters of the Universe" gibt es noch keinen Termin.
Russell Crowe spielt Dracula
In Harker, einer Neuinterpretation von Bram Stokers klassischem Vampirroman "Dracula" wird Russell Crowe den blutsaugenden Grafen spielen - und zwar unter der Regie von Eli Roth ("Hostel"). Die Beschreibung des Films klingt folgendermaßen: Der Scotland-Yard-Detektiv Jonathan Harker (die Rolle ist noch unbesetzt) geht einer Reihe bizarrer Zwischenfälle nach und stößt dabei auf die Spur von Dracula.

Erhellend ist das zwar nicht gerade, die Prämisse verrät jedoch schon, dass von dem Roman nur wenig übrig geblieben sein dürfte, denn Harker war ursprünglich ein Anwalt, beziehungsweise Notar, der nach und nach unter Draculas Einfluss geriet. Russell Crowe als Dracula zu besetzen, passt ebenfalls nicht zu der klassischen Vorstellung des Grafen als aristokratische Gestalt mit feinen Gesichtszügen, aber wir werden sehen, wie Roth die Idee umsetzt und ob sich sein Wunsch, aus Harker eine Filmreihe zu machen, erfüllt.
Doctor Who: Wie reist der Doctor mit der Tardis?
Die BBC hat an diesem Wochenende die Sendung "The Science of Doctor Who" ausgestrahlt. Darin sprechen die Macher, unter ihnen Stephen Moffat, und Wissenschaftler, wie der Doctor mit der Tardis durch die Zeit reist. Dabei hat es David Tennant als Doctor doch schon so einfach in der Folge "Midnight" erklärt: "Das ist eine Tür im Raum" - und damit hat er kein Zimmer, sondern den Weltraum gemeint.

Die erste Folge der neuen Staffel mit Titel "Asylum of the Daleks" wird am 25. August ausgestrahlt.
Battle Royale – Die Serie
Der ewige Kleine unter den amerikanischen Networks, The CW, das Heim für Serien wie "Vampire Diaries" oder ehemals "Smallville", hat sich eine ganz besondere Filmreihe als Vorlage für eine neue TV-Serie gesucht: den japanischen Klassiker "Battle Royale".

"Battle Royale" kommt nicht gerade zimperlich daher. Jedes Jahr wird eine Gruppe Schüler auf einer Insel ausgesetzt, jeder bekommt einen Rucksack mit etwas Nahrung, Wasser und einer Waffe. Sinn des Ganzen ist es, dass sich die Schüler gegenseitig umbringen, bis einer übrig bleibt. Wenn das nicht binnen drei Tagen geschieht, gehen alle drauf. Dafür trägt jeder der "Teilnehmer" ein nettes Halsband.

The CW möchte gern die Romanvorlage des japanischen Autors Koushun Takami in eine stündliche Serie pressen. Dessen Einverständnis steht jedoch noch aus. Die Idee entspringt vermutlich dem kürzlichen Erfolg des thematisch ähnlich gelagerten "Die Tribute von Panem"-Films, ebenfalls basierend auf einer Roman-Reihe.

Das Programm der Networks ist in den USA frei empfangbar, entsprechend kommen Inhalte, Darstellung und Themen nicht so frivol daher, wie bei Kabel-Serien wie "Game of Thrones" oder "True Blood". Die dürfen sich schon etwas mehr erlauben. Inwieweit eine mögliche "Battle Royale"-Serie weichgespült wird und wie man die Prämisse überhaupt in eine wöchentliche Serie bringen will, bleibt daher abzuwarten.
Drachengasse 13 - Der dämonische Spiegel
Bereits den vierten Band ihrer mystischen Jugendbuchreihe konnten Bernd Perplies und Christian Humberg am 09. August wieder unter dem Dach des SchneiderBuches veröffentlichen. Auch in diesem Band erleben die vier jugendlichen Akteure Schauriges. Mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben.
Destination Star Trek London: Syfy und TV Movie DIGITAL verlosen Reise
Ab Montag, den 3. September, kehrt "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" auf seinen Heimatsender zurück! Immer montags bis donnerstags ab 21.50 Uhr präsentieren Syfy und Syfy HD die deutsche Erstausstrahlung des digital überarbeiteten Spin-offs des Kultfranchise – jeweils vier Folgen am Stück mit Originalton-Option. Zum Auftakt der Serie wartet auf alle "Star Trek"-Fans die Chance auf das absolute Highlight: Syfy verlost gemeinsam mit TV Movie DIGITAL einen Besuch der "Destination Star Trek London", dem internationalen Treffen aller fünf "Star Trek"-Captains vom 19.- 21. Oktober in London. Im Preis enthalten sind nicht nur Flug und Übernachtung, sondern u.a. auch ein "Special-Pass", der es dem Gewinner und seiner Begleitung ermöglicht, Patrick Stewart - den legendären Jean-Luc Picard, Captain der USS Enterprise – persönlich für ein Autogramm zu treffen und mit ihm ein Foto zu machen.

Bei "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert: Mission London" mitmachen ist ganz einfach! Fans von "Raumschiff Enterprise" sind aufgerufen, auf der Syfy und TV Movie Facebookseite ihren Lieblings-Captain zu wählen und sind damit im Rennen um diesen einmaligen Preis. Bis zum 14. September kann abgestimmt werden!

Fans auf der ganzen Welt mussten lange auf die Veröffentlichung der mit 18 Emmy Awards ausgezeichneten Serie in HD warten, bis der Sender CBS ihren Wunsch erhörte. Doch die digitale Überarbeitung der alten Negative von "Star Trek: TNG" stellte sich im Gegensatz zur klassischen Serie "Star Trek: TOS" als äußerst kompliziert dar. Für mehr als 25.000 Filmrollen musste der Schnitt neu erstellt werden, da die Serie zwar auf Filmmaterial gedreht, aber aufgrund nachträglich eingefügter Effekte auf Videomaterial geschnitten wurde.

3. Star Trek: U. S. S. Enterprise – Technisches Handbuch
von Bernd Perplies
Wenn es etwas gibt, das dem "Star Trek"-Franchise wichtig ist – neben seiner sehr vulkanischen Prämisse des UMUK, der "Unendlichen Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination" –, dann ist es seine wissenschaftliche oder pseudowissenschaftliche Grundierung. Mir ist kein Science-Fiction-Universum bekannt, dass sich ein so kohärentes Vokabular an Tech-Babble zugelegt hätte und so genau die Funktionsweisen eigentlich unmöglicher Technologien beschrieben hat. Zahlreiche technische Handbücher zeugen von dieser Liebe zum Detail. Das neueste ist "Star Trek: U.S.S. Enterprise – Technisches Handbuch" aus dem HEEL-Verlag.

Das Buch ist im Original in der britischen Reihe "Haynes Owner's Workshop Manuals" erschienen. Diese Reihe beschäftigt sich normalerweise mit Autos und Motorrädern und richtet sich an Mechaniker und Hobbybastler. Jedem Buch liegt ein komplettes Zerlegen und erneutes Zusammenbauen des beschriebenen Fahrzeugs zugrunde. Damit wird sogar auf den Covern geworben. Die Popularität der Reihe hat für einige Spaß-Produkte gesorgt, etwa Anleitungen für Männer, Frauen oder eben die Enterprise. Natürlich geht das vorliegende Produkt nicht ganz so ins technische Detail, aber spannend für den Fan ist das Werk allemal.

Auf 160 Seiten und ins Deutsche übertragen von den "Star Trek"-Kennern Christian Humberg und Markus Rohde wird die Technikgeschichte von der NX-01 bis zur NCC-1701-E erzählt. Betriebsgeschichte und Systemübersicht sind allen sieben Hauptkapiteln gemein. Bei Schiffen, über die man weniger weiß – etwa die Enterprise-A, -B und -C - bleibt es bei diesem 8- bis 10-seitigen Überblick, der natürlich reich bebildert ist. Bei den bekannteren Modellen NX-01, NCC-1701 und ihren späteren Varianten -D und -E gönnen sich die Autoren Ben Robinson und Marcus Riley 18 bis 38 Seiten Platz – auch hier je nach Quellenlage (das Dossier über die Enterprise-D fällt erwartungsgemäß am längsten aus).

Die Informationen, die zu den einzelnen Schiffen geboten werden, sind sowohl angenehm detailliert, als auch erfreulich lesenswert präsentiert. Natürlich existieren – gerade für die Enterprise-D – teilweise Quellen, die noch stärker ins Detail gehen. Aber das ist überhaupt nicht notwendig. Jeder "Star Trek"-Fan wird hier alles finden, was er benötigt, um sich ein gutes Bild von diesen Schiffen machen zu können (Deckpläne mal ausgenommen). Neben den genannten allgemeinen Informationen bekommt man bei den umfangreicheren Einträgen einiges zu den Einrichtungen erzählt, etwa der Brücke, dem Antriebssystem, Shuttles, der Krankenstation, Waffen und Verteidigung und/oder dem Holodeck. Bebildert sind diese Texte vor allem durch Fotos aus den Serien und Filmen sowie hübschen Zeichnungen der Schiffe und ihrer Räumlichkeiten.

Sechs kurze Zusatzkapitel beschäftigen sich mit Eigenheiten des "Star Trek"-Universums, etwa Zeitreisen, Paralleluniversen oder Transportertechnologie. Ein Vorwort der "Star Trek"-Technik-Spezialisten Mike und Denise Okuda sowie ein Anhang, der einen Größenvergleich der beschriebenen Schiffe zeigt, runden das großartige Buch ab.

Fazit: Wer die Raumschiffe des "Star Trek"-Universums im Allgemeinen und die Inkarnationen der U.S.S. Enterprise im Besonderen liebt, der kommt um dieses Buch nicht herum. Hier stimmt einfach alles, und es zeigt sich, dass es trotz einer gewissen Flaute im Franchise nach wie vor einige richtig gute Begleitprodukte gibt. Höchst informativ, schön bebildert und unterhaltsam zu lesen – dieses Werk gehört einfach in jede gute "Star Trek"-Bibliothek.

