corona magazine
Nur der Himmel ist die Grenze
ISSN 1422-8904

 newsBEAT
+ "The Clone Wars"
+ "Supernatural"
+ Marvel-News
+ "Eclipse – Bis(s) zum..."
+ "Beilight - Biss zum..."
+ "Batman 3"
 Kunterbunt
+ SpaceDays 2010
+ Sieben Verlag #1
+ Sieben Verlag #2
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 Buch-Tipp
TREKminds - Nur der Himmel ist die Grenze
Das Buch nimmt Sie mit auf eine Reise hinter die Kulissen und Schauplätze. Hin zu den Ideen dieses Franchises. Ideen des gemeinsamen Miteinanders und der Verständigung, des menschlichen Geistes. Ideen, die weltweit von Millionen von Trekminds gelebtwerden.

Star Trek in Deutschland
Das Buch beschreibt mit Hingabe und Begeisterung das Phänomen bzw. Fandom und beleuchtet es unterhaltsam und informativ von allen Seiten.
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Die News- und Entertainment-Seite zu Stargate-SG1 und Atlantis.
17. August 2010 - Ausgabe 239 - "Left without a reason to stay"
Sommerpause
So, liebe Leser, während ich diese Zeilen schreibe, haben die Sommerferien in allen Bundesländern Deutschlands begonnen. Es ist das erste Mal, dass ich ein Vorwort in dieser Zeit schreibe, denn normalerweise beginnt unsere Sommerpause immer mit dem ersten Ferienbeginn. Aber in diesem Jahr ist vieles anders, so auch der Start unserer redaktionellen Sommerpause. Aus verschiedenen Gründen.

Ein Grund für die späte und darum auch kurze Pause, die wir ab nun einlegen, ist der Wunsch, die Anzahl unserer Ausgaben in die Höhe zu treiben. Denn nun wird ca. im Frühjahr 2011 die 250. Ausgabe dieses Corona Magazines in Ihren Postfächern einschlagen – und genau zu diesem Zeitpunkt, an diesem Tag, zu dieser Stunde wollen wir dieses Ereignis gerne entsprechend würdigen. Die Logistikplanung hat begonnen, mehr ist dazu gerade nicht zu sagen. Aber ... nun ja. Das wird sich ändern. :-)

Ein weiterer Grund ist die Neuerung, die wir vor rund zwei Jahren eingeführt haben und die in dieser Ausgabe ihr Ende findet. „Die Memmen des Meeres“ und damit der erste interaktive phantastische Fortsetzungsroman, den wir im Corona-Projekt seit 13 Jahren veröffentlichten, finden in dieser Ausgabe ihr Ende. Das letzte Kapitel einer Geschichte, die Sie maßgeblich mitbestimmt haben und so unsere Autorin Carolina Möbis alle zwei Wochen in Arbeit stürzen ließen, trägt maßgeblichen Anteil daran, dass wir noch so spät im Sommer eine Ausgabe versenden. Sie können sich nun gerne davon überzeugen, ob es sich gelohnt hat … und sollte das letzte Kapitel der „Memmen des Meeres“ Ihr erstes sein – auf unserer Webseite finden Sie im Archiv alle Kapitel.
Fangen Sie doch einfach von vorne an.

Nicht nur dieses letzten Kapitels wegen ist auch diese Ausgabe wieder gut abgerundet und lesenswert. Unsere Redaktion macht seit vielen Jahren eine gute und für Sie hoffentlich zumeist interessante Arbeit, für die kein Redakteur auch nur einen Cent sieht. Dafür kann ich mich an dieser Stelle nur bedanken. Es macht Spaß, mit diesen kreativen Menschen zu arbeiten und ich freue mich aus diesem Grund schon wieder auf den Herbst, wenn es mit unserem netten kleinen Hobbyprojekt weitergeht. Bis dahin wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer – und bitte:

Bleiben Sie uns gewogen!

Herzlichst
Ihr Mike Hillenbrand
Chefredaktion (v.i.S.d.P.)
Inhalt
1.Spotlight: "Star Trek - Spock"
Sommerbriefe an die Redaktion? Gerne und bitte. An: leserbriefe@corona-magazine.de
6.Die Memmen des Meeres - Der Corona-Fortsetzungsroman
Das 35. Kapitel unseres Fortsetzungsromans
2.newsBEAT
Kurzmeldungen aus Fernsehen, Kino & Co.
7.Klassiker der Science-Fiction #15: "Die fliegenden Zauberer"
Sommerbriefe an die Redaktion? Gerne und bitte. An: leserbriefe@corona-magazine.de
3.Filmkritik "Moon"
Sommerbriefe an die Redaktion? Gerne und bitte. An: leserbriefe@corona-magazine.de
8.Kunterbunt
Pressemitteilungen, Veranstaltungen und mehr...
4.Star Trek, die Letzte – Eine Ära findet ihren späten Abschluss
Sommerbriefe an die Redaktion? Gerne und bitte. An: leserbriefe@corona-magazine.de
9.Wissenschaft: Paralleluniversen
Sommerbriefe an die Redaktion? Gerne und bitte. An: leserbriefe@corona-magazine.de
5.TV-Vorschau
Unsere Fernsehtipps für die nächsten zwei Wochen
10.Die Corona-Kurzgeschichte
"Ein Geschenk für Chouette" von Susanne Schnitzler

1. Spotlight: "Star Trek - Spock"
von Bernd Perplies
Obwohl er sich gerne als kalter Logiker gibt, war er dennoch die menschlichste Seele, der Captain Kirk auf all seinen Reisen begegnet ist – so zumindest philosophierte der Captain der Enterprise am Sarg seines Freundes Spock in „Der Zorn des Khan“, und auch die „Star Trek“-Autoren (vor allem die weiblichen) verliehen dem Vulkanier in all den Jahren vor seinem Tod und nach seiner Wiedergeburt eine unter der stoischen Maske des Wissenschaftsoffiziers verborgene Emotionalität, die selbst den Bauchmenschen Kirk neidisch machen könnte. Im Comic „Spock“ geht selbiger als alternder Botschafter einmal mehr auf eine Reise, die ihm das Herz, nicht die Logik, diktiert.
 
Der Klappentext des Cross-Cult-Comics „Spock“, der ganz dem Leben des berühmtesten aller Vulkanier gewidmet ist, liest sich etwas irreführend, denn er suggeriert, dass es sich um eine politische Geschichte handelt, indem er behauptet, auf den Seiten fände sich die Antwort auf die Frage, was einen Vulkanier bewogen haben könnte, auf Romulus zu leben. Natürlich wissen „Star Trek“-Kenner seit der „The Next Generation“-Doppelfolge „Wiedervereinigung?“, dass er sich um Völkerverständigung zwischen den ungleichen Brüdervölkern der Romulaner und der Vulkanier bemüht, um den Frieden in der Galaxis zu erhalten.
Doch genau genommen ist das nur die halbe Wahrheit, wie sich zwischen den Zeilen dieser Geschichte herauslesen lässt. Es werden keine konkreten Antworten gegeben … aber dennoch sieht man am Ende ein wenig klarer, was Spock all die Jahre angetrieben hat.
 
Die Rahmenhandlung erzählt von einer Reise, die Spock von Romulus aus unternimmt. Auf dieser Reise hat er viel Zeit, über sein bisheriges Leben nachzudenken. „Reflections“ lautet entsprechend der passende Titel der Originalausgabe. Stichwortgeber in seiner Umgebung, wie ein saurianischer Mitreisender, stoßen eine Erinnerung an, die dem Leser dann in einer kurzen Rückblende von wenigen Seiten präsentiert wird.
Dabei kann es sich nur um eine Momentaufnahme handeln oder sogar um eine Minierzählung (die allerdings jeweils weitgehend konfliktfrei bleibt). Auf diese Weise springt die Handlung durch die Jahrzehnte. Wir besuchen Spock als jungen Mann auf Vulkan, als Lieutenant unter Captain Pike, als Ersten Offizier unter James T. Kirk, als Ausbilder an Bord der U.S.S. Enterprise. Nebencharaktere wie Captain Harriman, Saavik, T’Pring und Schwester Chapel kreuzen seinen Weg. Und am Ende steht eine tiefe Weisheit.
 
Es fällt etwas schwer, diesen Comic angemessen zu bewerten. Oberflächlich betrachtet handelt es sich um eine winzige Episode im Leben von Spock, unbedeutend für die Galaxis und alles andere als spektakulär für den Leser. Dazu kommt eine bunte Mischung Reminiszenzen, die in keinem Fall Schlüsselsituationen in Spocks Leben sind, sondern winzige, scheinbar zusammenhanglose Fragmente darstellen, denen es zumeist ebenfalls an Spannung mangelt und die zudem nur für eingefleischte „Star Trek“-Fans zeitlich einzuordnen sind.
Tatsächlich geht es in „Spock“ oder besser „Reflections“ aber gar nicht um Action, um Drama, um eine sich bewegende Galaxis. Der Fokus liegt viel mehr auf einem intimen Einblick in das Innenleben einer Figur, die seit jeher und wie kaum eine andere „Star Trek“-Fans fasziniert hat.
Löst man also den Blick von dem, was auf den Seiten gezeigt wird, und konzentriert sich darauf, welche Aussage hinter den Bildern steckt, entsteht ein erstaunlich stimmiges Bild. Zugegeben präsentieren uns die Autoren Scott und David Tipton keine spektakulär neuen Erkenntnisse (dazu existiert die Figur Spock einfach schon zu lange), aber sie fassen die emotionale Entwicklung Spocks im Laufe seines Lebens schön zusammen.
 
Als Bonusmaterial bietet der Comic am Ende eine Art Gallery, ein Interview mit Scott Tipton und einige Vorzeichnungen von David Messina, der auch diesen Comic mit seinem unverkennbaren Zeichenstil veredelt hat.
 
Fazit: Wer auf Action und Abenteuer steht, sollte um „Star Trek: Spock“ einen weiten Bogen machen. In erstaunlich leisen, melancholischen Tönen wird die Lebensgeschichte des berühmten Vulkaniers reflektiert, eingebettet in eine Reise, die nicht nur eine alte Schuld begleicht, sondern dem Botschafter zudem ein Herzensbedürfnis zu sein scheint. Ein Comic, der obwohl im Kielwasser von J. J. Abrams Kinofilm erschienen, überhaupt nicht zu dessen Popcorn-Ansatz passt, sondern vielmehr in bester „The Next Generation“-Manier etwas über die Natur des Menschen – oder zumindest einer menschlichen Seele in einem vulkanischen Körper – erzählt.

Star Trek: Spock
Comic
Scott Tipton, David Tipton, David Messina
Cross Cult 2010
ISBN: 978-3-941248-46-5
106 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 14,80

2. newsBEAT
"Star Wars - The Clone Wars" mit neuen Folgen zurück
Eine Serie kehrt in Kürze mit neuen Folgen aus der zweiten Staffel zurück. Doch strahlt zukünftig Kabel 1 die neuen Episoden der animierten „Star Wars“-Serie aus. Und das zu einem eher unglücklichen Zeitpunkt: Ab Samstag, den 04. September werden die neuen Folgen gegen 10.20 Uhr im Zeichentrick-Block ausgestrahlt.

Es wird dort weitergehen, wo ProSieben im Frühjahr stoppte. Die 13te Episode, „Reise der Versuchung“ („Voyage of Temptation“) handelt demnach wieder von Satine, die Herzogin von Mandalor. Sie befindet sich gerade auf dem Weg zur republikanischen Zentralwelt Coruscant, um dort vor dem Senat über die Ereignisse der vorherigen Episode auszusagen. Das Schiff wird jedoch von Attentäterdrohnen angegriffen, die von den Jedi um Obi-Wan und den Klon-Soldaten bekämpft werden müssen.

Fans können sich ebenfalls auf den lang ersehnten Auftritt von Kopfgeldjäger Boba Fett im Laufe der Staffel freuen.

In Amerika startet im Herbst die dritte Staffel, da sich die Sendung zu einem großen Erfolg für den Sender Carton Network entwickelt hat.
"Supernatural": Ab 16. August geht es auf Pro7 mit Staffel 4 weiter
ProSieben hat ein Einsehen und führt die kultige Serie mit den beiden Winchester-Brüdern ab dem 16. August fort.

Nachdem die Hit-Serie „Supernatural“ im Mai dieses Jahres ihr 5-Jahres-Konzept beendet hatte und ab Ende September mit Staffel 6 neue Wege einschlägt, hinkt Deutschland und Pro7 immer noch hinterher.
Nach der Ausstrahlung von Staffel 2 machte Pro7 erst einmal eine sehr lange Pause, um schließlich bis zur Fußballweltmeisterschaft endlich die 3. Staffel zu zeigen. Nun steht die 4. Staffel bereits auf dem Pro7-Plan.

Zum Ende der 3. Staffel starb Dean Winchester und endete aufgrund seines Dämonenvertrages, den Dean abgeschlossen hatte, um seinen Bruder Sam zu retten, in der Hölle.

Zu der ersten Staffelepisode mit dem Titel "Lazerus erhebt sich" muss man kaum etwas sagen. Der Titel spricht für sich selbst.

Mit Beginn der 4. Staffel startet „Supernatural“ seinen Endspurt in seinem 5-Staffel-Konzept. Die Mythologie wird entsprechend aufgepeppt und rollt unaufhörlich auf das Staffel-5-Finale hin. Dabei stellt sich das häufig genutzte, aber hier dennoch nicht langweilige Prinzip des Monsters-der-Woche in den Hintergrund.

Wenn man bisher „Supernatural“ nicht gesehen hat, jetzt wäre der beste Moment, es anzufangen.
Marvel-News: "Ghost Rider 2", "The Avengers", "X-Men: First Class", "Runaways", "Thor"
Die Ereignisse machen es mehr als notwendig. Weitere Marvel-News sind fällig. Im Vergleich zu DC hält Marvel ordentlich auf Trapp mit Meldungen zu „Ghost Rider 2“, „The Avengers“, „X-Men: First Class“, „Runaways“ und „Thor“.

Für die Fortsetzung von „Ghost Rider“ wurden bereits letzten Monat die beiden Regisseure der „Crank“-Filme, Mark Neveldine und Brian Taylor, eingestellt. Die erste Drehbuchversion wurde vom oft genannten David Goyer verfasst. Goyers letzte großen Erfolge sind zum Beispiel, zusammen mit den Nolan Brüdern, die letzten „Batman“-Filme.

Für den 2. „Ghost Rider“-Teil mit dem aktuellen Titel „Ghost Rider: The Spirit of Vengeance“ hat nun, Überraschung, ebenfalls Nicolas Cage seine Unterschrift auf den Vertrag gesetzt.

Bisher keine Unterschrift geleistet hat der Edward-Norton-Nachfolger für die Rolle des Hulk in „The Avengers“. Zwar wird behauptet, Joaquin Phoenix sei der neue Hulk, doch angeblich soll sich der Schauspieler Mark Ruffalo („Shutter Island“) in Vertragsverhandlungen dafür befinden.

Egal, was man von diesem mutmaßlichen Casting halten mag, Ruffalo würde sich vermutlich niemand in der Rolle vorstellen. Er ist ein relativ unbeschriebenes Blatt. Allerdings wäre es fantastisch für Ruffalo, wenn man bedenkt, woher er kommt.

Vor mehreren Jahren schien seine Karriere und sein Leben beendet zu ein sein. Ein Gehirntumor klingt sehr fatal. Doch er kam aus dieser Krise wieder heraus und nahm seinen Schauspielberuf wieder auf. Solche Geschichten liebt Hollywood doch. Wie wäre es mit einem autobiografischen Film?

Weniger autobiografisch, sondern teilweise verwirrend sind die ungewissen Zustände beim Casting von „X-Men: First Class“. Spätestens während der Dreharbeiten sollte das aber ein Ende gefunden haben. Neueste Ergänzung zum Cast soll die ziemlich unbekannte Schauspielerin Jennifer Lawrence sein. Als junge Mystique würde sie sich aber tatsächlich gut machen.

Kevin Bacon soll tatsächlich bereits für „FC“ unterschrieben haben. Welchen „X-Men“-Gegner er darstellen soll, wird weiterhin streng geheim gehalten. Die Gerüchte brodeln so ziemlich. Neueste „sichere“ Quelle behauptet Sebastian Shaw.

Verlassen wir den Castingsumpf, bewegen uns aber nur ein wenig in Richtung Drehstarts. Hier bereitete Marvel anscheinend neben „Thor“, „Captain America“ und „The Avengers“ auch zielstrebig eine Verfilmung von „Runaways“ vor.

Bevor er zum Regisseur von „The Avengers“ wurde, bereitete unter anderem Joss Whedon das „Runaways“-Projekt vor, schrieb er nicht vorher schon einen gesamten Zyklus für die Comic-Vorlage. Hierbei geht es um eine Gruppe von Jugendlichen, die herausfinden, dass ihre Eltern der kriminellen Gruppe „The Pride“ angehören. „The Pride“ besteht aus Mafia, Zeitreisenden, Magiern, Wissenschaftlern, Aliens und Mutanten.

Demnach sind deren Kinder ebenso gemischt, aber da hört die Gemeinsamkeit auch schon auf. Die Jugendlichen wenden sich gegen ihre Eltern und werden, wie der Name schon sagt, Ausreißer. Allerdings besondere Ausreißer mit eigenem Hauptquartier und ständigen Kontakten zu den X-Men und den Avengern. Die Dreharbeiten zu „Runaways“ sollen im Januar 2011 beginnen.
"Eclipse – Bis(s) zum Abendrot" erobert die deutschen Kinos
Auf die „Twilight“-Fans ist Verlass! „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ übertraf an seinem deutschen Startwochenende alle Erwartungen und setzte sich mühelos an die Spitze der deutschen Kinocharts.

In knapp 800 Kinos gestartet, kam der dritte Film nach der Bestseller-Reihe von Stephenie Meyer von Donnerstag bis Sonntag mit einem furiosen Besucherschnitt von 1.300 über eine Millionen Besucher.
Hinzu kommen noch knapp 300.000 Besucher der Previews. Somit sicherte sich „Eclipse“ auf Anhieb einen Bogey Award, der vom Branchendienst G&J Entertainment Media vergeben wird.

Mit diesem Ergebnis erzielte „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ das besucher- und umsatzstärkste Startwochenende aller 2010 angelaufenen Filme.
Gleichzeitig bescherte der Besucherstrom damit dem Concorde Filmverleih eines der erfolgreichsten Startwochenenden der Firmengeschichte. Zusammen mit dem Vorgänger „New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde“ führt „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ die Alltime-Charts des Verleihs an.

Bereits am Starttag hatte „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ Geschichte geschrieben und mit über 270.000 Besuchern den erfolgreichsten Start-Donnerstag in diesem Jahr sowie den erfolgreichsten Start-Donnerstag in der Firmengeschichte von Concorde Filmverleih hingelegt.

Auch in Österreich konnten mit über 160.000 inklusive Previews konnte sich „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ souverän an die Spitze der Kino-Charts setzen. Der dritte Teil der Vampirsaga ist auch in der Alpenrepublik der erfolgreichste Kinostart des Jahres.
"Beilight - Biss zum Abendbrot" ab 9. September 2010 im Kino
Das Regie- & Autorenteam Jason Friedberg und Aaron Seltzer, bekannt durch Spoof-Verfilmungen wie „Scary Movie“, „Epic Movie“ und „Meine Frau, die Spartaner und ich“, hat sich dieses Mal die beliebteste Vampirsaga unserer Zeit vorgeknöpft: „Twilight“.

Von den „Twilight“- Hauptdarstellern über Lady Gaga bis hin zu den Black Eyed Peas und „Alice im Wunderland“: „Beilight – Biss zum Abendbrot“ verulkt alle Lieblingsstars unserer Zeit in bester Friedberg/Seltzer Manier.
"Batman 3": Bösewicht steht fest
Christopher Nolans Film „Inception“ ist gerade erst grandios in den Kinos angelaufen, zumindest in den USA, und schon werden Einzelheiten zum Sequel von „The Dark Knight“ bekannt.

Auf dem 3. „Batman“-Film von Christopher Nolan lasten gewaltige Erwartungen, die sich Nolan durch seinen aktuellen Film „Inception“ nicht gerade einfacher macht.

Da es weiterhin keinen regulären Filmtitel gibt, spricht man in der Vorproduktion nun auch offiziell von „Batman 3“. Zumindest scheint es so auf der offiziellen Besetzungsliste des Films zu stehen, die das Filmstudio verfasst hat. Diese Liste ist offenbar gerade auf Abwegen außerhalb von Studiowegen.

Auf dieser (frühen) Besetzungsliste ist als Bösewicht entsprechend vieler Erwartungen der Riddler aufgeführt.

Als Schauspieler wird dabei der Name Joseph Gordon-Levitt als primärer Kandidat geführt. Allerdings nicht als fest gebucht, sondern nur als "interessiert".

Joseph Gordon-Levitt ist also nur an der Rolle interessiert und Christopher Nolan ist nach der Arbeit mit Gordon-Levitt bei „Inception“ eindeutig an ihm interessiert.

Solange es wahr ist, ist aber auch nachvollziehbar, warum sich Gordon-Levitt noch nicht festlegen will. Er wird das Drehbuch kaum kennen, da noch daran gearbeitet wird.

Spannend wird es aber genau dabei. Oft wird sich beim Schreiben des Drehbuchs und der Rolle am Wunschkandidaten orientiert. Ob da Gordon-Levitt Schauspielleistung und -art in „Inception“ aussagekräftig ist?

... oder es ist einfach eine gute Promo für „Inception“.
Marvel-News: "Fantastic Four"-Reboot, "The Avengers"-Team & "Captain America"
Bevor es mit der ComicCon für dieses Jahr eigentlich mal gut sein sollte, noch eine Meldung.

Beim Reboot des „Fantastic Four“-Reboots von Fox wird "The Thing" nicht mehr von einem Schauspieler in Maske/Anzug gespielt, sondern vollständig vom Computer animiert werden. Der Filmtitel soll „Fantastic Four Reborn“ sein.

Den Eindruck, den die unerwartete Vorstellung des Avenger-Teams bei der ComicCon machte, kann nun in Wort und Bild observiert werden. Jedoch drei kurze Anmerkungen zum "Gesagten":

1. An Stelle der kurzen Ausblendung am Anfang wurde dem Publikum eine einfache Bilderzusammenstellung der verschiedenen Charaktere des Films gezeigt.

2. Der makabere Witz in Bezug auf "abstechen" bezog sich auf einen Vorfall auf der diesjährigen ComicCon. Im Saal wurde einem Mann ein Messer ins Auge gestochen. Deshalb waren alle Präsentationen, auch die von Marvel, insgesamt verspätet.

3. Joss Whedons Nervosität ist schon durch den verbalen Umstand unterstrichen, dass er zum Film meint "I gonna blow it". Eigentlich bedeutet das, er wird es vergeigen.
 
Zum Abschluss noch eine kleine Information von „Captain America“-Regisseur Joe Johnson. Er erwähnte bei der ComicCon, dass Hugo Weavings Charakter Red Skull wie in der Comic-Vorlage nicht nur für die Nazis arbeitet, sondern auch für die Terroristenorganisation HYDRA.

HYDRA ist in den Marvel-Comics das Pendant zu S.H.I.E.L.D. bzw. HYDRA ist der Grund zur S.H.I.E.L.D.-Gründung in den Comics.

Um diese Information zu unterstreichen, zeigte Johnson das HYDRA-Logo auf seinem Handy.
Garrett Wang ist Master of Ceremonies auf der FedCon XX
Garrett Wang (Harry Kim aus „Star Trek: Voyager“) übernimmt auf der FedCon XX die Rolle des Master of Ceremonies.

Die Fedcon XX findet vom 28.04.-01.05.2011 im Maritim Hotel in Düsseldorf statt.
Bruce Spence und Jonathan Harding für die Ring*Con 2010 angekündigt
Nachfolgend die Pressemeldungen der Ring*Con:

Bruce Spence ist einer der Hauptdarsteller in „Legend of the Seeker“, er spielt dort Zeddicus Zu'l Zorander und ist natürlich den „Herr der Ringe“-Fans noch bestens bekannt durch seine Rolle als Mund Saurons in „Die Rückkehr des Königs“. Langjährige RingCon-Gänger werden sich noch gut an seine Auftritte auf der Ring*Con 2006 in Fulda erinnern. Auf vielfachen Wunsch der Fans kommt Bruce Spence zur Ring*Con 2010.

Ebenfalls auf Wunsch zahlreicher Fans kommt Jonathan Harding (Erestor/Dinendal aus „Herr der Ringe“) in diesem Jahr wieder zur Ring*Con und wird neben seiner Arbeit bei „Herr der Ringe“ auch über sein Mitwirken bei den „Chroniken von Narnia“ viel zu erzählen haben. Neben seinen Panels wird er natürlich Autogramme geben und die beliebten Fotosessions machen.
Zwei weitere Vorträge rund um Tolkien auf der Ring*Con 2010
Marie-Noëlle Biemer stellt Tolkien-Gesellschaften rund um den Globus vor und gibt einen Überblick über die bunt gefächerten Aktivitäten rund um den Professor.
Sie schrieb ihre Diplomarbeit über „William Morris’s Prose Romances and Their Influence on Tolkien”, Morris’ späte fantastische Romanzen betrachtend, sind einige verblüffende Parallelen dazu in Tolkiens Werken auf Mittelerde zu finden. Marie-Noëlle arbeitet jetzt an einer privaten Universität in Frankfurt. Als Vize-Vorsitzende der Deutschen Tolkiengesellschaft verbringt sie ihre Freizeit damit, Events für Tolkien-Begeisterte zu organisieren und sie ist Redakteurin des DTG Vereinsmagazins „Der Flammifer von Westernis“.

Der Tolkien-Lektor Stephan Askani (Verlag Klett-Cotta, Hobbit Presse) kommt zur Ring*Con 2010 und hält dort einen Vortrag zum Buch von J. R. R. Tolkien, „Die Legende von Sigurd und Gudrún“, das am 20. August 2010 erscheint. Dauer des Vortrags, der für Tolkien-Fans ein absolutes und hochinteressantes Muss ist, ist ca. 30–40 Minuten.