Star Trek: U.S.S. Enterprise – Technisches Handbuch
Sachbuch
Ben Robinson, Marcus Riley, Michael Okuda
Heel Verlag 2011
ISBN: 978-3-86852-453-6
160 S., Softcover, deutsch

4. Klingonische Sprache: Die richtige Betonung
von Lieven L. Litaer
Wie spricht man eigentlich Klingonisch? Wie soll sich Klingonisch anhören? Scheinbar gibt es dort ganz verschiedene und viele falsche Meinungen. Woher diese kommen, ist nicht wirklich erklärbar. Bei meinen Vorträgen erzähle ich immer wieder, man solle Klingonisch mit seiner ganz normalen, natürlichen Stimme sprechen. Selbstverständlich besagt die Grundregel der Aussprache, man solle Klingonisch mit Stolz und viel Nachdruck sprechen, aber dies soll ja nur dafür sorgen, dass man mit kräftiger, selbstbewusster Stimme auftreten und nicht wie ein kleines, weinerliches Mädchen um ein Glas Blutwein betteln sollte. Das heißt auf keinen Fall, dass man seinen Gegenüber wie ein durchgeknallter Gorilla mit rotem Kopf und pochenden Halsschlagadern anschreien und dabei auch noch mindestens dreimal richtig lauthals rülpsen sollte. In der fast 50-jährigen Geschichte von "Star Trek" hat man übrigens höchstens ein- oder zweimal einen Klingonen rülpsen gehört. Dies war vor allem ein alter, heruntergekommener und besoffener Klingone Namens Korrd, der seinen Lebensabend auf dem trostlosen Wüsten-Planeten Nimbus III verbringen musste und damit nicht gerade das Parade-Beispiel für einen echten Klingonen darstellte. Dies sei nur mal am Rande erwähnt.

Ein anderer häufiger Fehler, den nicht nur Anfänger, sondern auch viele Profis machen, ist, dass sie ihre Wörter total überzogen ar-ti-ku-lie-ren. Wer versucht, perfekt nach Buch Klingonisch zu sprechen, und dabei peinlichst genau darauf achtet, jede einzelne Silbe und jeden lateralen, alveolaren Frikativ minutiös auszusprechen, der klingt höchstens wie ein schlecht programmierter Roboter aus einem Musikvideo der 80er-Jahre.

Um beim Klingonisch sprechen natürlich zu klingen, sollte man einfach nur - logischerweise - natürlich sprechen. Ohne einen Knoten in die Zunge zu bekommen, und ohne dabei fast zu ersticken. Auch der Hals muss nach drei Sätzen nicht schon weh tun, denn sonst wird man es einfach nicht durchhalten, den ganzen Abend auf Klingonisch zu feiern, geschweige denn zu singen.

Ein recht peinliches Beispiel hierfür erzählte mir der Vorsitzende des Klingonisch-Insituts, der gebeten wurde, für eine Art sprechendes Buch ein paar Sätze auf Klingonisch aufzunehmen. Sowas ähnliches gibt es schon mit anderen Sprachen. Man klickt auf einen Knopf, und plötzlich hört man zum Beispiel die Stimme von Chewbacca, die einen bekannten Satz aus "Star Wars" spricht. Dasselbe soll jetzt demnächst für "Star Trek" auf Klingonisch erscheinen. Doch nachdem der Produzent die Aufnahmen gehört hatte, sagte er, diese seien zu unklingonisch. Gleichzeitig schickte er noch zwei Links mit, in denen man eine angeblich gute Ausprache sehen und hören konnte - und zwar so, wie er es gerne hätte - und einen anderen Link, wie es nicht klingen sollte. Und in der Tat war es so, dass im ersteren Link jemand wie eine Mischung aus Hulk und einem Klingonen etwas ins Mikro brüllte. Es war laut, ja, aber die Aussprache war miserabel und die Grammatik wie zu erwarten einfach nur falsch und schrecklich. Ironischerweise zeigte gerade das andere Video, welches als Gegenbeispiel für schlechtes Klingonisch angeführt wurde, einen Video-Sprachkurs eines sehr bekannten Klingonischlehrers aus Deutschland. Ich fühlte mich sehr geschmeichelt als der Direktor des Klingonisch-Instituts dem Produzenten des neuen Spielzeugs nur mitteilte, dass dies wohl der erfahrenste Klingonischsprecher Europas sei.

Letztendlich hat er die gewünschten Sätze wie angewiesen ins Mikrofon gebrüllt und weitergeleitet. Ob ihm das gereicht hat, ist bis heute nicht bekannt. Ich hoffe nur, dass sich nicht all zu viele Leute diese Aussprache aneignen werden.

5. KEINE TV-Vorschau – Sündhafte Begierde der Verdammnis
von Frank Hebenstreit
Ja, Sie haben richtig gesehen entsetzte Leserin, enttäuschter Leser, es gibt in dieser Ausgabe keine TV-Vorschau. Aber zu unser aller Glück ist das nur ein vorübergehender Zustand. Und doch kennen und schätzen Sie uns dafür, dass wir Ihnen so etwas nicht einfach nur zumuten und Sie dann mit diesem Gefühl der Einsamkeit zurücklassen.

Wir können Ihnen an dieser Stelle zwar nichts präsentieren, was mit Fernsehen zu tun hat, aber mal wieder etwas Außergewöhnliches. Wissen Sie noch, was wir als Kinder zu hören bekommen, haben, wenn wir fernsehen wollten und nix Vernünftiges kam in der Glotze? Gut, das ist in dieser multimedialen Zeit etwas unvorstellbar, aber ich rege an, dass wir uns alle kurz in der Zeit zurückversetzen, als es nur DREI Fernsehprogramme UND einen SENDESCHLUSS gab. Für unsere jungen Leser sicher ein unheimlicher, geradezu körperliche Schmerzen bereitender Zustand, aber wir sind auch so am Leben geblieben. Natürlich konnte das nur dank guter Tipps wohlmeinender Mütter oder Väter geschehen.

Und was war dieser sagenumwobene Tipp?
Lies doch mal wieder was!

Ja? Sie erinnern sich? Und auch an dieses "Was denn wohl?" das uns dann allen durch den Kopf ging? Na bitte, dann Sind sie bei mir, denn ich habe zur mangelnden TV-Vorschau einfach mal eine außergewöhnliche Lesealternative rausgesucht. Einfach nur so ein "Liesmalwas!" wäre doch kein Stil…. Weder Ihrer….. noch unserer.
Und das biete ich Ihnen: "Sündhafte Begierde der Verdammnis". –Kurzes Wirken lassen– Sie denken jetzt automatisch an dunkle Mächte, schwarze Magie, Leidenschaft und eine Portion Sex? Wie Recht sie doch haben. Aber auch nicht zu hundert Prozent. Doch dazu später.

Im Homo Littera Verlag erschienen ist das von Yara Nacht ersonnene Buch ein Beginn in mehrfacher Hinsicht. Wer sich bei den Unmengen von guter bis schlechter Vampirliteratur, bei dem Riesenbogen von Bram Stokers "Dracula" bis zu den neuzeitlichen "Vampire Diaries" immer schon mal dachte, man müsste doch mal was anders machen, kann ich Ihnen versichern, Yara Nacht hat etwas anders gemacht. Entschuldigung, nicht nur etwas, sondern einiges.
Sie hat eine Vampirserie ersonnen, und sie hat sich einen Genreverlag ausgesucht. Aus gutem Grund, denn die Vampirserie hat von ihr noch ein Adjektiv mit auf den Weg bekommen. Der genaue Titel lautet "Eine homoerotische Vampirserie Teil 1". Wer aber jetzt sofort verurteilen möchte und nur kopulierende Männer vor einem schlecht auf Stoff aufgemalten Schloss sieht, der wird schnell eines Besseren belehrt. Yara Nacht lässt ihren Charakteren Raum. Sie gibt dem Leser Zeit, sie kennen zu lernen und nimmt ihn mit auf die Reise.

Das in Hochglanz gebundene und taschenbuchartig gestaltete Buch outet sich nicht auf den ersten Blick. Dass der fotografierte Jüngling und der steinerne Torbogen erst durch ein Computerprogramm zu einander gefunden haben und sich auch dort erst mit den Pflanzen und Dornen vereinigt haben, das sticht dem multimedial verwöhnten Leser sofort ins Auge. Das ist aber auch gut so, denn das lenkt das Interesse mehr auf das Buch hin, als weg. Es vermittelt einen kurzen Touch von Untergrundlektüre. Damit senkt es zwar die Erwartungshaltung, was den Inhalt angeht, kann aber auch als Schachzug eines Marketingteams angewandt worden sein. Es steht zwar homoerotisch drauf, aber auf den ersten Blick wird auch die Distanzierung von all den schwülstigen Massenprodukten deutlich. "Lüsterner Held rettet junge unerfahrene verarmte Adlige(n) und auf dem Weg ihr(ihm) den Titel und Familienvermögen zurück zu beschaffen vö… (schulligung) er sie(ihn) zum Himmel der Genüsse und durch 23 andere Betten" ist hier definitiv nicht zu erwarten.

Was aber nicht heißt, dass Frau Nacht das Spiel mit den Klischees nicht beherrschte. Natürlich muss Valentin als blutjunger Priester in ein "Hintertupfingen" und dort den Umständen geschuldet, allein seinen seelsorgerischen Dienst tun. Natürlich sieht er sich als geradeaus denkender Mensch in dieser in der Gegenwart angesiedelten Handlung mit Menschen konfrontiert, die sobald es dunkel wird das Haus nicht mehr verlassen und vor dem "Bösen" warnen. Alles soweit bekannt und erwartet. Vorhersehbar? Nein!

Das Böse ist auch hier schön, gutaussehend und verführerisch. Eine Besonderheit dieses Buches ist es nun, dass DER Böse –Bastian– einen anderen Mann umgarnt, versucht ihn zu verführen. Das Ganze geschieht mit der angenehmen und ungezwungenen Selbstverständlichkeit mit der üblicherweise in der restlichen Literatur die typische Mann-trifft-Frau-Geschichte ihren Lauf nimmt. Als weitere wohltuende Besonderheit blendet die Erzählung nicht auf einen durch das Zimmer wehenden Lufthauch und verlässt die nun zur Sache kommenden Liebenden hinter einem undurchsichtigen Vorhang. Klar und ansehnlich nimmt die Autorin den Leser mit zwischen die recht unruhigen Laken. Sie versteckt sich nicht hinter Verklausulierungen ohne ins Pornografische abzudriften. In einem kurzweiligen und spannenden Handlungsbogen geleitet Yara Nacht ihren Leser bis hin zu einem unausweichlichen Höhepunkt.

Als schlussendlich der Protagonist Valentin an einem verbotenen Ort ankommt, tut sie das, was das alte Sprichwort schon immer fordert. Sie hört auf, wenn’s am schönsten ist. Sie lässt den Leser an dieser Stelle mit einer dunklen Ahnung zurück, die eigentlich nur eine einzige Reaktion erlaubt, den Griff zum nächsten Band.
Da sind wir dann auch bei der nächsten Besonderheit, was Frau Nacht anders gemacht hat. Es handelt sich beim Homo Littera Verlag nicht um einen der großen Mainstream Verlage. In Österreich beheimatet, hat sich der kleine Sparten-Verlag die Nische auf die Fahnen geschrieben. Jede unter diesem Namen veröffentlichte Geschichte, Erzählung oder Buch hat den Anspruch, dass der oder die Protagonist/in einen lesbischen, schwulen oder Tansgender-Hintergrund hat. Dieses "Queer" um jeden Preis kann durchaus schief gehen, wie so manches fragwürdige Buchexemplar auf dem weltweiten Markt bezeugen kann. Homo Littera formuliert mit dieser ersten Papierveröffentlichung einen klaren Anspruch an sich selbst und wird ihm voll gerecht.

Es bleibt zu wünschen, dass auch die nächsten Veröffentlichungen auf diesem Niveau ihren Weg vor die Augen geneigter Leser finden. Ich für meinen Teil freue mich schon jetzt darauf, die Geschichte von Valentin und Bastian zu verfolgen. Und das hoffentlich bald.

6. Im Gespräch mit Claudia Kern
von Reiner Krauss
Die Science-Fiction und Fantasy ist unser Thema hier und heute, wen wundert's? Doch zum Bewundern ist die Autorin, mit der ich dieser Tage erneut das Vergnügen hatte zu sprechen: Claudia Kern.

Eine aus dem Rheinland stammende Berlinerin, die vielfältig im Genre aktiv ist. Sei es durch eigene Bücher oder Übersetzungen, aber auch durch Engagement für Serien wie "Perry Rhodan", "Elfenzeit", "Maddrax" und neu beim jungen SciFi-Magazin "GEEK!", sowie als Host bei Veranstaltungen wie FedCon oder RingCon.

Reiner Krauss (RK): Hallo nach Berlin. Ist es denn wirklich wahr, dass du Ja zu einem Interview hier gesagt hast?! Find ich cool, denn bei unserer ersten zufälligen Begegnung zu Tisch auf der FedCon war die Unterhaltung ebenfalls schnell humorvoll und unterhaltsam. Somit freu ich mich riesig, heute auf diesem Wege wieder kurzweilig und trotzdem inhaltsvoll zu plaudern!

Claudia Kern (CK): Das war da, wo es die eklige, halbrohe Ente gab, oder? War reine Taktik. So lange ich geredet habe, musste ich mir das Essen nicht ansehen. Aber die Freude ist trotzdem ganz auf meiner Seite - auch ohne Ente.

RK: Kommen wir zunächst zu deinem brandneuen Buch "Das Schwert und die Lämmer". Du selbst umschriebst die Handlung als "Kinderkreuzzug". Hört sich grausam an und handelt zudem von einer religiös verblendeten Hauptperson genannt Madlen. Der Titel erinnert dezent an "Das Schweigen der Lämmer" und der Inhalt an aktuellen Fanatismus. Nur eine Reflektion unserer Welt heute oder auch etwas von "this is the part of me" (Kathy Perry) ...

CK: Dass der Titel an "Das Schweigen der Lämmer" erinnert, ist ein Zufall, der mir leider erst später aufgefallen ist, als sich wirklich jeder versprach. Etwas blöd gelaufen, vor allem, weil der Titel so gut passt. Der Kinderkreuzzug ist nämlich nichts anderes als eine Prozession von Lämmern, die zum Schlachter geführt werden. Das Thema ist zwar nicht gerade ein Schenkelklopfer, aber die Zeit zu beschreiben, macht schon Spaß, ebenso die Entwicklung von Figuren, die so ganz anders denken als wir heute. So wurde jeder Scheiß zum Willen oder zur Strafe Gottes erklärt, von schlecht gewordener Milch bis hin zu Seuchen und Kriegen. Parallelen zur modernen Welt möchte ich da nicht unbedingt ziehen, denn Fanatismus hat es immer schon gegeben und daran wird sich wohl auch leider auf lange Sicht nichts ändern.

Apropos, Fanatismus. Ich habe bei Weltbild gerade einen neuen historischen Roman namens "Pestmasken" veröffentlicht. Wollte ich nur mal erwähnen. Könnte ja jemanden interessieren. Oder so.
Und wieso zitierst du überhaupt Kathy Perry? Wo bin ich hier hingeraten?

RK: Das neue Magazin "Geek!": Laut eigener Werbeaussage vereinigt es das ganze Universum der Science-Fiction, ob in Filmen, TV-Serien, Romanen, Comics, Games, der Wissenschaft oder dem Internet. Gemacht von Geeks für Geeks! Was wollt ihr besser und anders machen als mit dem jüngst zu Grabe getragenen "SpaceView"? Hat dein Kontakt mit "Panini" hier auch geholfen, ein neues Fundament zu legen und wie kam die Erstausgabe bisher an?

CK: Die Frage könnte Chefredakteur Markus Rohde wahrscheinlich eher beantworten als ich. Aber ich probier's trotzdem mal. Ihr könnt in der nächsten Ausgabe ja dann eine Gegendarstellung bringen. :)
Also, mit der Gründung der "Geek!" hatte ich nichts zu tun, außer dass der Titel von mir stammt, was ich sehr cool finde. Die "Space View" war kein schlechtes Magazin, aber sie litt unter einem jahrelangen Schlingerkurs zwischen Mainstream und Fandom, der sie zu viele Leser gekostet hat. Und wer erst einmal weg ist, kommt nicht mehr zurück.
Die "Geek!" begeht diesen Fehler nicht. Wir haben von Anfang an ganz klar umrissen, was in das Magazin gehört und was draußen bleiben muss. Wir beschäftigen uns mit Science-Fiction, also interessiert uns am Hobbit nur die interessante technische Neuerung der 48 Bilder pro Sekunde. Über die werden wir wohl berichten, aber nicht über den Film an sich. Wir schreiben über das, was wir als Geeks lesen wollen, und das scheint, wenn man den Rezensionen im Netz glauben darf, auch anzukommen. Die erste Ausgabe wurde überwiegend positiv bewertet, sogar von Leuten, die nicht mit uns auf Facebook befreundet sind. Das ist doch schon mal ein Anfang.

RK: Neben eigenen Büchern, Übersetzungen und Magazin, findet man aber auch Romane von dir bei "Professor Zamorra" und "Maddrax". Woher kommt der Spaß an Grusel mit Fantasy und SciFi und wieso sieht der Held Matt Drax (Maddrax) irgendwie wie McGyver aus?

CK: Matt kann ebenso wenig etwas für seine Gene wie wir alle. Mehr sage ich dazu nicht. :)
Zamorra und Maddrax haben mir wirklich großen Spaß gemacht. Ich bin immer schon ein Fan der Phantastik in all ihren Formen gewesen. Die Möglichkeit, aus der normalen Welt auszubrechen und "Was wäre, wenn"-Szenarien zu entwerfen, beflügelt die Phantasie, für mich als Leserin ebenso wie als Autorin. Diese Freiheit hat man in keinem anderen Genre, das macht Phantastik so interessant.

RK: Sehen kann man dich auch jedes Jahr wieder bei FedCon und RingCon. Wie und wann kam es eigentlich zu deinem Einstieg dort und deiner Arbeit als "Host", quasi die Begleitperson von Stargästen? Erzähle unbedingt aus dem Nähkästchen, was waren Deine liebsten Stargäste, wer hat dich beeindruckt, wer war am originellsten, witzigsten usw. ...?

CK: Ich kam dazu, weil die FedCon von München nach Bonn umzog und Dirk, der Veranstalter, dringend jemanden brauchte, der sich in der Stadt auskannte. Das war dann zum Glück ich.
Über die Gäste rede ich eigentlich nicht so gern, vor allem nicht in Absoluten. Klar könnte ich sagen, dass Anthony Stewart Head einer der nettesten Gäste war, die wir je hatten, dass George Takei extrem witzig ist und Edward James Olmos seit der Con mein persönlicher Held ist, aber über die Jahre waren so viele toll, originell und auch beeindruckend, dass es unfair wäre, zwei, drei Leute so herauszustellen.

Habe ich mich jetzt gut rausgewunden, oder?

RK: Reden wir mal vom Arbeitsalltag als "Schreiberin". Wie organisierst du den Tag? Schreibst du lieber früh oder spät, also Frühaufsteher oder Morgenmuffel?