3. Filmkritik "Moon"
von Oliver Koch
SF-Filme alter Schule stehen in den Regalen der Filmfans ganz oben, gelten sie doch als „ursprüngliche SF“, die das Genre nicht einfach bereichert, sondern maßgeblich geprägt haben. Filmfans schauen sie nach Jahrzehnten noch mit der gleichen Begeisterung wie beim ersten Mal, finden sie in den Werken doch all jene Schlüsselreize wieder, die sie zu Fans des Genres gemacht haben.
„Moon“ ist wieder solch ein Film – und daher ein Segen für den SF-Fan mit vitalem Interesse an den Fragestellungen der SF, die sich als zeitlos erwiesen haben.
„Moon“ ist eine Filmperle, auf die man Jahre warten musste, und über die man sich, da nun die Wartezeit vorbei ist, freuen kann. Äußerst selten nur bekommt man einen Film wie diesen zu sehen, der den SF-Film von allen Moden und Trends entstaubt und den Genre-Kern sowohl narrativ wie visuell freilegt. Was dann über die Leinwände flimmert, ist SF in Reinkultur. Verinnerlicht, ernsthaft mit Hang zur Ontologie, gespickt mir unterschwelligen Fragen zum Leben in einer Zukunft, durchdacht – und in Erzählung sowie Optik schlicht zeitlos. „Moon“ bietet ein Maximum atemberaubender Atmosphäre, wie man sie schon seit vielen Jahren nicht mehr im Kino sehen konnte. Filme wie „Moon“ biedern sich nicht an, sondern erzählen schlicht und ergreifend ihre Geschichte. „Moon“ ist eine großartige Bereicherung des Kinosommers und später der Regale der Filmfans.
Ein umwerfendes Setting versetzt den Betrachter – ungewohnt reduziert – auf den Mond und nur dorthin. Im Mittelpunkt steht ein Individuum in einem technisierten Umfeld. Eines DER klassischen Themen ambitionierter SF. Der Film leistet sich die Freiheit der Anleihen und Zitate und verbirgt sie keineswegs, eine Hommage nicht nur an die großen Klassiker wie „2001“, sondern vor allem vor den Grundelementen des klassischen SF-Films.
Sam Rockwell blüht in seiner äußerst anspruchsvollen Rolle regelrecht auf und bekommt endlich die Gelegenheit, seine Bandbreite als ernsthafter Darsteller voll auszuspielen.  Seine Darbietung spiegelt eindrucksvoll Einsamkeit, Sehnsucht sowie im späteren Verlauf Zerrissenheit und existenzielle Angst wider.
Beeindruckend auch die Ausstattung des Films. „Moon“ kostete gerade einmal lächerliche 5 Millionen Dollar. Für das Geld bekommt man andernorts mit etwas Glück einen Kabelträger und einen Beleuchter. Erstaunlich daher, welche Kulissen „Moon“ bietet.
Eine absolut glaubwürdige Raumstation mit Kleinigkeiten, die man sonst eher selten in den sonst verstärkt lupenreinen SF-Filmen sieht: Abnutzung, Schmutz, Unordnung. Die Raumstation ist nicht der Hort spiegelblanker, romantischer Utopie, sondern Arbeitsplatz. Das Weiß der Räume ist schmucklos und mit Firnis und Gebrauchsspuren behaftet, der Raumanzug hängt voller Mondstaub im Schrank.
Natürlich entmystifiziert „Moon“ mit derartiger Darstellung die Vorstellung einer Zukunft a la „Star Trek“, in der zwar bei Kämpfen die Trümmer fliegen und Funken sprühen, jedoch wie von Geisterhand die Reparaturen mit einer offensichtlichen Grundreinigung jeden Winkels einhergehen. Ist in Filmen und Serien wie „Star Trek“ die Zukunft trotz aller Probleme und Herausforderungen, Kämpfe und Kriege eine durchweg positive, zeigen Filme wie „Moon“ mit hohem Authentizitätsgrad einen möglichen späteren Alltag.
„Moon“ ist mit seiner äußerst reduzierten Schauspielerriege – eigentlich nur Sam Rockwell und die Stimme von Kevin Spacey als Schiffscomputer „Gerty“- ausgesprochen story-abhängig. Da sich der Film auf eine Person fokussiert, ist auch die ganze Aufmerksamkeit des Publikums bei eben dieser Figur. Jeder Fehlgriff und Fehler in der Charakterzeichnung würde den ganzen Film kippen. Dem Charakter wurde daher ganz besondere Erarbeitung zuteil. Das konzentrierte Drehbuch erlaubt sich keine Mätzchen und erzählt nebenbei noch ein Stück Vergangenheit, ohne zu problematisieren.
Die Auflösung der Geschichte ist letztlich kein Musterbeispiel an Innovation, aber das ist auch nicht nötig. Sinn des Films ist nicht, gegen Ende mit einem Story-Twist zu überraschen wie Shyamalan-Filme, was den Film überdies zerstört hätte.
Maßgeblich zur großartigen Atmosphäre trägt auch der suggestive Soundtrack von Clint Mansell bei. Streckenweise poetisch überträgt sie das Gefühl des Verlorenseins und Verlassenseins atmosphärisch dicht in Akustik. Teilweise betörend schön schwingt in jeder Note Wehmut mit. Ein wenig wie in der  Musik Ludovico Enaudis breitet sich kein groß angelegter Orchesterteppich wie Zuckerguss über den Film, sondern eine reduzierte, akzentuierte Klangkulisse, die sich optimal mit Geschichte und Visuellem ergänzt.
Schatten finden sich allenfalls bei den Special Effects. Großangelegte Hollywood-Produktionen haben da sicherlich mehr zu bieten. In den sorgsam eingesetzten Außenszenen ist „Moon“ durchaus seine Low-Budget-Herkunft anzumerken. Dass es sich bei den Fahrzeugen um Modelle handelt, ist szenenweise deutlich zu erkennen. Jedoch kein Grund, die Hände vors Gesicht zu schlagen. Die handgemachten Modell-Tricks sind allemal besser und allemal einfacher zu verkraften als die zahllosen schlechten Computertricks aus der Retorte, die viele auch sündhaft teuren Hollywood-Produktionen mit mehr als dem Zwanzigfachen des Budgets immer noch regieren.
„Moon“ stellt diese Szenen auch gar nicht selbstverliebt in den Mittelpunkt, sondern stellt sie letztlich als notwendigen Teil der Geschichte dar.
Ein Ärgernis sind die Tricksequenzen also keineswegs.
Was bleibt?
„Moon“ macht nicht nur praktisch keine Fehler, sondern atmet regelrecht den Reiz und den Flair „handgemachter SF“. Der Film ist wie ein Blues-Konzert nach einem Jahrzehnt der Retortenmusik. Erdig, ehrlich und lückenlos glaubwürdig und authentisch. Schon allein das sollte eine Eintrittskarte rechtfertigen.
Ein unbedingtes Muss.

4. Star Trek, die Letzte – Eine Ära findet ihren späten Abschluss
von Mike Hillenbrand
Es war vor gut 20 Jahren, dass ich zum ersten Mal ein deutsches Sachbuch über „Star Trek“ in den Händen hielt. Es war das „Star Trek-Universum“ von Ralph Sander und nach der Lektüre war ich ein Fan. Nicht von „Star Trek“, das war ich bereits zuvor, sondern von Sander. Es gab nämlich ein großes Kapitel über die „Star Trek“-Romane in seinem Buch und das beste daran waren die vielen individuellen Kritiken zu jeder Geschichte. Andere Leser mochten seine Kritiken zu allen möglichen Episoden und wieder andere die vielen Informationen, die es im Zeitalter von Stift und Papier nicht auf den Servern der aktuellen Welt herunterzuladen gab. Das „Star Trek-Universum“ war die Pflichtlektüre für einen Fan. Es war ein Muss. Ohne Zweifel.

Sander hatte etwas erschaffen, was die Verbundenheit der Fans zu ihrer Lieblingsserie ins Unermessliche wachsen ließ und er selbst ... nun, er machte sich rar. 1999 bekam ich Ralph Sander für ein Interview zum ersten Mal vor das Mikrofon und zu Gesicht – und ich weiß, dass das damals im Media Park im „Kultkomplex“-Café der WDR-Jugendwelle L1VE ein besonderer Tag für mich war. 2006 schließlich, als mein erstes eigenes „Star Trek“-Sachbuch erschien, war es für mich die größtmögliche Ehre, dass Ralph Sander das Vorwort zu „Dies sind die Abenteuer – 40 Jahre Star Trek“ schrieb. 

Das „Star Trek-Universum“ selbst wurde zweimal in überarbeiteter Form neu aufgelegt und danach noch durch neue Bände ergänzt, ehe die Reihe schließlich eingestellt wurde. Unvollendet, quasi, denn „Star Trek“ blieb noch einige Jahre „am Leben“. Aber das Internet und seine zahlreichen Fanseiten und -zines über „Star Trek“ machten die aufwändige und teure Buchform für ein Nachschlagewerk überflüssig und so konnte Ralph Sander seine Arbeit über „Star Trek“ nie zu Ende bringen.

Bis jetzt.

Denn Ralph Sander verriet mir vor einiger Zeit:

„Mit dem ‚Science Fiction Jahr 2010’ erscheint mein vorläufig letzter Beitrag in Sachen ‚Star Trek’, denn aufgrund des geschwundenen Interesses an ‚Star Trek’ und angesichts der Tatsache, dass das Internet jede beliebige Information zum Thema quasi zum Nulltarif und unabhängig von Redaktionsschlüssen zur Verfügung stellt, ist ein fünfter Band des ‚Star Trek-Universums’ nicht mehr realisierbar. Nach dem ‚Science Fiction Jahr 1987’, in dem ich den ersten ‚Star Trek’-Artikel veröffentlichen konnte, schließt sich nun der Kreis, indem der letzte Artikel wieder in einem ‚Science Fiction Jahr’ erscheint.“

Es ist mir an dieser Stelle eine Ehre und ein Muss, auf dieses neue und aktuelle „Science Fiction Jahr“ hinzuweisen. Natürlich handelt es sich inhaltlich dabei nicht um den lange von vielen Fans geforderten „5. Band“ des „Star Trek-Universums“, aber das behauptet Ralph Sander auch gar nicht.

„Mein Artikel ist natürlich kein Ersatz für einen vollwertigen fünften Band, da ich aus Platzgründen u. a. auf Episodenführer und Anhänge wie Bibliographien verzichten musste, und ich konnte hier auch nicht Episode für Episode analysieren […]. Ein Schwerpunkt liegt mehr auf einer Analyse der Serien/Filme insgesamt, und ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den Gründen, warum das Franchise nach ‚Enterprise’ und ‚Star Trek Nemesis’ mit einem Schlag praktisch tot war. Natürlich ist das ganze in dem Stil geschrieben, den viele Leser an meinen Büchern so geschätzt hatten, weil ich (wie üblich) kein Blatt vor den Mund nehme, auch wenn das nicht immer ganz so ‚linientreu’ ist.“

Nicht linientreue Schriften über „Star Trek“ waren mir schon immer lieb und teuer – und darum: Wer mag und wem es so ging, wie mir in Sachen „Star Trek-Universum“, hat vielleicht Freude daran, Ralph Sanders abschließende Worte und Meinungen über „Star Trek“ zu lesen.
Ich lege Ihnen das Buch auf jeden Fall ans Herz, zumal die Buchreihe des „Science Fiction Jahr“ leider eh nur einen Insider-Tipp darstellt, von dem nur wenige Kenntnis nehmen. Dabei lohnt sich dieser Backstein von einem Buch allemal für Liebhaber der Phantastik! Jedes Jahr. Auch in diesem. Vielleicht sogar …

In diesem besonders.

„Keep on Trekkin’“

Wilhlem Heyne Verlag GmbH & Co. KG
Wolfgang Jeschke (Hrsg.)
Das Science Fiction Jahr 2010
Originalausgabe
Taschenbuch, Broschur, ca. 992 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-52681-5
€ 29,95 [D] | € 30,80 [A] | CHF 49,90 (UVP)Unverbindliche Preisempfehlung

5. TV-Vorschau
(17. August 2010 - 22. August 2010)
Besuchen Sie auch die Online-Version der TV-Vorschau und stellen Sie sich dort Ihr persönliches Fernsehprogramm zusammen.

Colorcode:PayTVÖsterreichSchweiz
Dienstag, 17. August 2010
05:10 UhrRaumschiff Enterprise
Brot und Spiele
2x25Sci FiWdh.
12:40 UhrEarth: Final Conflict
Der Doppelgänger
4x12Tele 5Wdh.
13:35 UhrStargate
Chaka
5x07Tele 5Wdh.
16:10 UhrBeastmaster - Herr der Wildnis
Der Kristall-Schrein
3x02Tele 5Wdh.
16:30 UhrThe Pretender
Der Testpilot
1x03ATVplusWdh.
17:10 UhrDie verlorene Welt
Der Ruf der Hexen
3x09Tele 5Wdh.
18:10 UhrEarth: Final Conflict
Dunkle Materie
4x13Tele 5Wdh.
18:45 UhrChuck
Chuck gegen Morgan
2x14SF2Wdh.
19:05 UhrStargate
Das Tempelgrab
5x08Tele 5Wdh.
20:15 UhrCSI: Miami
Leidensgeschichte
4x04RTLWdh.
21:15 UhrCSI: Miami
3 Frauen
4x05RTLWdh.
00:25 UhrCSI:NY
Tiefer Fall
5x21VOXWdh.
03:45 UhrStar Trek - Das nächste Jahrhundert
Der Moment der Erkenntnis (2/2)
6x17Kabel1Wdh.
04:15 UhrRaumschiff Enterprise
Computer M5
2x24Sci FiWdh.
Mittwoch, 18. August 2010
05:10 UhrRaumschiff Enterprise
Spocks Gehirn
3x01Sci FiWdh.
12:40 UhrEarth: Final Conflict
Dunkle Materie
4x13Tele 5Wdh.
13:35 UhrStargate
Das Tempelgrab
5x08Tele 5Wdh.
16:10 UhrBeastmaster - Herr der Wildnis
Der Auserwählte
3x03Tele 5Wdh.
16:30 UhrThe Pretender
Ein As im Ärmel
1x04ATVplusWdh.
17:10 UhrDie verlorene Welt
Der Lange Weg
3x10Tele 5Wdh.
18:10 UhrEarth: Final Conflict
Schlüssel zum Leben
4x14Tele 5Wdh.
18:45 UhrChuck
Chuck gegen den Muskelprotz
2x15SF2Wdh.
19:05 UhrStargate
Der Kampf der Tollaner
5x09Tele 5Wdh.
20:15 UhrDie Maske des Zorro
Antonio Banderas und Anthony Hopkins als Jungzorro und Zorro a. D. im Kampf für die unterdrückten Massen.
US
1998
Kabel1Wdh.
20:15 UhrStargate Atlantis
Die Daedalus-Variationen
5x04RTL2Wdh.
21:10 UhrStargate Atlantis
Geist in der Maschine
5x05RTL2Wdh.
22:05 UhrStargate
Rache muss sein
10x17RTL2Wdh.
22:40 UhrFinal Destination
Ein paar Jugendliche überleben einen Flugzeugabsturz. Doch der Tod hat sie immer noch auf der Liste...
US
2000
Sci FiWdh.
22:40 UhrHeroes
Familienfest
4x11SF21st
23:00 UhrStargate
Familienbande
10x18RTL2Wdh.
00:10 UhrGinger Snaps - Das Biest in dir
Zwei Mädchen inszenieren immer wieder ihren Tod. Dann wird eine von einem Werwolf gebissen ...
CA/US
2000
Tele 5Wdh.
00:55 UhrBattlestar Galactica
Die verlorene Flotte
2x01RTL2Wdh.
03:00 UhrStar Trek - Das nächste Jahrhundert
Das Schiff in der Flasche
6x12Kabel1Wdh.
04:20 UhrRaumschiff Enterprise
Ein Planet, genannt Erde
2x26Sci FiWdh.
Donnerstag, 19. August 2010
05:10 UhrRaumschiff Enterprise
Der Obelisk
3x03Sci FiWdh.
12:40 UhrEarth: Final Conflict
Schlüssel zum Leben
4x14Tele 5Wdh.
13:35 UhrStargate
Der Kampf der Tollaner
5x09Tele 5Wdh.
16:15 UhrBeastmaster - Herr der Wildnis
Der Schleier des Todes
3x04Tele 5Wdh.
16:30 UhrThe Pretender
Späte Gerechtigkeit
1x05ATVplusWdh.
17:15 UhrDie verlorene Welt
Eiszeit
3x11Tele 5Wdh.
18:15 UhrEarth: Final Conflict
Die sechste Dimension
4x15Tele 5Wdh.
18:45 UhrChuck
Chuck gegen Leathal Weapon
2x16SF2Wdh.
19:15 UhrStargate
2001
5x10Tele 5Wdh.
20:15 UhrNumb3rs - Die Logik des Verbrechens
Die Macht der Acht
5x13Kabel1Wdh.
20:15 UhrBabylon 5
Angriff der Aliens (2/2)
1x21Tele 5Wdh.
20:15 UhrDer Schakal
Bruce Willis als Top-Attentäter, der von Richard Gere als Ex-IRA Mitglied verfolgt wird, um ihn von seinem Attentat abzuhalten.
US/UK
1997
VOXWdh.
21:05 UhrBones - Die Knochenjägerin
Die Unbeliebtheit und der Tod
4x06ATVplusWdh.
21:15 UhrCSI - Den Tätern auf der Spur
Todesfahrt
3x16ORF1Wdh.
21:15 UhrCSI: Den Tätern auf der Spur
Freier Fall
3x10RTLWdh.
21:15 UhrNumb3rs - Die Logik des Verbrechens
Sneakerhead
5x14Kabel1Wdh.
21:20 UhrAkte X - Die unheimlichen Fälle des FBI
Der Vulkan
2x09Tele 5Wdh.
22:15 UhrBones - Die Knochenjägerin
Der Möchtegernsänger im Gras
3x14RTLWdh.
22:25 UhrOperation: Broken Arrow
Terroristen unter dem Kommando von John Travolta schaffen es sich ein paar Nuklearwaffen zu besorgen. Doch sie machen die Rechnung ohne seinen Ex-Partner.
US
1996
VOXWdh.
23:00 UhrHeroes
Unsichtbare Bedrohung
3x25ATVplusWdh.
23:20 UhrStephen King's Dead Zone
Hexenjagd
1x10Tele 5Wdh.
00:20 UhrAkte X - Die unheimlichen Fälle des FBI
Der Vulkan
2x09Tele 5Wdh.
00:35 UhrCSI: Den Tätern auf der Spur
Freier Fall
3x10RTLWdh.
00:45 UhrDer Schakal
Bruce Willis als Top-Attentäter, der von Richard Gere als Ex-IRA Mitglied verfolgt wird, um ihn von seinem Attentat abzuhalten.
US/UK
1997
VOXWdh.
02:40 UhrStar Trek - Das nächste Jahrhundert
Aquiel
6x13Kabel1Wdh.
03:20 UhrStar Trek - Das nächste Jahrhundert
Hochzeit mit Hindernissen
5x20Kabel1Wdh.
04:15 UhrRaumschiff Enterprise
Die unsichtbare Falle
3x02Sci FiWdh.
Freitag, 20. August 2010
05:05 UhrRaumschiff Enterprise
Kurs auf Markus 12
3x04Sci FiWdh.
05:55 UhrRaumschiff Enterprise
Die fremde Materie
3x05Sci FiWdh.
12:40 UhrEarth: Final Conflict
Die sechste Dimension
4x15Tele 5Wdh.
13:35 UhrStargate
2001
5x10Tele 5Wdh.
16:10 UhrBeastmaster - Herr der Wildnis
Kampf um Kwaiza
3x05Tele 5Wdh.
16:30 UhrThe Pretender
Freund und Helfer
1x06ATVplusWdh.
17:10 UhrDie verlorene Welt
Das Teufelsweib
3x12Tele 5Wdh.
18:10 UhrEarth: Final Conflict
Die Zeitfalle
4x16Tele 5Wdh.
18:45 UhrChuck
Chuck gegen Beckmann
2x17SF2Wdh.
19:05 UhrStargate
Verzweiflungstat
5x11Tele 5Wdh.
20:15 UhrDas Imperium schlägt zurück - Special Edition
Luke trifft Yoda, einen kleinen Gnom der zwar die Macht, aber trotzt 800 Jahren Lebenserfahrung die Sprache immer noch nicht beherrscht. Und es kommt zu einer Familienzusammenführung.
US
1980
Pro7Wdh.
20:15 UhrGhost Whisperer - Stimmen aus dem Jenseits
Blutiges Geld
5x20Kabel11st
20:15 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Die Entscheidung des Admirals
1x16Sci FiWdh.
20:15 UhrCSI:NY
Stichwunden
1x12VOXWdh.
21:05 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Die Sorge der Aldeaner
1x17Sci FiWdh.
21:55 UhrBlack Hawk Down
Die Amerikaner wollen den Bürgerkrieg in Somalien schnell beenden. Doch ihr Plan entwickelt sich zu einem Desaster.
US
2001
13th StreetWdh.
21:55 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Ein Planet wehrt sich
1x18Sci FiWdh.
22:05 UhrTimecop
Jean Claude van Damme als Zeitpolizist der einen machthungrigen Politiker aufhalten soll.
US/JP
1994
RTL2Wdh.
22:45 UhrStargate: The Ark of Truth - Die Quelle der Wahrheit
Das Stargate Team sucht nach einer Waffe gegen die Ori.
US/CA
2008
Sci FiWdh.
22:45 UhrDas Mercury Puzzle
Ein kleiner autistischer Junge knackt durch Zufall einen Militärcode. Das ist sein Todesurteil, doch Bruce Willis beschützt ihn.
US
1998
SF2Wdh.
00:05 UhrCSI:NY
Stichwunden
1x12VOXWdh.
00:20 UhrLong Time Dead
Bei einer spiritistischen Sitzung prophezeit ein Dämon ein paar jugendlichen den Tod. Und hat sogar Recht damit.
UK/FR
2002
Pro7Wdh.
Samstag, 21. August 2010
05:00 UhrStar Trek - Der Film
Kirk und Co. versuchen die Erde vor der Maschinenintelligenz V'ger zu schützen.
US
1979
Sci FiWdh.
08:50 UhrStar Trek - Der Film
Kirk und Co. versuchen die Erde vor der Maschinenintelligenz V'ger zu schützen.
US
1979
Sci FiWdh.
13:40 UhrInvasion
Szuras Plan
1x21ATVplusWdh.
14:35 UhrSanctuary - Wächter der Kreaturen
Instinkt
1x11ATVplusWdh.
15:30 UhrStargate Universe
Finsternis
1x04ATVplusWdh.
16:05 UhrCongo
Ein Team sucht im Kongo nach Diamanten. Nachdem das Team von Tieren angegriffen wird, wird ein zweites losgeschickt.
US
1995
Pro7Wdh.
17:45 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Die Entscheidung des Admirals
1x16Sci FiWdh.
18:35 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Die Sorge der Aldeaner
1x17Sci FiWdh.
19:25 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Ein Planet wehrt sich
1x18Sci FiWdh.
20:15 UhrRed Heat
Arnold Schwarzenegger und James Belushi als Russisch-Amerikanisches Polizistengespann auf Drogenjagd.
US
1988
VOXWdh.
20:15 UhrDas Boot - Director's Cut
U-96 auf Feindfahrt im Atlantik.
DE
1981
BayernWdh.
20:15 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Prüfungen
1x19Sci FiWdh.
21:05 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Worfs Brüder
1x20Sci FiWdh.
21:55 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Die Waffenhändler
1x21Sci FiWdh.
22:35 UhrTimecop
Jean Claude van Damme als Zeitpolizist der einen machthungrigen Politiker aufhalten soll.
US/JP
1994
RTL2Wdh.
22:45 UhrFinal Destination
Ein paar Jugendliche überleben einen Flugzeugabsturz. Doch der Tod hat sie immer noch auf der Liste...
US
2000
Sci FiWdh.
00:10 UhrThe Ring 2
Ein halbes Jahr nachdem sie das Videotape angesehen hat muss Naomi Watts sich wieder mit einem Rachedämon auseinandersetzen.
US
2005
SF2Wdh.
00:45 UhrJagd auf Roter Oktober
Sean Connery läuft als russischer U-Boot Kapitän Richtung Amerika aus. Alec Baldwin soll als Jack Ryan herausfinden was der vor hat.
US
1990
SF1Wdh.
04:25 UhrStar Trek - Das nächste Jahrhundert
Eine Handvoll Datas
6x08Kabel1Wdh.
Sonntag, 22. August 2010
05:30 UhrRaumschiff Enterprise
Morgen ist gestern
1x19Kabel1Wdh.
13:35 UhrDie unendliche Geschichte
Nach Michael Ende. Die Geschichte um Bastian, Atreyu und Fuchur.
DE/US
1984
BayernWdh.
17:05 UhrLegend of the Seeker - Das Schwert der Wahrheit
Die Grotte der Irrlichter
2x19Pro71st
17:45 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Prüfungen
1x19Sci FiWdh.
18:35 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Worfs Brüder
1x20Sci FiWdh.
19:25 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Die Waffenhändler
1x21Sci FiWdh.
20:00 UhrDas Bourne Ultimatum
Der 3. Teil um Jason Bourne. Und wieder sucht der Agent nach seinen Gedächtnislücken.
US/DE
2007
SF2Wdh.
20:15 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Die Seuche
1x22Sci FiWdh.
21:05 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Die schwarze Seele
1x23Sci FiWdh.
21:55 UhrRaumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert
Begegnung mit der Vergangenheit
1x24Sci FiWdh.
00:55 UhrDas Bourne Ultimatum
Der 3. Teil um Jason Bourne. Und wieder sucht der Agent nach seinen Gedächtnislücken.
US/DE
2007
SF2Wdh.

6. Die Memmen des Meeres - Der Corona-Fortsetzungsroman
von Carolina Möbis
Was bisher geschah:

Endlich sind Daniel, Kikki und Monique dem Hades entkommen. Doch zurück in der Welt der Lebenden wartet eine neue Katastrophe. Ein Sturm fegt über den Schiffsfriedhof hinweg, und während alte Planken brechen, sucht Daniel nach seinen fehlenden Mitstreitern Hubertus von Heuchelheim und Johann Bruchnagel.