CK: Was ist das für ein Wort, das du da benutzt, "organisieren"?
Die Kurzfassung: Ich stehe gegen 11 auf, manchmal auch später, gehe meine E-Mails durch, frühstücke und verzocke mich im Internet. Dann gehe ich mit den Hunden raus, komme zurück, lese E-Mails, verzocke mich im Internet, gehe vielleicht mit meinem Freund (und ohne Hunde) ins Kino, komme nach Hause, esse und verzocke mich im Internet. Das geht eine Weile gut und macht auch richtig Spaß, dann kommt der befürchtete Anruf "Sag mal, wann kriege ich eigentlich das Manuskript?"
Danach ändert sich der Ablauf drastisch. 10 Uhr aufstehen, schreiben, schreiben, schreiben, Hunde, schreiben, schreiben, schreiben. 4 Uhr schlafen gehen. Der Teil meines Lebens macht deutlich weniger Spaß.

RK: Wie ich erfahren habe, warst du auch mal für das "Corona Magazine" engagiert. Derzeit bist du ja noch bei "sf-radio.net" im Boot. Wie kam es zum Einstieg und der Entwicklung?

CK: Ich bin damals über Mike Hillenbrand zu sf-radio gekommen und habe dann auch ein bisschen für das Corona Magazine geschrieben. Irgendwann ist das eingeschlafen, aber als der Verein, über den sf-radio lief, sich auflöste, fanden Mit-Starbetreuerin Susanne Döpke und ich das bevorstehende Ende der Seite so schade, dass wir sie einfach übernommen haben. Im Moment arbeiten wir an der Neugestaltung, die hoffentlich bis Ende des Jahres durch ist.

RK: Vielen lieben Dank für deine ausführlichen Informationen. Vielleicht sehen wir uns schon bald wieder auf der RingCon 2012!

CK: Gern geschehen!

7. Phantastische Spiele: Star Trek Fleet Captains
von Bernd Perplies
Welchen "Star Trek"-Fan würde es nicht reizen, einmal an Bord eines Föderationsraumschiffs auf dem Captains Chair Platz zu nehmen und hinaus ins All zu fliegen, um seine Wunder zu erforschen, neue Welten und neue Zivilisationen zu entdecken? Mit dem englischen Brettspiel "Star Trek Fleet Captains" kann man diesen Traum nun zumindest am Wohnzimmertisch Wirklichkeit werden lassen. (Was nicht das Gleiche ist – ich weiß. Aber Spaß macht es trotzdem.)

"Star Trek Fleet Captains" ist ein Spiel um Entdeckung, Kolonisierung und Konkurrenz im All. Zwei Spieler (oder zwei Teams zu jeweils zwei Spielern) befehligen jeweils eine Flotte von Raumschiffen, die sich über einen zu Beginn völlig verdeckten Spielplan aus modularen, hexagonalen Weltraum-Feldern bewegen. Zur Auswahl stehen in der Grundbox die Föderation und das Klingonische Reich. Das Romulanische Sternenimperium wurde bereits für eine Erweiterungsbox im Herbst angekündigt. Inhaltlich wird dabei ein "Best of" aller "Star Trek"-Epochen geboten. So fliegen die Enterprise-A, die Defiant und die Voyager genauso nebeneinander her, wie die Captains Kirk, Picard und Janeway.

Gespielt wird auf eine vorher festgelegte Anzahl 6 bis 38 Siegpunkten hin. Für den Beginn werden Partien um die 10 Siegpunkte für zwei Spieler und 16 Siegpunkte für vier Spieler empfohlen. Die Siegpunkte legen fest, wie groß die eigene Flotte sein darf. Pro Fraktion stehen zwölf Schiffe zur Verfügung, die auch als hübsch detaillierte Miniaturen beigefügt wurden. Die Miniaturen entsprechen dabei den Schiffchen aus dem Spiel "Star Trek HeroClix Tactics", sind allerdings nicht bemalt, sondern kommen in Einheitsgrau (Föderation) beziehungsweise Grün (Klingonen) daher.

Um eine Flotte zusammenzustellen, werden aus einem gemischten Kartenstapel so viele "Starship Display Cards" gezogen, bis die Größe (Size von 1 bis 6) aller Schiffe genau der Siegpunkteanzahl entspricht. Die Starship Display Cards enthalten, man ahnt es, einen Überblick aller relevanten Werte der Raumschiffe, außerdem geben sie an, aus welchen Missionen ("Science", "Influence" and "Combat") das eigene "Mission Deck" zusammengestellt wird – ein schöner Kniff, damit die kommenden Aufgaben im Spiel auch gut zur eigenen Flotte passen. Drei der Missionen werden gleich ausgelegt, sodass man zu Spielbeginn bereits etwas zu tun hat. Der Rest bildet den Nachzieh-Stapel, das Missions-Deck.

Das modulare Spielfeld kann theoretisch so unendlich weit sein, wie der Weltraum es laut "Star Trek"-Vorspann ist. De facto wird es durch die 50 vorhandenen, etwa handtellergroßen Weltraum-Felder begrenzt. Das kleinste Spielfeld umfasst 3x4 Felder (und wird für ständigen Stress zwischen Föderierten und Klingonen sorgen), empfohlen wird zu Beginn ein 5x5-Layout. Diese Weltraum-Felder kann man erkunden und darunter stellare Phänomene, Planeten oder einfach nur kalten, leeren Raum finden.

Bevor es losgeht, stellt sich jeder Spieler zuletzt noch sein "Command Deck" zusammen. In diesem befinden sich Spielkarten, die man einsetzen kann, um im Kampf oder beim Bewältigen von Missionen Boni zu erhalten. Für jede Fraktion gibt es zehn Sets zu zehn Karten, die einem gewissen Thema folgen – Kampf, Diplomatie, usw. – und aus denen man sich vier Sets aussuchen darf, die man für besonders hilfreich erachtet. Diese werden gemischt und bereitgelegt. Vier Karten darf man sogleich auf die Hand ziehen.

Gestartet wird im eigenen "Command Post"-Bereich, der an drei Weltraum-Felder angrenzt. Von hier aus wagen sich die mutigen Entdecker ins Unbekannte. Gespielt wird in abwechselnden Zügen, wobei jedem Spieler folgende Möglichkeiten offen stehen: Jedes Schiff der eigenen Flotte darf bewegt werden, bei jedem Schiff darf die Energie umgeleitet werden ("Power Adjustment"), man darf drei Aktionen ausführen, Command Cards spielen, eine ungeliebte Mission durch eine neue ersetzen und eine Command Card von der Hand abwerfen. Bei jedem Spielen oder Abwerfen einer Command Card wird sofort eine neue nachgezogen. Wann immer ein neues Weltraum-Feld aufgedeckt wird, muss der entsprechende Spieler zusätzlich würfeln, ob es zu einem Encounter, einer Begegnung kommt. Die hierzu gezogenen Encounter Cards bieten vielfältige Herausforderungen: von fahrenden Ferengi-Händlern über die Entdeckung aufgegebener Außenposten bis hin zu Tribbles – die man natürlich nicht mehr los wird.

Zwei Spielmechanismen beherrschen im Wesentlichen das Spielgeschehen: zum einen Tests, zum anderen das Energieumleiten. Viele Aktionen – ein Angriff, das Scannen eines stellaren Phänomens, das Bewältigen einer Mission – erfordern Tests. Manchmal gibt es eine Zahl, die erreicht werden muss. Manchmal handelt es sich um einen vergleichenden Test zwischen den beiden Spielern. Um so einen Test durchzuführen, würfelt man einen 6-seitigen Würfel. Dazu wird der passende Schiffssystemwert (Engines, Sensors, Weapons, Shields) addiert. Crewmitglieder, die man in den Command Cards findet und an Bord platzieren kann, geben möglicherweise noch Boni. Und man darf eine zusätzliche Command Card (Ops oder Combat) von der Hand spielen, die ebenfalls mithilft, das Ziel zu erreichen.

Interessant ist hierbei vor allem der Schiffssystemwert. Denn wie oft hört man bei "Star Trek", dass etwa "alle Energie auf die Schilde" gegeben wird. Um dieses Energieumleiten zu simulieren, besitzt jedes Schiff eine Scheibe mit Werten in der Plastikbasis, die man drehen kann und die sich dann ändern. (Für Kenner: ein Clix-Dial – wir haben es erwartet, schließlich stammt das Spiel aus der Clix-Spieleschmiede WizKids/NECA.) Je nachdem, was man im eigenen Zug vorhat, sollte man also sehr genau überlegen, wie man seine Energie verteilt. Einmal pro Zug darf man das Clix-Dial drehen – nur einmal. Und wenn die Schilde oben sind, ist garantiert die Sensor- oder Antriebsleistung reduziert.

Die Vielzahl der Möglichkeiten, die man in einem Zug durch oben genannten drei Aktionen erhält, möchte ich hier gar nicht aufzählen, weil es die Rezension sprengen würde. Man kann Außenposten errichten, Material und Besatzungen beamen, Gegner angreifen, das eigene Schiff tarnen – sprich alles, was zu einer zünftigen Erforschung des "Star Trek"-Universums gehört. Die Vielzahl an Weltraum-Feldern, Encounter Cards, Mission Cards und Command Cards sorgt dabei für reichlich Abwechslung, sodass kein Spiel völlig dem anderen gleicht. Und auch der Umstand, dass man für sehr unterschiedliche Dinge Siegpunkte erhält, erhöht den Wiederspielwert, denn hat man sich beim ersten Mal auf das Lösen von Missionen konzentriert, möchte man bei der nächsten Partie sich vielleicht einfach durch Raumschlachten zum Sieg durchkämpfen.

Gibt es auch Kritik? Wenig. Die Weltraum-Felder sind leider aus sehr dünnem Kartenmaterial gefertigt und verrutschen leicht während des Spiels, sodass der Spielplan immer etwas durcheinander wirkt. Richtige Papp-Kärtchen, wie man sie etwa aus Euro-Games kennt, wären schöner gewesen. Zudem ist spieltechnisch gesehen der Kampf leider etwas überrepräsentiert, was vor allem daran liegt, dass der Klingonenspieler vor allem Combat Missions im Missions-Deck hat und entsprechend den Konflikt sucht. Da man sich als Föderationsspieler nur mit Gegengewalt effektiv dagegen wehren kann, verliert man zwangsläufig Aktionen, die man womöglich lieber genutzt hätte, um den Weltraum zu erforschen und Raumbasen zu bauen. Aber vielleicht ist das auch nur eine Frage der richtigen Strategie.