35. Kapitel

‚Hubertus und Johann suchen’- Keine leichte Aufgabe, wenn einem der Sturm um die Ohren heult wie ein Bataillon von vampirischen Klageweibern. Doch schließlich findet einer meiner Begleiter mich. Wobei „finden“ nur bedingt auf herabstürzende Mastbäume zutrifft.
Gerade noch rechtzeitig springe ich rückwärts. Zwar lande ich unsanft auf dem Deck eines alten Schoners, aber immerhin liege ich nicht unter dem Schonermast, der soeben die Horizontale mit der Vertikalen verwechselt hat und nun nur noch von ein paar nicht minder laveden Tauen gehalten wird. Und ich hänge auch nicht über der schäumenden See an den Resten eines morschen Ausgucks. So wie mein lieber Freund Hubertus, der sich an die Überbleibsel der Plattform klammert und panisch mit den Beinen strampelt.
„Ruhig bleiben!“, brülle ich gegen den Sturm an. Nicht, dass Hubertus bisher allzu häufig auf mich gehört hätte, aber verschmähte Ratschläge gehören zu handfesten Krisen wie die Wespe zum Erdbeerkuchen.
Ebenso wie mein tiefes Seufzen und Moniques aufmunterndes „Du schaffst das“, während ich das Unvermeidliche tue und auf dem Mastbaum in Huberts’ Richtung krieche. Die verdammte Kiefer schwankt wie eine Wippe auf dem Kinderspielplatz. Dennoch gelingt es mir, ruhig zu bleiben, nicht auf die Wellen zu sehen und mich auf jede Bewegung und das nasse Holz unter meinen Fingern zu konzentrieren. Nach einem gefühlten Zeitalter habe ich den Ausguck erreicht, greife hinab, bekomme Heuchelheim zu fassen und zerre ihn hoch. Nachdem ich zweimal obszöne Flüche von mir gegeben habe und ihn als Memme und unsportliche Vorschülerin beschimpft habe, wandelt sich Hubertus’ Panik in so etwas wie Mitarbeit und schließlich liegen wir beide auf dem Mast.
„Beeilt euch“, ruft Monique. „Das verdammte Ding stürzt gleich ab.“
Ich weiß nicht genau wie, aber tatsächlich gelingt es mir, Hubertus mit mir zurück in die fragwürdige Sicherheit des Schonerdecks zu schleifen.
Als ich mich umsehe, kommt mir Kikki entgegen. Ich könnte sie küssen. Oder ihr einen Orden verleihen. Denn sie zerrt meinen alten Professor Johann Bruchnagel mit sich.
Obwohl unsere akademische Freundschaft nie die allerdickste war, bin ich doch schwer erleichtert, ihn wohlauf zu finden.
„Ick globs ja nich!“ Kikki schüttelt ihre Löwenmähne. „Weeste, wat der jemacht hat? Katalogisiert!“
„Wo is’ der Olle?“, fragt Kikki. „Der verrückte Kerl, der hier lebt?“
„Professor Sandström?“, frage ich. „Stimmt. Da war ja was. Jetzt müssen wir den blinden Seher finden und ihm mal das Tuch von den Augen ziehen.“
„Hä?“
„Ach nichts.“
Wir müssen fast schreien, um uns zu verständigen, und mir vergeht die Lust auf überflüssige Witze.
Monique sucht meine Nähe. Ich lege einen Arm um ihre Schultern.
„Wie kommen wir nun von hier weg?“, fragt sie in die Runde.
„Das ist Odysseus’ Falle“, Hermes zuckt die Achseln. „Ihr könntet ihn befreien. Er wüsste sicher, wie man hier rauskommt.“
Calypso verschränkt die Arme. „Nö! Ich behalte ihn.“
Damit kommt sie nur meinem Kopfschütteln zuvor. „Niemals! Es muss einen anderen Weg geben! Irgendwie müssen wir selbst unser Schiff wieder aus dem Nebelmeer in unsere Welt kriegen.“
„Gezählt, sind die Tage…“, tönt eine zitternde Stimme schwach an mein Ohr.
Der Sandwilli schlurft heran. Wahrscheinlich drängt es ihn nach Gesellschaft.
„Also, wie kommen wir hier raus?“, drängt Monique. Sie hat Recht, um uns herum bricht die hölzerne Insel auseinander. Wenn wir nicht bald aus dem Sturm herausfinden, müssen wir uns spontan Kiemen wachsen lassen.
„Wir müssen die aiolischen Winde bannen.“
Hubertus kratzt sich im Nacken. Scheinbar treibt die Lebensgefahr sein Hirn an. „Wir könnten auch den Bugspriet wegwerfen. Vielleicht klappt das.“
„Den Bugspriet?“
Ich kann gerade nicht mehr sagen, ob ich davon schon mal gehört habe, oder nicht. Es ist soviel passiert, dass ich kaum noch weiß, was ich weiß.
„Der Bugspriet, ja.“ Johann nickt bedächtig. „Den haben wir gemäß Professor Sandströms Unterlagen mit dem Phaiakenspruch verzaubert. Er brachte das Schiff ins Nebelmeer.“
„Ja, dann … gut! Legen wir los!“
„Es könnte aber auch schiefgehen. Vielleicht stranden wir hier für immer.“
„Das passiert auch, wenn wir nichts tun. Und dann sind wir ganz schnell wieder im Hades.“
„Du warst im Hades?“
„Lange Geschichte. Wieso waren du und Hubertus nicht im Hades?“
„Äh … was meinst du?“
„Das Unterdeck. Alle haben geschrien und sind verschwunden, und du bist fast durchgedreht vor Angst“, erinnere ich Johann.
„Ach so ja“, er winkt ab. „In den Kielräumen war ein gigantischer Oktopus, erschreckend, das Tier. Erschreckend. Aber wir konnten erst fliehen und dann die arme Kreatur befreien. So wurden wir sie los und konnten die Räumlichkeiten weiter untersuchen.“
Na wunderbar, dann wäre das auch geklärt. Ich schlage mich auf der Suche nach den beiden durch die Unterwelt und die spielen Peta-Aktivisten. Naja, löblich immerhin.
„Alles unwichtig“, würge ich die Diskussion ab. „Zurück zur Déjà Vu. Und weg mit dem Bugspriet. Und den komischen Kompass schmeißen wir am besten auch gleich noch weg!“
Und dann sprinten wir los. Soweit Johann oder der Sandwilli in der Lage dazu sind. Hermes und Calypso, der Gott und die Nymphe, können sich eine Dosis Sorglosigkeit leisten. Die Unterblichen bilden das Schlusslicht und schlendern entspannt hinterdrein. Der Sturm beeinträchtigt ihre Frisuren und ihre Konversation nur geringfügig.
Wir anderen sind damit beschäftigt, unsere menschlichen Leben zu retten.
Doch wo um alles in der Welt ist nur unser Schiff abgeblieben? Die Suche gerät zum Chaos, bei dem wir Vierjährige am Kuchenbuffet wild durcheinander rennen.
Schließlich tippt mir Hermes auf die Schulter. „Da lang“. Er streckt den Finger aus und da erblicke ich hinter den traurigen Resten eines Zweimasters unsere übel zugerichtete treue Yacht.
„Danke“ rufe ich dem Gott zu und stürme los.
„Keine Ursache.“ Der Sturm trägt mir seine Antwort in erstaunlicher Klarheit zu. „Ich bin dann mal weg. Und falls du mich mal brauchst, meine Karte steckt in deiner Jacke.“
Auch Calypso ruft uns einen Abschiedsgruß hinterher. Ich kann nicht darauf antworten, denn ich bin vollauf ausgelastet mit der Aufgabe, gemeinsam mit meinen Freunden den Bugspriet von der Yacht zu reißen. Da uns dabei nur aus Tauen und gesplitterten Holzbrettern improvisierten Werkzeug zur Verfügung steht, ringt unsere Muskelkraft mit den Resten der Konstruktion. Schließlich siegt unsere steigende Verzweiflung, als eine römische Galeere in der Nähe bedrohlich zu knirschen beginnt.
Und dann ist es endlich geschafft. Der antike Bugspriet stürzt in die Wellen. Wir werfen den Kompass hinterher. Wir sehen uns an. Wir halten uns fest. Der Orkan tobt. Irgendwo zerbirst Holz.
Doch plötzlich … Ist. Es. Still.
Der Nebel ist noch da, aber der Wind spielt ein anderes Lied. Bringt einen frischeren Geruch. Die Wellen plätschern heller.
„Haben … wir es geschafft?“ Monique sieht sich um.
Unsere Hände treffen sich und unsere Finger verschränken sich wie von selbst ineinander.
Kikki johlt. „Mein GPS-Handy geht wieder!“
In ihr Lachen mischt sich Huberts erstaunter Ruf. „Meins auch!“
„Wo sind wir?“, will ich wissen. Hubertus starrt auf das Display.
„Im …äh … ich denke … in der Straße von Gibraltar. Nicht weit vor der spanischen Küste.“
„Wisst ihr was?“ Johann hüpft auf dem geschundenen Deck auf und ab. So ausgelassen habe meinen alten Professor noch nie erlebt.
„Wir haben den gesamten Schiffsfriedhof mitgenommen! Weil alle diese Schiffe nicht ursprünglich ins Nebelmehr gehörten! All diese wunderbaren Wracks. Und dazu noch Odysseus’ Schatz! Wisst ihr, was das alles wert ist? Hubertus! Alle unsere Probleme sind beseitigt! Wir haben es geschafft! Archäologische Kleinode von unschätzbarem …“
Ein dumpfes Dröhnen durchbricht den akademischen Freudentaumel.
„MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖOP“
Ein riesiger, schwarzer Schatten schält sich aus dem Nebel, der sich eingeschüchtert verzieht und uns die sich schnell nähernde Bugspitze eines gigantischen Frachtschiffs enthüllt.
„MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖP“, röhrt die Sirene energisch.
Johann gestikuliert wie verrückt. „Nein! Nein! Weich aus! Weich aus!“
Es gelingt mir mit Moniques Hilfe noch geradeso, den lebensmüden Studiosus fortzuzerren, und mit ihm ins Wasser zu springen.
Dann beerdigen Tonnen von Stahl alle archäologischen Träume, als ein Tanker direkt durch unseren Schiffsfriedhof walzt.
Wir haben unendlich Glück, sind gerade weit genug entfernt, dass uns die Kielwellen nicht ersäufen und niemand in die Schiffsschraube gerät.
Kikki hält sich mit einem Arm an einer Planke fest, mit dem anderen den alten Sandwilli im Rettungsschwimmergriff. Einmal mehr bin ich beeindruckt von ihren praktischen Fähigkeiten.
Hubertus heult unserem Schatz und seinem Mobiltelefon hinterher. Es hat das Nebelmeer überstanden, nicht jedoch den Sprung ins Wasser.
„Monique, Johann und ich klammern und gemeinschaftlich an einen Rettungsring. Das einzige, das außer ein paar Trümmern von der Déjà Vu übrig geblieben ist.
Johann stehen die Tränen in den Augen. Mir auch. Vom Salzwasser.
Geduldig warten wir auf die benachrichtigte Küstenwache, die uns schließlich abholt.
Einige Stunden später, als wir festen Boden unter den Füßen haben und in Handtücher gewickelt im Hafen von San Fernando dem Zoll die Geschichte einer gescheiterten Kreuzfahrt auftischen, wird Hubertus verhaftet.
Wegen Steuerhinterziehung. Kikki lächelt und telefoniert mit ihrem Boss. Dem deutschen Finanzamt. Wir alle erfahren, dass Heuchelheim mit einigen Hunderttausend in der Kreide steht und nicht nur einen Haufen Steuern hinterzogen, sondern auch unser ganzes Unternehmen in der wahnwitzigen Absicht gestartet hat, Odysseus’ kostbare Schätze später illegal verhökern zu können.
Kikki ist eine Steuerfahnderin. Und sie heißt auch nicht Kikki, sondern Renate Schmidt. Und ihr Dialekt ist plötzlich weit weniger ausgeprägt.
Kurz bevor sie uns verlässt, zwinkert sie mir gar nicht mehr blondinenhaft zu.
„Du weißt schon. Der Tod und die Steuern. Hades hat mich gehen lassen. Ich habe ihm eine Betriebsprüfung angedroht.“
„Das Finanzamt hat Kontakte bis in den Hades?“
„Du hast ja keine Ahnung, wie viele Tote wir schon besteuert haben.“
 
 
Epilog:
 
Johann war zwei Tage niedergeschlagen. Bei einem Cocktail in der billigen Hotelbar einer noch billigeren Absteige klagte er uns sein Leid. Der weltverändernde wissenschaftliche Durchbruch, der ihm die Professur bescheren sollte, war nun in unendliche Ferne gerückt. Sobald wir wider nüchtern waren, schleppte ich meinen früheren Mentor und den alten Sandwilli in das nächste Archiv ab. Dort vergruben sie sich in alten Handschriften und ignorierten meine Anrufe.
Monique und ich beschlossen, uns noch ein wenig Urlaub in Spanien zu gönnen und als ich eine Woche später mit ihr am Strand saß, Wellen, Himmel und plattgedrückte Getränkedosen betrachtete und das Deathmatch kreischender Möwen um ein weggeworfenes Stück Pizza beobachtete, war ich sicher, die Frau meines Lebens gefunden zu haben. Wir redeten und redeten und es störte mich noch nicht einmal.
Nebenbei seid ihr Stimmen verstummt. Ich fühle mich ein wenig einsam ohne euch, aber ich denke, ich schaffe es nun auch so.
Ich küsse Monique. Doch während ihre zarten Finger meinen Nacken streicheln, glüht plötzlich das Gorgonenhaupt, das ich noch immer an einer Kette um den Hals trage. Ich habe mich so an diesen Talisman gewöhnt, dass ich völlig vergessen habe, mich seiner zu entledigen.
Eine mir wohlbekannte Stimme lacht kehlig an meinem Ohr.
‚Dachtest du wirklich, du wirst mich so schnell los, Enkel? Ich habe doch immer ein Ass im Ärmel.’
‚Lass dass, alter Sack und geh zurück zu Calypso. Es ist vorbei.’
‚Du hast keine Ahnung. Es fängt gerade erst an …’

7. Klassiker der Science-Fiction #15: "Die fliegenden Zauberer"
von Oliver Koch
In der SF-Literatur markiert der Roman „Die fliegenden Zauberer“ von Urgestein Larry Niven und David Gerrold einen Meilenstein: Er ist von vornherein als komischer SF-Roman konzipiert – selten genug. Am Beispiel dieses Buches wird einem erst richtig bewusst, wie die Science-Fiction-Literatur zu Ernsthaftigkeit neigt. Epen, Schlachten, Warnungen, Bedrohungen, gemischt mit Horror- und Gothikelementen, alles ist reichlich vorhanden – aber durchweg spaßige SF-Romane sind Mangelware.
„Die fliegenden Zauberer“ ist da die wohltuende Ausnahme und hat auch aufgrund seines Witzes weltweit den Ruf eines großen SF-Klassikers.
Mit viel Wort- und Dialogwitz spinnen Niven und Gerrold ein Garn über die Konfrontation zweier konträrer Sichtweisen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Das Aufeinanderprallen einer technisierten Raumfahrerzivilisation mit einer rein auf Magie beruhenden Gesellschaft bietet allerhand Raum für sprühende Gespräche zwischen den Protagonisten, peppige Pointen und gelegentlich gar Schenkelklopfer.
Erreicht wird dies durch mehrere Faktoren: Die Lust der Autoren, witzig zu sein, eine originelle Story und Grundidee sowie schlichtweg herrlich schrullige Charaktere.
Die Geschichte des Raumfahrers Purpur, der auf einem fremden Planeten strandet und mithilfe der Einheimischen (die ihn nebenbei abgeschossen haben) versucht, auf sein im Orbit wartendes Mutterschiff zu kommen, wartet mit zahllosen Skurililitäten mit einigem Hintersinn auf.
 
Niven und Gerrold erzählen das Treiben aus der Sicht des Einheimischen Lant. Diese Perspektive macht die Magie und die Selbstverständlichkeit ihrer Bedeutung wahrlich greifbar. Der Raumfahrer, ein Mensch, den man durch die fehlerhafte Übersetzung eines Translators Purpur nennt, erscheint abnorm, seine wissenschaftliche Denkweise (und damit die der Leser) streckenweise gar idiotisch. Die auf dem Planeten herrschende Magie jedoch erscheint keineswegs einfältig, sondern als ebenbürtiges Denksystem wie die wissenschaftlich-technische der Menschen.
Wenn der Leser erfährt, wie die mechanisch für jeden normal denken Menschen nachvollziehbare Systematik eines Fahrrads mittels Magie und Götterglaube glaubwürdig erklärt wird, kommt man als Leser schon in Staunen. Um die Zivilisation aber nicht vollends romantisch zu verklären, wird sie auch mit unangenehmen Verhaltensweisen ausgestattet, die jedoch brüllend komisch vermittelt werden: So tragen Frauen vollkommen selbstverständlich Fußfesseln, müssen sich ihren Mann mit mehreren Frauen teilen, werden wie selbstverständlich geschlagen und unterdrückt, können als Kind verkauft werden und so weiter.
 
Der Roman hält sich nicht lange damit auf, fremde Welten glaubhaft zu erklären oder zu deuten, technologische Errungenschaften weiterzudenken und zu hinterfragen, sondern beschränkt sich erfrischend klar auf das Beschreiben der Welt, wie sie ist: Sie ist einfach da.
Der Mensch als Eindringling jedoch muss erkennen, dass sein Rationalismus auf tönernen Füßen steht. Wenn Purpur sich mit seinem Zauberer-Kontrahenden Shoogar über das Wesen von für uns so banale Dinge wie Blaupausen und gezeichnete Bauanleitungen streitet, werden die Grenzen eben jenes Rationalismus deutlich, dem sich die Science Fiction für gewöhnlich verschrieben hat.
 
Nicht zuletzt deshalb ist „Die fliegenden Zauberer“ ein zutiefst menschliches Buch, das die Genre-Literatur bis heute maßgeblich erweitert hat. Und das auf einzigartige Weise.
 
Larry Niven ist als Erzähler hier in seinem Element. Auf sein Konto gehen weitere Klassiker wie „Ringwelt“ und „Ein Splitter im Auge Gottes“. Gerade im Letzteren beschrieb er ebenfalls eine Welt, die sich der Deutung durch den Menschen und seinem Wertekanon vollständig entzog und deren Verstehen erst mühsam erkämpft werden muss. Auch hier hatten es Raumfahrer mit einer vermeintlich minderbemittelten Zivilisation zu tun, die sich im weiteren Fortlauf der Geschichte als doppelbödiger herausstellte als zunächst angenommen.
 
Es ist zu wünschen, dass „Die fliegenden Zauberer“ bald wieder regulär erhältlich ist – ansonsten findet man es antiquarisch. Ein Kauf ist es in jedem Falle wert.

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Ein Hinweis in eigener Sache: Klassiker der Science Fiction – Jahr 2

Nach der Sommerpause wird unsere Klassiker-Rubrik ein Jahr alt! Ursprünglich als eine kurze Serie der persönlichen Favoriten der Redakteure angedacht, ist daraus inzwischen eine eigene Rubrik geworden. Im zweiten Jahr ihrer Existenz haben wir uns beschlossen, etwas Neues zu versuchen und Sie, die Leser, einbeziehen.

Schicken Sie uns eine Besprechung Ihres persönlichen Klassiker-Lieblings. Welches Buch verdient mehr Beachtung? Wer sollte in keiner SF-Bibliothek fehlen? Was wurde aus den Visionen von X? Oder auch: Was war mal Weltklasse-Science-Fitction und ist heute nur noch überholt?

6000-7000 Zeichen über Ihren Tipp, in denen auch darauf eingegangen wird, ob das Buch heute noch relevant und lesenswert ist und wie sich die darin enthaltene Zukunftsvision heute liest – und Sie werden uns und die weiteren Leser des Corona Magazins glücklich machen. Schicken Sie ihre Artikel an klassiker@corona-magazine.de

Herzliche Grüße
Ihr Steffen Marx
Redaktionsleiter

8. Kunterbunt
Darmstadt SpaceDays 2010: Bundesweites Treffen für SciFi- & Fantasy-Modellbauer
Kein phantastischer Film kann ohne sie auskommen. Sie stellen Dinge dar und gaukeln dem Kinobesucher eine Realität vor, die so (noch) nicht existiert. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich viele dieser Dinge desillusionierend als Produkt aus einfachem Plastik oder Holz. Die Rede ist vom Modellbau, speziell dem, der in vielen Science-Fiction- und Fantasy-Filmen all die Welten schafft, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Unter dem Motto "Alle diese Welten gehören Euch" (Hal9000 in "2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen") laden die Science-Fiction Freunde der Weltraumstadt Darmstadt in Kooperation mit dem seit 1955 bestehenden Science Fiction Club Deutschland e.V. am 4. und 5. September 2010 wieder zu den "Darmstadt SpaceDays ein. Im zehnten Jahr ist dies die siebte und nach wie vor einzige Modellausstellung ausschließlich für Science-Fiction, Fantasy und Raumfahrt in Deutschland.
Bei dieser einzigartigen Mischung aus Convention und Ausstellung sind nicht Schauspieler die Stars, sondern zahlreiche Modelle. Aussteller aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland zeigen Raumschiffe, Fantasyfiguren, Dioramen und Nachbildungen verschiedener Ausrüstungsgegenstände aus vielen Serien und Filmen, sowie phantasievolle Eigen- und Umbauten. Ebenso wird es eine Reihe Originalrequisiten aus verschiedenen Phantastik-Filmen zu sehen geben.
Mehrere Fangruppen zeigen sich in bunten Kostümen aus "Star Wars", "Stargate" und anderen Filmen und Serien und bieten für jeden Fotografen lohnende Motive. Beim letzten Event dieser Art konnten 2008 über 700 Besucher und mehr als 100 Aktive aus ganz Deutschland begrüßt werden.

Mit dabei ist erstmals auch die Europäische Raumfahrtagentur ESA, die unter anderem Großmodelle des (leider nur projektierten) europäischen Raumgleiters "Hermes" und der "Ariane 5" präsentieren wird. Damit wird erstmals in Deutschland ein Brückenschlag zwischen Fiktion und Fakten vollzogen.

Die Besucher sind aufgefordert, die besten Modellbauten in verschiedenen Kategorien zu bewerten. Der jeweils beste Aussteller jeder Kategorie erhält einen Pokal und eine Urkunde. Die feierliche Verleihung der Preise findet am Sonntag gegen Ende der Ausstellung statt. Besucher und Fans sind ebenso aufgerufen, sich Sonntags am Kostümwettbewerb zu beteiligen.

An beiden Ausstellungstagen findet gleichzeitig eine umfangreiche Science-Fiction-Börse statt, bei der jeder bestehende Lücken in seiner Sammlung füllen kann. Im Rahmenprogramm gibt es unter anderem Filme, Lesungen und Vorträge aus der Welt des Phantastischen, aber auch zu wissenschaftlichen Themen.

"Iron Modeler" gesucht
Dieser Wettbewerb hat in den USA eine langjährige Tradition und wird alljährlich während des Events "Wonderfest" durchgeführt. Aus der Gruppe der Anmeldungen werden durch Losverfahren Teams aus 2-3 Modellbauern gebildet, die innerhalb von maximal 90 Minuten ein Modell zu einem vorgegebenen Thema bauen müssen. Das Thema wird erst zum Start der Bauzeit bekannt gegeben, Kreativität ist also gefragt. Jedes Team erhält einen "Basisbausatz", der in die Kreation mit eingebaut werden muss und darf sich außerdem aus einem Pool von "Modellbauschrott" bedienen. Die fertigen Modelle werden vom SpaceDays-Team bewertet, es gibt Trophäen und Preise. Das Gewinnerteam darf außerdem den Titel "Iron Modeler" tragen.
Wer teilnehmen möchte, muss sich vorher per E-Mail bei Marco Scheloske anmelden, und zwar bis spätestens zum 30. August 2010. Die Mailadresse lautet modellbau@spacedays.de

Benefizaktion zu Gunsten von "wünschdirwas e.V."
Die SpaceDays bitten jeden, der unsere zahlreichen kostümierten Fans fotografieren möchte, um einen kleinen, freiwilligen Obulus zugunsten von wünschdirwas e.V. Ebenso ist eine Benefiz-Auktion geplant. Gestiftet wurden hierfür unter anderem eine exklusive Führung durchs Darmstädter Raumfahrtkontrollzentrum ESOC oder Eintrittskarten für Europas größte Science-Fiction-Convention, die in Düsseldorf stattfindende Federation Con.

Öffnungszeiten & weitere Infos
Öffnungszeiten sind samstags von 13 bis 19 Uhr, sowie Sonntags von 10 bis 18 Uhr. Ausstellungsort ist auch in diesem Jahr wieder das Bürgerhaus "Ernst-Ludwig-Saal" im Darmstädter Stadtteil Eberstadt (Schwanenstraße), welcher auf drei Ebenen über 300 Quadratmeter Fläche bietet.

Der Eintritt beträgt für Erwachsene 3 Euro, Jugendliche, sowie Mitglieder des Science Fiction Clubs Deutschland e.V. zahlen 1,50 Euro.
Wochenendtickets werden für 5 Euro angeboten. Für passend kostümierte Besucher ist der Eintritt frei.

Informationen zum Programm, Bilder vergangener Ausstellungen, sowie verschiedene Videoclips gibt es im Internet unter den Adressen:

http://www.spacedays.de
oder
http://www.facebook.com/SpaceDays
Neu im Sieben Verlag, zum Ersten
Im Sieben Verlag ist der dritte Band der "Das Rote Palais"- Trilogie von Helene Henke erschienen.

Es herrscht Ausnahmezustand in Krinfelde. Eine dunkle Wolke liegt über der Stadt und lässt weder Licht noch Wärme durch. Wissenschaftler sind ratlos, Meteorologen überfragt. Niemand weiß, was dieses Phänomen ausgelöst hat, noch hat jemand eine Idee, wie man diesen Zustand rückgängig machen kann. Leyla Barth und Rudger van Hallen haben jetzt alle Hände voll zu tun, denn die Dunkelheit am Tag ermöglicht Vampiren auch tagsüber aktiv zu sein, und es kommt zu unschönen Vorfällen.
Doch das ist nicht das einzige Problem. Im Aurodom verschwinden Menschen während Filmvorführungen, und Rudger erwacht eines Abends nicht mehr aus seiner Starre. Leyla sieht keine andere Möglichkeit und beschließt, auf eine lebensgefährliche Reise zu gehen, um Rudger zurückzuholen aus dem Reich der Schatten. Dem Land, in das die Vampire bei Tag reisen, während sie starr und tot sind für die Welt.


„Die Schattenpforte“
Helene Henke
Sieben Verlag
„Das Rote Palais“-Trilogie, Band 3, Paranormale Romance, broschiert, 172 Seiten, 14,90 EUR
ISBN: 9783941547049
Juni 2010

Weitere Informationen - wie z.B. Leseproben und mehr finden Sie immer hier:
http://www.literra.info/buecher/buch.php?id=8368

Der Titel ist bei jedem Buchhändler oder z. B. bei Amazon bestellbar.
Neu im Sieben Verlag, zum Zweiten
Im Sieben Verlag ist der zweite Band der "Monde der Finsternis-Trilogie" von Elke Meyer erschienen.