Fazit: WizKids hat mich in den letzten Monaten wirklich erstaunt. Die machen richtig gute Brettspiele! "Star Trek Expeditions", "Mage Knight" ... Ein Volltreffer jagt den nächsten. Auch "Star Trek Fleet Captains" reiht sich in die Liste der Erfolge ein. Ich kann dieses Spiel jedem "Star Trek"-Fan wirklich nur wärmstens empfehlen. Vom Kanon her darf man natürlich nicht kleinlich sein und muss auch mal einen Hikaru Sulu als Captain der U.S.S. Voyager einsetzen, wenn es nötig wird. Kann man über diesen Temporalwirbel aller Epochen allerdings hinwegsehen, bekommt man "Star Trek"-Atmosphäre pur auf dem Wohnzimmertisch. Nur der echte Captains Chair ist besser!

Star Trek Fleet Captains
Brettspiel für 2 oder 4 Spieler
Mike Elliot, Ethan Pasternack, Bryan Kinsella
WizKids/NECA 2011
EAN: 634482703328
Sprache: Englisch

8. Battleship - Auf der Suche nach einem neuen Feindbild?
von Sven Wedekin
Man sagt den Amerikanern ja gerne nach, dass sie aufgrund einer merkwürdigen Mischung aus Paranoia und Patriotismus überall auf der Welt potentielle Gefahren für den Americen Way of Life sehen: Früher waren es die Kommunisten, heute fanatische Islamisten, durch die angeblich die Werte der freien westlichen Welt bedroht werden – als deren Verteidiger sich die Amerikaner nach wie vor betrachten. Im Kino spiegelt sich diese Suche nach immer neuen Feindbildern manchmal in Filmen wieder, bei denen man sich nicht so ganz sicher sein kann, ob sie nun Satire oder ernstes Drama sein wollen.
Nun hat es in der Vergangenheit schon des öfteren Produktionen gegeben, bei denen die Macher diese Entscheidung ganz bewusst dem Publikum überlassen haben, man denke nur an Paul Verhoevens "Starship Troopers", der seine satirischen Seitenhiebe auf Millitarismus und Nationalismus so perfekt unter ebenso atemberaubenden wie blutigen Kampfszenen versteckte, dass ihr Vorhandensein von vielen, politisch eher rechts stehenden, Zuschauern möglicherweise überhaupt nicht bemerkt wurde.

Bei Peter Bergs neustem Sommerblockbuster "Battleship" ist die Frage nach der Ernsthaftigkeit des Dargebotenen von ganz besonderer Dringlichkeit: Selten zuvor hat es einen Alieninvasionsfilm gegeben, der scheinbar so deutlich Werbung für das Militär – oder genauer gesagt, für die Marine der Vereinigten Staaten – als eine Einrichtung zur Charakterbildung gemacht hat.
Hauptfigur ist der Taugenichts Alex Hopper, der keinerlei nennenswerte Ziele für sein Leben hat. Sein entnervter Bruder, der als Captain bei der Navy dient, besorgt ihm einen Posten auf einem Zerstörer, in der Hoffnung ihn durch den Dienst dort endlich Verantwortungsbewusstsein einbläuen zu können. Und tatsächlich: innerhalb weniger Filmminuten ist aus dem liebenswerten Loser ein zackiger Offizier geworden, der fest an sich und seine Fähigkeiten als Soldat glaubt. Der Film lässt hier keinen Zweifel an den didaktischen Vorteilen einer Militärkarriere aufkommen. Doch als während eines Seemanövers fremdartige Raumschiffe mitten im Ozean landen, werden auch gleichzeitig dessen Schattenseiten deutlich: Ohne groß Fragen zu stellen, eröffnen die amerikanischen Zerstörer das Feuer und provozieren dadurch einen vernichtenden Gegenangriff der Fremden, in dessen Verlauf mehrere Navyschiffe versenkt werden, unter anderem auch jenes, das unter dem Kommando von Alex Bruder steht.

An diesem Punkt entsteht beim Betrachter nun der Eindruck, die Menschen seien die eigentlichen Aggressoren, da sich die vermeintlich bösen Invasoren aus dem All im Grunde nur gegen die Fremdenfeindlichkeit der Menschen wehren, die sich daran zeigt, dass diese in ihnen sofort eine Bedrohung sehen, die bekämpft werden muss.
Als Alex Bruder getötet wird, ist er gezwungen, das Kommando auf dem einzigen noch verbliebenen Schiff zu übernehmen. Nur mit Mühe gelingt es seiner Besatzung, ihn von einem selbstmörderischen Angriff aus das Alienraumschiff abzuhalten. Man könnte an diesem Punkt der Storyentwicklung auf den Gedanken kommen, dass Regisseur Berg hier, ähnlich wie Kollege Verhoeven, Kritik am Militär übt, indem er es als Sammelbecken für junge Leute darstellt, die es in der Zivilgesellschaft zu nichts gebracht haben und hier ihre latenten Aggressionen ausleben können.

Das Problem ist eben, dass die Soldaten in Bergs Film, anders als bei Verhoeven, nicht als Opfer einer ausgeklügelten Kriegspropaganda porträtiert werden, sondern als die Sorte Soldat, wie sie sich der US-Präsident a. D. George W. Bush für seine Feldzüge in Afghanistan und im Irak gewünscht hat: kernig patriotisch und absolut bereit, selbst dann noch gegen den Feind in den Kampf zu ziehen, wenn man ihm sowohl zahlenmäßig als auch waffentechnisch hoffnungslos unterlegen ist.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass ein solcher Film ausgerechnet zu einer Zeit in die Kinos kommt, zu der die US-Militärs auf der Suche nach neuen Rekruten sind, die bei den zahlreichen Auslandseinsätzen des selbsternannten Weltpolizisten so dringend gebraucht werden. Die Navy hat die Produktion so auch konsequent unterstützt, indem sie den Machern Schiffe und militärisches Gerät zur Verfügung stellte. So wirkt der Film oberflächlich betrachtet selbst wie ein Stück Kriegspropaganda, um den Dienst bei der Navy den jüngeren Zuschauern schmackhaft zu machen.
Man fragt sich jedoch, ob sich die dafür Verantwortlichen im Pentagon der Tatsache bewusst waren, dass man "Battleship" aber durchaus auch als hintergründige Satire auf die typisch amerikanische Unsitte Konflikte unter Einsatz von Waffengewalt zu regeln lesen kann. Denn das sich die sogenannten Aggressoren nur gegen die – aus ihrer Sicht – bedrohlichen US-Schiffe zur Wehr setzen, kommt keinem der Soldaten auch nur für eine Sekunde in den Sinn.

Wer "Battleship" also einfach nur als unreflektierte Verherrlichung des Militärs betrachtet, greift zu kurz: Vielmehr ging es Regisseur Berg darum, die Tendenz des Subgenres "Invasionsfilm", böse Außerirdische als Metapher für alles Bedrohliche und Fremde zu benutzen, zu hinterfragen, indem es bei ihm die menschlichen "Helden" sind, die zuerst schießen und sich Fragen nach der Motivation ihrer Gegner nicht mal im Gedanken stellen.
So ist "Battleship" unter seiner scheinbar so einfältig nationalistischen Oberfläche eine ironische Umkehrung der typischen Klischees der sattsam bekannten Invasionsfilme von "Kampf der Welten" bis "Independence Day". Dazu gehört, dass die Darsteller ihre Heldenrollen bis ins Groteske überzeichnen: Ob Taylor Kitsch als im Schnelldurchlauf zum Mustersoldaten mutierter Tagedieb, Rihanna als sexy Bordschützin, die selbst mit dem größten Artilleriegeschütz so souverän umzugehen weiß wie normale Frauen mit der Dose Pefferspray, Tadanobu Asano als technikaffiner, japanischer Marinecaptain, der sich vom amerikanischen (!) Admiral – routiniert dargestellt von Liam Neeson – nach einer Prügelei mit Hooper tadeln lassen muss: Sie alle wirken wie die Karikaturen jener geschniegelten Soldaten aus den Rekrutierungswerbespots, mit denen die Armee ihren Nachwuchs zu ködern versucht, oder wie man sie aus als Blockbuster getarnten Armeewerbespots wie "Top Gun" kennt.

Die satirische Dimension des Films erreicht schließlich ihren Höhepunkt als Alex Hoopers Mannschaft als letztes Mittel zu Verteidigung der Erde dazu gezwungen ist, ein eigentlich außer Dienst gestelltes Schlachtschiff aus dem Zweiten Weltkrieg zu reaktivieren. Da niemand der jungen Rekruten mit dessen veralteter Technik umzugehen weiß, melden sich kurzerhand die altgedienten Veteranen aus dem "World War II" freiwillig zum Dienst, um für ihre Heimat den bösen Jungs aus dem All zu den Klängen von AC/DC in den Hintern zu treten.
Selbst der patriotischste US-Zuschauer wird bei diesen Szenen wohl kaum ernsthaft eine Gänsehaut vor Nationalstolz bekommen. Vielmehr wird er sich vielleicht fragen, ob das ganze Spektakel, welches ihm da auf der Leinwand dargeboten wird, nicht viel mehr ist, als ein ins absurde übersteigerte auf die Schippe nehmen von allen Stereotypen, die die Amerikaner aus den Filmen von Michael Bay oder Roland Emmerich kennen.

"Battleship" ist ein verzerrtes Spiegelbild jenes Typus von Kriegsfilm, der den Krieg wie ein cooles Videospiel erscheinen lässt, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse scheinbar so offensichtlich sind. Hinter dem stramm populistischen Erscheinungsbild eines konservativen Actionfilms versteckte Peter Berg eine kluge Selbstreflexion über Militär, Gewalt, Autoritätsgläubigkeit und dessen Darstellung im modernen Hollywoodkino. Dass er damit an den Kinokassen Schiffbruch erlitt, lag wohl größtenteils daran, dass die meisten potentiellen Zuschauer von der Verfilmung eines Brettspiels, das von der selben Firma hergestellt wurde wie die "Transformers" wohl nicht sehr viel Anspruch erwartet hatten und deshalb den Lichtspielhäusern fern blieben, was angesichts der Werbetrailer, die sich in erster Linie auf die Spezial-Effekte konzentrierten, wohl auch kaum verwundern dürfte.
Teilweise liegt es aber auch daran, dass Peter Berg nicht der Versuchung widerstehen kann, seinen Film gemäß den Konventionen einer 200-Millionen-Dollar-Produktion mit digital getricksten Zerstörungsorgien zu überladen, woran sich zeigt, dass er leider nicht den Mut hatte, um diese nur allzu genretypischen Sequenzen auch noch ironisch zu brechen. Die spektakulär in Szene gesetzten Kampf- und Zerstörungssequenzen werden in einem so schnellen Rhythmus abgespult, dass dem Betrachter kaum Zeit zum Nachdenken über die im Film vorhandene Kritik an den Spielregeln des Blockbusterkinos als auch des Militarismus bleibt. Schade, denn dadurch verbaute sich der Film selbst die Chance im kollektiven Gedächtnis als intelligentes Stück Verspottung von allem, was dem konservativ-patriotischen Amerikaner an den Streitkräften seines Landes heilig ist, haften zu bleiben ...

9. Wissenschaft: Higgs – und nun?
von Andreas Dannhauer
Ist die Teilchenphysik nun am Ende?

Mit Spannung weltweit erwartet, wurde von den Forschen des Large Hadron Colliders bei Genf am 4. Juli diesen Jahres die Entdeckung eines neuen Elementarteilchens bekanntgegeben, bei welchem es sich offenbar um das seit langem gesuchte Higgs-Boson handeln soll. So ganz überraschend kam das nicht, da schon vor Monaten bekanntgegeben worden war, dass man dem Higgsteilchen auf der Spur sei und nur noch eine Verbesserung der Statistik abwarten müsse. Untrennbar mit dieser Entdeckung ist der Begriff ‚Gottesteilchen‘, obwohl es sich der Entstehungslegende nach um ein Missverständnis handelt, wird er ständig benutzt, also muss es schon etwas Gewaltiges mit diesem Higgs-Boson auf sich haben.

Wie entdeckt man ein neues Elementarteilchen?

Das ist eigentlich recht simpel. Man lässt zwei Protonen mit genügend hoher Energie, mehr Energie als das gesuchte Teilchen Masse hat, aufeinanderprallen und beobachtet die Teilchen, die in der Kollision entstehen. Danach ermittelt man anhand ihrer Bahnen, die sie nach dem Zusammenprall durch den Detektor ziehen, um was es sich bei ihnen handelt und wie viel Energie sie davontragen. Wenn diese Energie unter der Ausgangsenergie der beiden Protonen liegt, dann war dort ein unbekanntes Teilchen entstanden. Mit Hilfe einiger Erhaltungssätze der Teilchenphysik, zum Beispiel der Ladungserhaltung, kann man einige Eigenschaften des Teilchens bestimmen. Nun entsteht nur sehr selten ein unbekanntes Teilchen und um genügend Datenmaterial zu bekommen, führt man dieses Experiment viele Millionen Mal durch. Wenn man dann das gesuchte Teilchen oft genug beobachtet hat, kann man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass man nur einem Zufall aufgesessen ist. Beim Higgs-Boson wird dieser Fall mit 1 zu 1 Million ausgeschlossen. Und das war es, worauf die Physiker am CERN die letzten Wochen gewartet haben.

Was macht nun das Higgs-Boson nun so besonders? Es ist das letzte fehlende Teilchen des Standardmodells.

Das Standardmodell der Teilchenphysik

... ist eigentlich ein Notbehelf, da eine allumfassende Theorie bislang fehlt. Man nimmt einfach alle schon bekannten Teilchen und gruppiert sie nach ihren Eigenschaften. So gibt es zum Beispiel drei Teilchenfamilien, in denen jeweils zwei Quarks und zwei Leptonen leben. Von den Leptonen ist eines ein Neutrino und das andere ein negativ geladenes Teilchen wie das Elektron. Finde ich nun einige Teilchen einer anderen Familie, dann sagt das Standardmodell per Analogie voraus, dass diese neue Familie ebenfalls aus vier Teilchen mit ganz ähnlichen Eigenschaften besteht. Und obwohl kein zwingender Grund bekannt ist, warum das so sein muss, wurden bisher alle vorhergesagten Teilchen gefunden. Mit zum Standardmodell gehören die Wechselwirkungsteilchen, auch Bosonen, genannt. Wenn Kräfte zwischen Teilchen wirken, dann haben diese Bosonen ausgetauscht. Da die Massenträgkeit ebenfalls so etwas wie eine Kraft darstellt, sagt das Standardmodell der Teilchenphysik ebenfalls die Existenz eines die Trägheit erzeugenden Bosons vorher.

Der Higgs-Mechanismus

Wie erzeugt nun das Higgs-Boson die Trägheit? Fragt man einen Physikprofessor, bekommt etwa das Folgende zu hören: “Wir sind, ohne das wir es merken, ständig von Higgs-Bosonen umgeben. Sie sind überall, auch im Vakuum und sie heften sich an Objekte, an einige stärker, an andere schwächer. Will sich ein Körper mit seinen Begleitbosonen durch den Raum bewegen, so stoßen letztere immer wieder an ihre im Raum verteilt existierenden Artgenossen und wechselwirken mit ihnen. Die Bewegung wird dadurch behindert, d. h. der Körper wird träge, er reagiert nur langsam auf Kräfte und bekommt dadurch seine träge Masse.” Diese Erklärung kann aber höchstens die halbe Wahrheit sein, denn von Beschleunigungen, und nur da tritt die Trägheit in Erscheinung, ist darin keine Rede. Auf die Wechselwirkung der Higgs-Bosonen untereinander kommt es an und die ist nicht so einfach zu erklären.

Bedeutung

Nun mag man sich fragen, warum ein weiteres Elementarteilchen so eine große Bedeutung hat. Das Higgs-Boson vervollständigt aber nicht nur das Standardmodell, es schlägt eventuell die Brücke, die es erlaubt, die Gravitation ins Standardmodell einzubringen. Denn bislang kommt diese im Standardmodell überhaupt nicht vor. Interessanter Weise ist die schwere Masse, die für die gravitative Anziehung sorgt, genau so groß wie die träge Masse, obwohl sie theoretisch auch unterschiedlich sein könnte. Zumindest konnte keine noch so genaue Messung einen Unterschied nachweisen. Wer also weiß, warum die träge Masse so groß ist, wie sie ist, könnte den Schlüssel zu einer neuen Theorie der Gravitation finden, eine die die Raum-Zeit-Krümmung durch eine Teilchenwechselwirkung ersetzt.

Fazit

Das Higgs-Boson ist also keinesfalls das so oft zitierte Gottesteilchen, aber es könnte ein wichtiger Schritt hin zu einer vereinheitlichten Theorie aller vier Grundkräfte des Universums und damit behilflich sein, die Rätsel der Dunklen Materie und vielleicht sogar der Dunklen Energie zu lösen.

10. Die Corona-Kurzgeschichte
Liebe Kurzgeschichten-Freunde,
nach der Sommerpause gibt es an dieser Stelle gleich einen Gewinner: nämlich den Sieger unserer Themenrunde „Diebe“. Das ist Stefan Goebels mit seiner Kurzgeschichte „Die Kammer“ geworden, mit deren Lektüre wir wie immer viel Vergnügen wünschen. Und natürlich freuen wir uns auch dieses Mal wieder über Rückmeldungen zur Story – egal, ob per E-Mail oder in unserem Forum unter dem Dach des SF-Netzwerks (www.sf-netzwerk.de).

Die nächsten Themen unseres Wettbewerbs „Das Artefakt“ (Einsendeschluss: 1. Oktober 2012), „Zufall“ (Einsendeschluss: 1. November 2012) und „Ein starkes Team“ (Einsendeschluss: 1. Dezember 2012). Wer Interesse hat, sich mit einer Kurzgeschichte (Science-Fiction, Fantasy, Horror, Phantastik – keine Fan-Fiction) zu beteiligen, die einen Umfang von 20.000 Zeichen nicht überschreitet, schickt seine Story (möglichst als rtf-Datei, bitte auf keinen Fall als pdf) rechtzeitig per E-Mail an die Kurzgeschichten-Redaktion, die unter kurzgeschichte@corona-magazine.de zu erreichen ist. Die nach Meinung der Jury (meistens) drei besten Geschichten werden wie immer im Corona Magazine veröffentlicht.
Armin Rößler