Aidan ist nun ein Vampirkrieger, dessen menschliche Seite immer mehr verblasst. Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann er dem Ruf der Finsternis für immer folgen wird. Amber begegnet dem attraktiven und verwegenen Samuel, der sie vom ersten Moment an fasziniert. Aber auch ihn umgeben düstere Geheimnisse ... Gemeinsam müssen Amber und Aidan neuen Gefahren trotzen und dabei ihre Liebe zueinander zu einem starken Band werden lassen, das sie vor der Finsternis bewahren kann.

“Mond der verlorenen Seelen“
Elke Meyer
Covermotiv und Buchumschlagsgestaltung: Mark Freier
Sieben Verlag, „Monde der Finsternis“-Trilogie, Band 2, Paranormale Romance, broschiert, 192 Seiten, 14,90 EUR
ISBN: 9783940235343
Juni 2010
 

Weitere Informationen - wie z.B. Leseproben und mehr finden Sie immer hier:
http://www.literra.info/buecher/buch.php?id=8363

Der Titel ist bei jedem Buchhändler oder z. B. bei Amazon bestellbar.
Neu im Sieben Verlag, zum Dritten
Im Sieben Verlag ist der erotische Vampirroman „Seelenhüter“ von Kathy Felsing erschienen, der paranormale Romance und Erotik kurzweilig vereint.
 
Paula Landon weiß, dass ihre Tage aufgrund einer schweren Erkrankung gezählt sind. Unerwartet sieht sie jedoch einem völlig anderen Ende entgegen: Sie starrt in die gnadenlosen Augen ihres Mörders.

Ist es nur ein Traum, der ihre Welt aus den Fugen geraten lässt, als sie sich am nächsten Tag inmitten einer Gruppe von Vampiren, den Schattenseelen, wiederfindet?

Luka Canvey, der von wechselhaften Gefühlen geschüttelte Anführer des “Clubs der Verdammten“, zieht sie auf mysteriöse Weise in seinen Bann, liebt sie und weist sie dennoch eiskalt zurück. Auch er will Paula töten. Da bekommt der Feind einen weiteren Namen: Cangoon. Der hasserfüllte Vampir, Erzfeind der Spezies der Schattenseelen, verfolgt nur einen einzigen Gedanken: Er will die Vereinigung der “Liebesseele“ verhindern, der Seelen eines Engels und einer Vampirin. Und sein Ziel heißt Paula.


„Seelenhüter“
Kathy Felsing
Sieben Verlag, Roman - Erotischer Vampirroman, broschiert, 180 Seiten, 14,90 EUR
ISBN: 9783941547094
Juni 2010

Weitere Informationen - wie z.B. Leseproben und mehr finden Sie immer hier:
http://www.literra.info/buecher/buch.php?id=8199

Der Titel ist bei jedem Buchhändler oder z.B. bei Amazon bestellbar

Buchhändler und alle Lesebegeisterte können den neuen Katalog des Sieben Verlag mit dem Gesamtprogramm hier downloaden:
http://www.sieben-verlag.de/buchhaendlerinfo.html

Rezensionsexemplare können unter Angabe des Mediums, in dem die Rezension erscheint, bei Alisha Bionda: bionda.alisha@gmail.com angefordert werden.

9. Wissenschaft: Paralleluniversen
von Marcus Haas
In der Quantenmechanik gibt es die Idee, dass parallele Universen entstehen, wenn mehrere Wege in die Zukunft möglich sind. An einer Kreuzung hieße das, dass sich das Universum spaltet und wir in einem nach links gehen, und im anderen nach rechts. Diese "Viele Welten"-Interpretation der Quantenmechanik wurde von Hugh Everett 1957 formuliert und später mit obigem Namen sehr populär.
 
Bedauerlicherweise hilft diese Interpretation nicht weiter, denn es setzt sich immer mehr die Vorstellung durch, dass die Überlagerung der Möglichkeiten nicht zu einer Spaltung des Universums führt, sondern zu einem Zusammenbruch der Zustandsfunktion. Die verschiedenen Optionen schnurren einfach auf eine zusammen und die anderen sind dann schlicht nicht mehr verfügbar.
Man nennt das Dekohärenz. Und es braucht nicht einmal Bewusstsein, um die Anzahl der möglichen Zustände zu reduzieren, jede Wechselwirkung mit der Umgebung reicht aus. An unsere Kreuzung brauchen wir nur auf einen Grashalm treten, um unser Schicksal unwiderruflich festzulegen.
 
Mit viel Aufwand kann man das Zusammenschnurren verhindern, sogar bis in den makroskopischen Bereich. An der Universität von Kalifornien, Santa Barbara, hat man ein winziges Metallpaddel, nicht breiter als ein menschliches Haar, im Vakuum so weit abgekühlt (unter ein zehntel Kelvin), das es den niedrigsten erlaubten quantenmechanischen Zustand einnahm.
Angeregt durch ein quantenmechanisches System, das sich selbst in einer Superposition zwischen Anregung und Stillstand befand, konnte gezeigt werden, dass auch das Metallpaddel gleichzeitig vibrierte und stillstand.
 
Aber das ist nur eine Überlagerung und kein Hin- und Herspringen in parallelen Universen. Auch die Quantenmechanik hilft uns bei der Suche nach unseren Nachbarn also nicht weiter.
 
Also schauen wir mal etwas weiter zurück, und zwar ein ganzes Stück weiter, bis zum Urknall.
Der Urknall, ein Ereignis vor etwa 13,7 Milliarden Jahren, schuf angeblich das Universum und zwar nicht nur die Materie, sondern auch Raum und Zeit. Wenn es vorher keine Zeit gab, ist es schwierig sich vorzustellen, das die Wissenschaftler darüber nachdenken, was vor dem Urknall war, nicht dass Physiker sich von derartigen Kleinlichkeiten aufhalten ließen.
Der Urknall soll ein einem einzigen Punkt stattgefunden haben und dann erfolgte die Ausdehnung im selbst erschaffenen Raum-Zeit-Kontinuum mit all den physikalischen Gesetzen und Konstanten, wie wir sie kennen - wäre das Universum nur ein kleines bisschen anders, dann würde es hier nichts geben, dass sich über seine Ursprünge wundern könnte.
 
Warum sollten in ähnlichen Urknällen nicht massenweise Universen entstehen, in denen auch ganz andere physikalische Gesetzte herrschen können - mit und ohne neugierige Lebewesen. In einem solchen Multiversum wäre es nur noch eine Frage er Wahrscheinlichkeit, ob auch ein Universum mit den uns bekannten Eigenschaften existiert.
 
Damit stellt sich die Frage, wie es dazu kommen kann, dass immer wieder neue Universen entstehen, und die Stringtheorie versucht, eine Antwort darauf zu geben.
Zunächst einmal erweitert man die Strings (Fäden oder Saiten) auf Flächen oder Membrane, die in der Theorie Brane genannt werden (das M spart man sich, denn die Erweiterung der Stringtheorie heißt M-Theorie und ein M genügte den Physikern - tatsächlich schlug Edward Witten 1994 den Namen vor, weil er nicht völlig überzeugt war von den Membranen und meinte mit M-Theorie würde man sich noch etwas Interpretationsspielraum offen halten).
 
Die Idee ist nun, dass diese Brane kollidieren. Zeit brauchen sie dafür nicht, denn laut M-Theorie gibt es 11 Dimensionen (3 für den Raum, eine für die Zeit und noch ein paar weitere). Wenn sich die vier bekannten Dimensionen erst bei einer Kollision der Brane entfalten, bleiben noch genug übrig für die Ausdehnung und die Bewegung dieser seltsamen Objekte.
Und bei jedem Zusammenstoß entsteht ein neues Universum, genauer ein Urknall. Das Brane heizt sich durch den Zusammenstoß auf und die Materie kondensiert. Allerdings unterscheidet sich der so verursachte Urknall etwas von dem singulären Ereignis, das wir oben erwähnt haben, denn er erfolgt langsam.
 
Die Urknall-Theorie, wie man sie bisher kennt, geht davon aus, dass es kurz nach dem eigentlichen Ereignis eine Phase gab, in welcher sich das Universum extrem schnell ausgedehnt hat, man spricht von Hyperinflation, die mit mehr als Lichtgeschwindigkeit erfolgt ist (das ist nur deshalb kein Widerspruch zu Einstein, weil dabei keine Informationen zwischen Teilen des Universums ausgetauscht wurden).
Diese Inflation sorgte dafür, dass das Universum abkühlte und Unebenheiten ausgebügelt wurden, so dass ein Universum entstehen konnte, wie wir es heute sehen. Gedeckt wird diese Beschreibung durch die Beobachtungen, wie zum Beispiel der kosmischen Hintergrundstrahlung.
 
Der langsame Urknall soll den selben Effekt haben, nur die Temperaturen müssen nicht so hoch sein und die gleichmäßige Verteilung von Materie und Energie bräuchte keine Hyperinflation als Erklärung. Dieses Modell setzt voraus, dass sich die Gravitation in mehr als nur drei Raumdimensionen (und der Zeit natürlich) ausbreitet, sondern darüber hinaus auch zwischen den verschiedenen Universen wirkt - was erklären könnte, warum sie so viel schwächer ist, als die anderen bekannten Kräfte). Sie sorgt dann auch dafür, dass sich die Universen anziehen und kollidieren.
 
Im Moment gibt es keine Beweise für die neue Theorie des ekpyrotischen Universums (ekpyrotisch = griechisch für Weltenbrand), aber solche könnten entdeckt werden, denn die Gravitationswellen, die beim Urknall entstanden sind, müssten unterschiedlich sein.
 
Es könnte also haufenweise parallele Universen geben, die nur eine unbekannte Dimension von uns entfernt liegen. Und jedes Mal, wenn sie zusammenstoßen, geht alles von vorne los - aber das könnte noch 300 Milliarden Jahre dauern, bis wir den nächsten Zusammenstoß erwarten dürfen.

10. Die Corona-Kurzgeschichte
Liebe Kurzgeschichten-Freunde,
 
die Sommerpause steht vor der Tür – aber vorher gibt es noch den ersten Platz unserer Themenrunde „So viel Zeit“: Den hat sich Susanne Schnitzler mit ihrer Story „Ein Geschenk für Chouette“ geholt, die damit ihr Debüt im Corona Magazine feiert. Ihr einen herzlichen Glückwunsch und allen Teilnehmern am Wettbewerb ein großes Dankeschön. Letzteres gilt auch für unsere beiden Gastjuroren, Jennifer Schreiner und Bernhard Schneider, die mitgeholfen haben, in dieser Runde die Auswahl zu treffen. Wie immer freuen wir uns über Rückmeldungen zur Story – egal ob per E-Mail oder im Forum.
 
Die nächsten Themen des Corona-Kurzgeschichtenwettbewerbs lauten: „Eroberer“ (Einsendeschluss 1. Oktober 2010), „Auf Lebenszeit“ (Einsendeschluss 1. November 2010) und „Schlaflos“ (Einsendeschluss 1. Dezember 2010). Wer Interesse hat, sich mit einer Kurzgeschichte (Science-Fiction, Fantasy, Horror, Phantastik – keine Fan-Fiction) zu beteiligen, die einen Umfang von 20.000 Zeichen nicht überschreitet, schickt seine Story (möglichst als rtf-Datei) rechtzeitig per E-Mail an die Kurzgeschichten-Redaktion, die unter kurzgeschichte@corona-magazine.de zu erreichen ist. Die nach Meinung der Jury (mindestens) drei besten Geschichten werden wie immer im Corona Magazine veröffentlicht. Aber erst nach der Sommerpause.
 
Armin Rößler


Ein Geschenk für Chouette
von Susanne Schnitzler

"Ach, komm schon!"
Der Ton, in dem Chouette das sagte, hätte mich warnen müssen, aber ich habe nun mal kein Ohr für Feinheiten. Ich zog den Haufen zerknülltes Papier, der morgens eine duftende, druckfrische Zeitung gewesen war, zu mir herüber und schüttelte energisch den Kopf. "Kommt nicht in Frage."
"Lies es doch wenigstens." Augen wie Feuchtgebiete. Ja, so war sie, meine kleine Chouette: Wenn es nicht nach ihrem Willen ging, kullerten die Tränchen. Aber dieses Mal würde ich nicht nachgeben. Ich hatte meine kleine Nachteule gerade erst wieder gegen Kaution aus dem Gefängnis geholt.
Chouette zupfte „Wissen & Forschung“ aus dem Papierklumpen und hielt mir eine Seite vor die Augen. "Ist das nicht heiß? Die wollen nicht mal Geld dafür. Guck, da steht das: ‚Das Projekt dient der Erforschung spezieller Phänomene, die im All auftreten können, und wird über öffentliche Gelder finanziert‘. Du musst also nur den Flug nach Florida bezahlen. Und vielleicht schenkst du mir noch das Astronauten-Training im Kennedy-Space-Center. Das wäre so cool."
Unternehmen, die reichen Kunden Flüge ins All aufschwatzen wollten, gab es seit Jahrzehnten wie Sand am Meer. Und Geld wie Sand am Meer musste man für das Vergnügen auch tatsächlich haben. Mit Forschungsgeldern hatte allerdings bisher noch niemand geworben. Ich sah mir den Bericht nun doch genauer an.
Chouette knabberte den braunen Nagellack vom Mittelfinger und starrte unter ihren Ponyfransen hervor auf meine Nase. Instinktiv rieb ich die Stelle mit dem Daumen und fragte mich einmal mehr, was in ihrem Kopf vorging. Raumfahrt? Lächerlich!
"Wie denkst du dir das überhaupt?“, protestierte ich schließlich. „Falls du es vergessen hast: Ich habe einen Job, den ich nicht verlieren darf. Schließlich haben deine diversen Festnahmen mich schon viel Geld gekostet und von dem, was du sonst noch ausgibst, will ich lieber gar nicht reden. Außerdem bist du nur auf Kaution draußen und sollst in sechs Wochen vor Gericht erscheinen. Dieses Mal sitzt du wirklich in der Patsche."
Chouette winkte ab. "Wenn wir zurück sind, sind wir Helden und kein Hahn kräht mehr danach." Sie kuschelte ihren Kopf in meine Halsbeuge und tat mit ihrer Hand Dinge, die meinen letzten Rest Verstand schon mal ins All vorausschickten. Nach den Tränchen war das ihre zweitbeste Strategie, um ihren Willen durchzusetzen. "Bitte, Schatz", hauchte sie. "Das wäre so ein tolles Geschenk, und wir könnten meinen Geburtstag zwischen den Sternen feiern."
Natürlich bekam Chouette, was sie wollte. Wer konnte einem Luxusgeschöpf wie ihr schon einen ausnahmsweise bescheidenen Geburtstagswunsch abschlagen? Immerhin kostete sie mich zu ihren besten Zeiten mehrere Tausender täglich.
 