Die Kammer
von Stefan Goebels

Die tonnenschweren Türflügel glitten zischend auseinander, und aus dem an Breite zunehmenden Spalt drang gleißendes Licht verheißungsvoll hervor. Ich hielt den Atem an, und auch Mary schien völlig gebannt zu sein von der mit einer nicht definierbaren Kraft aufgeladenen Tragweite der Situation. Nymon hingegen stand etwas abseits neben einer der gewaltigen Basaltsäulen, die den Katakomben der heiligsten Stätte der Ra-ki ihre Standhaftigkeit verliehen. Sein Gesicht zeigte sich unergründlich wie eh und je, irgendwo zwischen teilnahmslos, erhaben und seiden belustigt.
Wir hatten alles aufgeboten, alles aufgegeben, Leid gebracht und selber gelitten, alles nur, um am Ende in diese Kammer zu gelangen. Schon die heimliche Landung abseits jeden Radars auf dem unförmigen Felsbrocken, Millionen von Tonnen schwer und Millionen von Jahren alt, hatte uns an unsere Grenzen geführt. Doch über den Rückweg macht man sich erst mal keine Gedanken. Wie seltsam es doch ist, dass sobald man den höchsten Felsen erklommen hat, der Impuls zur Besinnung bezüglich der Umkehr auf meisterhafte Art und Weise vom Schirm der Prioritäten entfernt wird, und man lieber, als würde man gerade von Gott geküsst, in die strahlende Sonne starrt oder den Blick über das Panorama streifen lässt, das sich einem dort oben bietet. Nymon hätte das, was ich dachte, sicherlich in einer bedeutungsschweren Weisheit seines Volkes zusammenfassen können, doch auch sein unsterblicher Körper war einige Male gefährlich nahe den todbringenden Abgründen gekommen, und somit waren auch irgendwann die mit schöpfergleicher Präzision platzierten Sprichwörter ausgestorben auf unserem Weg abwärts in die Kammer. Wir hatten uns gut ergänzt: Marys technisches Geschick, meine körperlichen Vorzüge gepaart mit der unbeugsamen Neugier des Draufgängers, nur gebremst durch Nymons unerschütterliches Gespür für Gefahren, hatten uns alle unversehrt bis zur Eingangspforte des Heiligtums der Ra-ki gebracht.
Dann hätte eigentlich der noch kritischere Teil beginnen sollen. Der sagenhafte Kern war umgeben von einer Station, die zwar ein Knirps gegenüber dem unvorstellbaren Alter des Heiligtums war, jedoch trotzdem uralt, rostend und verlassen. Nicht wirklich verlassen. Doch zu meiner Enttäuschung waren die Wächter Relikte längst vergangener Epochen der Drohnentechnik gewesen. Mit anderen Worten: So einen Schrott stellt sich heutzutage nicht mal der geizigste Sternenschmuggler mehr in die Schleusen. Bei den meisten reichte ein simpler Stun-Schuss aus guter Deckung, um uns den Weg frei zu machen, und so kamen wir erstaunlich schnell voran. Mary hatte mich sogar zur Ernsthaftigkeit ermahnen müssen, als ich dazu ansetzte, mich anzuschleichen und einem der plumpen Gefährte von hinten ein paar Kabel im Nacken zu durchtrennen. Ich unterließ es, und so wurde kein Alarm ausgelöst. Im Angesicht der Kammer dachte ich auch nicht mehr daran, ob alles wohl anders gekommen wäre, hätte ich es getan.
Die Tür vollendete ihren Öffnungsvorgang, ohne dass auch nur einer von uns mit einem Muskel gezuckt hätte. Selbst bei den Legenden unserer Zunft, den Extraktionsspezialisten, von mir bei der Frage nach meinem Beruf Schatzsucher, beim Sternenpöbel einfach Diebe genannt, war ein solcher Moment einmalig, eben drum, weil er nur ein einziges Mal vorkam, denn wenn auch nur ein Teil der alten Archive die Wahrheit über die Schätze der Ra-ki sprach, würden wir nichts zurücklassen und niemand mehr würde die Gefahr auf sich nehmen, um sich davon zu überzeugen, dass dem nicht so war.
Was sich genau im Kern des Heiligtums dieser uralten Rasse befinden sollte, darüber schwiegen sich die Schriften wie auch sämtlich digitale Aufzeichnungen beharrlich aus. Nun, wir waren ja da, und wir würden es herausfinden. Angst kennt unsere Gilde nicht. Es ist vielmehr ein Elixier allein Seins.
Was die Kammer uns bot, erfüllte nicht nur unsere kühnsten Träume, sondern befriedigte jegliches Verlangen materieller Art, das ein Wesen unserer Intelligenzklasse empfinden kann. Dieser Satz sei vorweg erwähnt, denn mir bleibt nicht mehr viel Zeit, all die Schönheiten und Reichtümer der Ra-ki in der Detailfülle und liebevollen Ehrfurcht zu umschreiben, die ihnen eigentlich gebühren würde.
Unterhalb einer hohen Decke, über die ein eigenartiges, kunstvoll geschwungenes System aus Röhren verlief, aus denen heraus eine strahlende Substanz die Schatzkammer erhellte und sachte brummte, waren die Kostbarkeiten aufgebahrt wie in einem Museum. Ohne daran zu denken, sich mit den anderen über die Schönheit dieses Ortes, stürzte sich jeder von uns Dreien direkt auf diejenigen Güter, die ihn oder sie sofort magisch in ihren Bann zogen. Leise und unerkannt legten sich beim lustvollen inspizieren der Gegenstände bald beträchtliche Distanzen zwischen unsere zitternden Körper. Niemand sprach auch nur ein Wort, denn wenn der Blick sich schwer löste von dem einen Objekt, wanderte er kurz weiter, nur um den Atem erneut zum Stocken zu bringen. Irgendwann war der Moment gekommen, da sich die aufgestaute Begeisterung entlud, und es war ausgerechnet der sonst in sich ruhende Nymon, der einen Begeisterungsausruf in der melodiösen Sprache seines Volkes gegen die Wände der Halle schmetterte, gefolgt von einem aberwitzigen Lachen und der mehrmaligen Wiederholung des Satzes »Wir sind reich!«. Ich sah hinüber zu Mary und fing ihren Blick ein, so voller Glückseligkeit und Wohlgeformtheit des Moments war dieser, und das Gefühl, das ihren zarten und doch so wendigen Körper durchströmte, offenbarte sich in vielfachen Tränenbahnen über der weichen Haut ihrer Wangen. Und was mich angeht, nun, ich war der erfahrenste Dieb von allen und hatte schon so manches teure Gerät entwendet, aber jetzt zitterten auch mir die Knie, trat mir der Schweiß auf die Stirn, fehlten mir die Worte, rasten infernalische Schätzungen durch meinen Kopf. Ich wage den dreisten Versuch, eine kurze Beschreibung dessen abzugeben, was wir in der Kammer da Ra-ki vorfanden.
Beginnen wir mit den Metallen, edle Metalle sind immer gut, um einen Anfang zu machen, was eine Schätzung betrifft, es gab Gold, viel davon, immer noch sehr begehrt im Universum, auch teurere Materialien als Gold lagerten dort in Barren, in dieser Menge fähig, die Rüstung einer ganzen Kompanie zu überziehen und somit unzerstörbar zu machen. Aber was rede ich von Gold und Metallen, völlig lächerlicher Tand gegenüber den Edelsteinen, blau, schimmernd, weißlich, grün, gelb, rot funkelnd, aus unbekannten und vermutlich auch noch, außer durch die Travellerschiffe der Ra-ki, unerforschten Sternen geboren. Wie tausende Augen starrten sie uns an und stellten unseren Geist vor die unerfüllbare Aufgabe, den Wert hinter jedem einzelnen von ihnen zu ermessen, zu bestimmen, wie viele Galaxien man kaufen, wie viele Himmelskörper man durch sie besitzen könne.
Doch können auch Edelsteine nicht den Preis erzielen, den der Zugang zur Überlegenheit des Wissens verlangt. Nymon drohte jeden Moment auf die Knie zu sinken, je länger er das betrachtete, was er gerade gefunden hatte. In zehn kristallinen Datenspeichern baute sich vor ihm auf einer Empore die legendäre Enzyklopädie der Naama-Systeme auf, ein Schatz, von dem eigentlich kein bekanntes Exemplar mehr existierte, wenn man den einschlägigen Magazinen Glauben schenken durfte. Ich hatte noch niemals einen seiner Rasse weinen sehen, und ich befürchtete, dass Nymon mir eine Premiere bescheren würde, was das anging, doch da wurde ich auch schon durch Marys fernes Geheul vom anderen Ende der Kammer abgelenkt, was zeigte, dass sie offensichtlich nicht die innere Disziplin eines Mitglieds von Nymons Volk besaß und ihren Tränen zügellos freien Lauf ließ. Vor ihr erhob sich ein Apparat, was eine sehr bodenständige Bezeichnung für das Objekt darstellte, das durch einen groben Blick lediglich ein unsystematisches Geflecht aus organischen und anorganischen Streben zu sein schien. Für Mary hingegen war es der heilige Gral, und auch ich hatte schon davon gehört. Eigentlich waren die Simulatecs bei hoher Strafe in den meisten Teilen unseres Heimatsystems verboten, da das Forschen mit Hilfe dieses Geräts eine unvorhersehbare Gefahr für die Kreisläufe des Lebens barg, denn mit diesem, angeblich von einem ebenso wahnsinnigen wie genialen Erfinder von den Brocken nahe der gelben Sonne entwickelten Hilfsmittel konnte man unzählige Formen und Arten von Leben entwickeln und studieren. So schnell würde die gute Mary ihren Blick nicht mehr von diesem Ding, dieser Büchse der Pandora, nehmen können.
Und was mich betraf, nun ja, sicherlich hatte auch mich die Kammer schon längst ausgeguckt und wartete nur darauf, mich am Schlafittchen zu packen, während ich wie ein Kind, das beim Ostereiersuchen das Hauptgeschenk noch nicht entdeckt hatte, zwischen den einmaligsten Preisen der Weltgeschichte, aller Welten Geschichte, umherirrte. Ich bewegte mich zwischen zwei Luxusgleitern der Herion-Klasse hindurch, deren Bau bestimmt limitiert, wenn nicht einmalig gewesen war, ließ die Hände wie über einen wunderschönen Körper sanft über das Metall gleiten, richtete meinen Blick nach vorne, und dann sah ich es.
"Nein, das kann nicht sein." Ich hatte das nicht nur gedacht, sondern leise und mit zitternder Stimme ausgesprochen, wie einer der blöden Teilnehmer der lächerlichen Gewinnspiel-Shows, welche die Unterhaltungskanäle der Transferschiffe überfluteten. Dort gab es Wookie-Toaster und andere sinnlose Abscheulichkeiten zu gewinnen, bei deren Anblick die Gewinner eben solche Sätze gekünstelter Begeisterung von sich ließen, wie ich es gerade getan hatte.
Doch wir sind halt schwach im Angesicht dessen, von dem unser Herz schon immer geträumt hat, und meine Schwäche war schon immer die äußerst geheime, uralte und von einer durchdringenden Mystik erfüllte Kultur der Ra-ki selbst gewesen. Und wenn mich nicht alles täuschte, so hatte ich hier das golden glänzende Phaserschwert ihres ersten Königs Thimodeon vor mir, vor dessen Anblick ganze Sternensysteme einst erzittert hatten. Ich belog mich selbst mit dem Gedanken, allein aus Respekt einen Moment zögern zu müssen, verwarf ihn so schnell wieder, wie er gekommen war, und griff nach der Waffe, der eine Macht jenseits von allem Erforschbaren nachgesagt wurde. Schwer ruhte das gewaltige Objekt in meiner Hand. Und von da an etwa begann sich das Blatt zu wenden, wie mir im Nachhinein klar werden sollte.
Es war offensichtlich unmöglich, all die Kostbarkeiten aus der Kammer der Ra-ki fortzuschaffen. Gewiss, vom reinen Geldwert her hätte das, was einer jeder von uns tragen konnte, uns alle zu reichen Leuten gemacht. Doch darum ging es schon lange nicht mehr. Wir würden nichts in dieser Kammer zurücklassen, das wurde beschlossen, ohne dass wir auch nur ein Wort wechselten. Ich frage mich, ob wir in dieser leider nicht ewig dauernden Phase der alles umhüllenden, persönlichen Glückseligkeit überhaupt noch miteinander sprachen, aber auch daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Jedenfalls nicht, bevor das schreckliche Ende kam. Ich war Herr allen Lebens allein durch den Umstand, dass ich das Schwert des Thimodeon in meiner Hand durch die Kammer tragen durfte und dieses dabei voll fröhlicher Fassungslosigkeit anstarrte, als wäre es ein Neugeborenes, mein erster Sohn. Nymon und Mary hatten schweigend, mit offenen Mündern apathisch konzentriert das Studium ihrer Herzensobjekte begonnen, und nichts und niemand schien sie aus dieser Faszination herausreißen zu können. Wir waren wie in Trance, gingen ohne Reue unseren Taten nach, während im Hintergrund die Gerätschaften an der Decke monoton vor sich hin brummten. Wir vergaßen die Zeit, und das sollte sich als großer Fehler herausstellen, denn die Spanne war viel zu lang, die wir so zubrachten, bis endlich etwas geschah.
Es war Mary, die plötzlich einen Schmerzensschrei von sich gab, woraufhin sich der König allen Lebens zu ihr umwandte, um sich schnell zu vergewissern, dass er weiterregieren konnte und ihr nichts wirklich Schlimmes geschehen war. Da ich auf die Entfernung nichts erkennen konnte, bewegte ich mich widerwillig zu ihr und dem seltsamen Apparat herüber. Beinahe hätte ich sie auf Ra-ki angesprochen.
»Was ist?«
Sie konnte sich nur noch gekrümmt bewegen, da ihr der Rücken ernsthaft zu schmerzen schien, und versuchte, eine geeinigte Position zu finden, um sich auf der Empore des Simulatecs angenehm niederzulassen.
»Ach nichts. Ich hatte gerade ein paar wichtige Fortschritte gemacht, da fuhr mir dieser verdammte Schmerz in den Rücken. Habe ich bestimmt von meiner Mutter und meiner Großmutter geerbt. Ist so gesehen das Familienleiden. Aber in so jungen Jahren ...«
Sie lächelte gequält, und dabei fiel mir noch etwas anders an ihr auf. Die ebene und makellose Gesichtshaut, die sie einst ausgezeichnet hatte, war nicht mehr dieselbe, sondern schon von einigen Furchen durchzogen. Es betrachtete mich das Antlitz einer Frau mittleren Alters. Wenn ich in unserer gemeinsamen Zeit richtig zugehört hatte, betrug ihr Alter aber lediglich gute zwanzig Lenze, und sie war vollkommen unmodifiziert. In diesem Moment wich nicht nur ihr Körper, sondern auch ihr Blick vor mir zurück, als hätte sie auch etwas in mir, an mir erkannt, was mir gar nicht aufgefallen war. Eine eiskalte Berührung war Gast dieses Schocks, denn ich wusste nach wenigen Sekunden, was sie so entsetzt hatte.
Eine metallene Fläche hinter ihr reflektierte mein Gesicht, und ich erschrak. Das waren nicht mehr die Züge des jungen Draufgängers, der ich bis zur Ankunft in der Kammer noch gewesen war, meine Haarsträhnen waren fast gänzlich ergraut, und auch meine Gesichtshaut war wie von Geisterhand bearbeitet worden und wies nun so manche Kerbe auf. Zudem spürte ich urplötzlich Schmerzen, die ich im Hochgefühl des Triumphs, hier hinein gelangt zu sein und das legendäre Schwert getragen zu haben, einfach ignoriert hatte. Das Ganze war also eine tödliche Falle. Ich versuchte zu denken, doch es fiel mir schwer, denn unzählige Gedanken an das, was ich nicht getan hatte in den Jahren, die nun unwiederbringlich verloren hatte, versuchten, die kühle Analyse zu verdrängen, die ich gedachte auszuführen.
Mary schien mit der Situation nun vollkommen überfordert, kauerte sich zusammen wie ein Häuflein Elend und schluchzte. Wieder rannen Tränen, doch dieselben Kanäle, die vor kurzem noch in Freude ihren Saft gespendet hatten, taten dies nun aus purer Trauer im Moment der Erkenntnis, wie viel Zeit auch sie verloren hatte.
Ich wanderte zwischen den kostbaren Schätzen auf und ab und versuchte, eine Möglichkeit zu finden, etwas von diesem Ort mitzunehmen und gleichzeitig nicht noch mehr zu verlieren.
»Ich wollte doch noch Kinder haben und ein Haus auf Zeta 7«, heulte Mary in meiner Nähe herum.
Neben ihrem Gewimmer war das einfältige Dröhnen der Anlage über uns das einzige Geräusch, das in der Kammer zu hören war. Ich hätte früher drauf kommen müssen, war ich doch ausgebildet, potenzielle Gefahren zu erkennen. Es war zu einfach gewesen, in die Kammer zu gelangen, viel zu einfach, und als wir da waren, hatten sie begonnen, uns auszusaugen, uns ihrerseits zu bestehlen, während wir in der absoluten Ekstase, den größten Schatz des Universums entdeckt zu haben, nichts mehr davon merkten. Wie die Apparatur funktionierte, die uns die Jahre stibitzte, konnte wahrscheinlich nur ein Wesen verstehen, das auf solch eine alte und überlegene Kultur zurückblicken konnte wie die Ra-ki.
Wo zum Teufel steckte eigentlich Nymon? Mit diesem Gedanken alle anderen verdrängend, raste ich, die weinende Mary zurücklassend, zum anderen Ende der Kammer. Und dort fand ich ihn vor, oder besser gesagt, ich fand etwas vor, das weiterhin seine Ausstrahlung und Erhabenheit besaß, aber körperlich gesehen ihm in keinster Weise mehr ähnelte. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass diejenigen von seinem Blute unsterblich waren, aber ich hatte nicht gewusst, welche Metamorphosen sein Dasein durchlaufen würde, wenn man ihm ungehemmt die Jahre nahm. Eine gleißende Gottgestalt war er geworden, ein wirres Spektakel aus Formen und Farben, das unter anderen Umständen vielleicht pure Schönheit gewesen wäre, so aber einfach nur entsetzlich war.
Ich hatte genug. Raus hier. Doch der Entschluss hing an einem seidenen Faden, wusste ich doch nicht, was die Kammer noch für mich bereithielt. Die Flucht war von einer erdrückenden Schwere behindert, die meine Glieder permanent zu Boden drücken wollte. Mein ganzes Dasein wurde zu Boden gedrückt. Danach brachten mich purer Wille und die Ignoranz alles Belangvollen in einem Nebel der Vergessenheit aus der Kammer hinaus.
Als die Triebwerke zündeten und ich den vermaledeiten Brocken verließ, hatte ich ein stattliches Alter von etwa sechzig Jahren erreicht, obwohl wir meiner Einschätzung nach nur wenige Stunden innerhalb der Kammer verbracht hatten. Ich schloss die Augen, doch sie verfolgten mich auch noch in meinen Träumen. Jetzt, da sie mir nichts mehr nehmen konnten, zeigten sie sich mir.
Ich sah ihre plumpen Körper mit den variablen Extremitäten, die an mit tausenden Lichtern bestückten Konsolen innerhalb des Kontrollraums herumfuchtelten. Der Hebel wurde umgelegt, was der armen Mary den Rest geben sollte. Mager war sie, und vor allem unvollendet. Das war die Analyse des letzten Bildes derjenigen, die ich in der Kammer gelassen hatte, in dem reinen Wissen, dass wir es gemeinsam niemals geschafft hätten. Und Nymon wurde zum Objekt ihrer Forschung, so, wie er vorher die Kammer erforscht hatte, und gierig blickten sie in seinen Kern und kopierten die Informationen in ihr allwissendes Archiv. Das war eine angemessene Beute für die Diebe der Zeit, und mir wurde klar, warum ihre Kultur so einzigartig war und alle Zeiten überdauerte. Und mir wurde klar, warum wir Menschen in fast allen Teilen des bewohnten Universums als die größten Narren galten, die man sich vorstellen konnte.


Stefan Goebels wurde 1978 in Frechen geboren und ist in unterschiedlichen kreativen Bereichen tätig. Angefangen mit seiner Beteiligung in diversen Bands und Musikprojekten entwickelte sich bald die Begeisterung zum Verfassen von Kurzgeschichten und Hörspielvorlagen in den Genres Fantasy, Mystery und Horror. Aktuell arbeitet Stefan Goebels in einer Kölner Internetagentur als Mediengestalter und entwickelt nebenbei die Storyelemente eines Online-Rollenspiels.

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ISSN 1422-8904
Ausgabe 272 - 20.08.2012
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Ausgabe 273 erscheint am
07.09.2012.

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