Zwei Wochen später flogen wir also nach Florida. Im Kennedy-Space-Center wurden wir Lou Arnet übergeben, der als Einziger 2120 den ersten Passagierflug zum Mars überlebt hatte. Er galt als Held, obwohl er nie glaubhaft erklären konnte, was mit der Crew und den Passagieren geschehen war. Als das Gerücht aufkam, Arnet habe wegen einer Frauengeschichte den Abflug verpasst und das Shuttle nie bestiegen, versetzte man ihn kurzerhand ins Space-Center, wo er seitdem Touristen in die Geheimnisse der Raumfahrt einweihte.
Arnet ("Nenn mich Lou, Kleine") steuerte Chouette mit der Hand auf ihrem Hintern durch die Trainingsstätten, wo er ihr mit wachsendem Enthusiasmus die einzelnen Simulatoren erklärte und über ihre Bedeutung für seine eigenen Missionen philosophierte. Mich ignorierte er, bis wir einen ... nun ja: ein wenig eng konzipierten Simulator betreten sollten. In diesem Moment nahm er höchst unliebsam Notiz von mir, und ich würde auf mein Leben schwören, dass dieses botoxstarre Greisengesicht sich in angewiderte Falten legte.
"Ihr ... was ist das?"
Arnet musterte mich von oben bis unten wie einen Berg schmutziges Geschirr. Chouette legte ihren Zeigefinger unter sein Kinn und drehte seinen Kopf in ihre Richtung. Ich wollte sie gerade darauf aufmerksam machen, dass die Aufregung für den alten Mann sichtlich zu viel war, als der große Marsflieger plötzlich hektisch ausstieß: "Warum nicht Sie – du – und ich und der Bordcomputer, der uns beide nach allen Regeln der Kunst verwöhnt? Das ist Publicity für diese Firma. Ich sehe schon die Schlagzeile: Der berühmte Lou Arnet und seine wunderschöne Begleiterin erobern mehr als nur das All. Wie wäre das?"
Chouette flüsterte dem alten Bock etwas ins Ohr, das ich nicht verstehen konnte. Arnet zog mit hochrotem Kopf seine Krawatte gerade und trat einen großen Schritt von meiner kleinen Nachteule zurück. Seinen verächtlichen Blick quittierte Chouette mit einem lauten Lachen und einem Hustenanfall. Es war kühl in dem Raum, und ich legte ihr meine Jacke über die Schultern.
"Natürlich brauchen Sie noch die ATX für den Raumflug", erklärte Arnet übergangslos und musterte Chouette mit der herablassenden Arroganz eines Oberlehrers. „Schließlich kann niemand in einem Shuttle einfach so durch die Gegend laufen, als wäre er in einem Wohnzimmer."
"In den Unterlagen stand aber, dass wir uns in dem Shuttle ganz normal bewegen können – in jeder Hinsicht", fügte Chouette mit einem anzüglichen Lächeln hinzu und hauchte mir einen Kuss auf die Nase. "Der Antrieb wurde aus der Technik von 2118 entwickelt, die auch für Ihren Flug eingesetzt wurde. Darauf haben die Hersteller noch einmal besonders hingewiesen."
"Und so einen Unsinn glauben Sie?" Arnet schnaubte verächtlich. "Das Shuttle müsste sich mit einer rasenden Geschwindigkeit bewegen. Ungefähr so, als ob ein Sektkorken aus einer Flasche herausschießt."
Bruchstückhaftes Schulwissen, Zeitungslektüre, die Bemerkung über den Korken und Angaben unseres Raumfluganbieters versuchten, mein Unterbewusstsein zu verlassen und sich bemerkbar zu machen. Doch statt meiner Alarmglocken klingelte nur Arnets Handy, worauf dieser unsere Führung ("Leider, leider!") an einen unberühmten Computerspezialisten namens Ben abgab und grußlos verschwand.
 
Ben zeigte uns einen Apparat, wie er auch in unserem Shuttle eingebaut sein würde. Von der perfekten Raumtemperatur bis zum Galadiner für eine Großfamilie hatte die Kiste einfach alles drauf und innerhalb der Umlaufbahn würde sie sogar die heimatlichen Nachrichten für uns ausspucken.
Plötzlich begann Chouette wieder zu husten, und ich machte mir ernste Sorgen, dass sie sich in der trockenen Kühle erkältet hatte. Doch sie winkte ab und behauptete, dieser alberne Reizhusten würde sie in Räumen mit Klimaanlage immer plagen.
"Ist dir eigentlich klar, dass wir an Bord eine Klimaanlage haben werden?", fragte ich Chouette. "Du hättest mir das früher sagen sollen."
Sie blinzelte mich an. "Dann hättest du mir diesen Flug nicht geschenkt." Sie hüstelte und räusperte sich. "Das ist nicht schlimm, sagt Dr. Drenker. Ich muss viel trinken, damit der Reiz nachlässt." Ich nickte nur.
Ben schaltete den Bildschirm an und erklärte, worauf wir besonders achten mussten.  Es war nicht schwer. Der Bordcomputer war bereits in allen Details vorprogrammiert und steuerte sich selbst. Mit der Bodenstation war er durch Funksignale verbunden, und so war es unmöglich, vom Kurs abzuweichen. Irgendwie erleichterte mich der Gedanke an eine Nabelschnur, die uns in der vertrauten Welt halten würde.
"Arnets Vergleich hat mich doch ein bisschen aus dem Tritt gebracht", gestand ich beschämt. "Immerhin schießen wir schneller als jede Rakete hinaus und sollen dann mindestens Alpha Centauri erreichen. Ich würde nicht so gerne wie ein herrenloser Sektkorken durch die Gegend zischen."
"Alpha Centauri." Dem Tonfall nach schien Ben eine einfache Tatsache festzustellen. Aber er nahm uns wohl doch nicht ernst, denn er fügte hinzu: "Na, vielleicht finden Sie ja irgendwo da draußen das Marsshuttle, das diese Trottel 2120 verloren haben." Dabei lachte er schallend und schlug mir zum Abschied kräftig auf den Rücken.
 
Am nächsten Tag unternahm ich einen halbherzigen Versuch, die Vorfälle aus dem Jahr 2120 zu recherchieren, begnügte mich aber damit, die Ergebnisse auszudrucken. Ich würde das später in Ruhe lesen. Chouette wollte den geheimen Startort unseres Shuttles mit dem Zug anfahren, und wir waren mit uns und der Aussicht genug beschäftigt.
 
Ein Fahrer des Instituts holte uns am Bahnhof ab, und in aller Heimlichkeit erreichten wir das Grenzgebiet hinter einer Stadt, die einmal Marianna geheißen hatte. Ihren neuen Namen konnten wir in der Dunkelheit nicht erkennen, aber er war auch nicht wichtig. Wir würden wieder hier landen, egal wie die Stadt dann gerade hieß. Sie wissen ja: die Nabelschnur.
Wir hielten in der Nähe der Rampe, von der wir in weniger als einer halben Stunde starten würden. Eigentlich hatten wir ein Gedränge wie auf dem sonntäglichen Kirchenflohmarkt erwartet, aber wir schienen hier ganz alleine zu sein, wenn man die Mitarbeiter des Instituts nicht zählte, die hastig durch die Dunkelheit huschten und leise miteinander flüsterten. Endlich löste sich eine riesige Frau aus der Menge der tuschelnden Angestellten, die sie um mehr als einen Kopf überragte. Sie lächelte und streckte uns die Hand entgegen: "Ich bin Maryanna Prescott. Schön, dass Sie den Weg gefunden haben."
Chouette musterte ihre kräftige Statur. Offenbar erkannte sie keine Fressfeindin in ihr, denn sie ergriff ohne Umschweife Maryannas Hand und schüttelte sie. "Wo sind denn die anderen Fluggäste?", wollte sie wissen und versuchte, an Maryanna vorbei einen Blick auf das Shuttle zu werfen, das nach dem Flyer des Instituts gut und gerne zehn Personen fasste.
Maryannas Verblüffung reizte mich fast zum Lachen. "Außer Ihnen hat sich niemand auf die Anzeige gemeldet. Hat Ihnen das keiner gesagt?" Bedauernd sah sie uns an und schüttelte den Kopf. "Ich hoffe, Sie haben sich nicht auf einen Kreuzflug in großer Gesellschaft eingestellt, denn für die nächsten sechs Monate sind Sie sozusagen allein mit sich und den Sternen."
In diesem Moment bedauerte ich es zutiefst, dass ich Chouette die komplette Planung überlassen und mich nicht selbst informiert hatte. Ich zog sie am Ärmel und flüsterte: „Von sechs Monaten war nie die Rede. Du musst in ein paar Tagen vor Gericht.“
Chouette zuckte mit den Schultern. "Das macht nichts", meinte sie und wandte sich wieder an Maryanna. "Wir sind über ein bisschen Ruhe ganz froh, und die Bibliothek an Bord reicht bestimmt für uns. Ich möchte jetzt viel lieber das Shuttle sehen."
Sofort war Maryanna eifrige Geschäftigkeit, ließ unser Gepäck zum Shuttle bringen und eilte uns voraus. Wir tappten vorsichtig über den schlecht ausgeleuchteten Weg hinter ihr her.
"Man kann es mit der Geheimhaltung auch übertreiben", flüsterte ich Chouette zu. "Wenn wir uns hier den Hals brechen, hat doch keiner was davon."
Sie drückte meine Hand und kicherte.
Dann brach die blanke Hektik aus. Wir wurden durch den Einstieg geschoben und den beiden Technikern übergeben, die einen letzten Test mit dem Computer fuhren. Als wir ihnen zeigten, was Ben uns beigebracht hatte, nickten sie anerkennend und packten ihre Geräte ein. "Die beiden schaffen das mit links", riefen sie Maryanna zu und sprangen eilig aus dem Weg, als unser Gepäck schwungvoll durch die Tür geworfen wurde.
"Wunderbar", rief Maryanna zurück und schaute noch einmal um die Ecke. "Der Computer zeigt Ihnen dann alles. Viel Glück!"
Und weg war sie.
 
Wir auch.
 
Der Computer hatte einen Bilderbuchstart hingelegt, ohne dass wir etwas davon mitbekommen hatten. Wir hatten gerade noch das Zuschlagen der Luke gehört und auf das Zeichen zum Anschnallen gewartet, als wir uns auch schon hoch oben in der Luft befanden.
Der Start musste so blitzschnell gegangen sein, dass wir förmlich am Fußboden klebten. Erwarten Sie aber bitte nicht, dass mir das zu denken gab. Wir standen dort unschuldig und ahnungslos wie die Kinder und staunten wie diese über die Bilder, die der Bildschirm übertrug.
Wir waren beide ein wenig enttäuscht, als das Radioteil bald nach unserem Abflug verstummte und keine Nachrichten mehr zu uns durchdrangen. In dieser plötzlichen Stille war uns zum ersten Mal bewusst, dass wir nun wirklich weit und breit die einzigen Menschen in Gottes weitem Himmel waren. Kurz darauf entdeckten wir, dass der Computer sprach.
Er hatte eine Besonderheit, über die wir uns während der ersten Tage köstlich amüsierten: Mit mir sprach eine sinnliche, weiche Frauenstimme und sobald Chouette im Bild war, antwortete eine Männerstimme mit leichtem Südstaatenakzent. Wir machten uns einen Spaß daraus, immer wieder schnell nacheinander vor den Computer zu springen. Doch wir brachten Ben, wie Chouette ihn in Erinnerung an unseren Lehrmeister getauft hatte, nicht ein einziges Mal aus dem Tritt. Er erkannte uns immer. Und als wir einmal beide gleichzeitig die Fotolinse erwischten, schaltete er eine Kinderstimme ein und lachte uns einfach aus.
 
Chouettes Geburtstag feierten wir ganz groß. Ben sang mit seinen drei Stimmen ein Ständchen und gab "Bruder Jakob" als Kanon zum Besten. Chouette lachte Tränen, als ich den Sekt köpfte und den Korken durch die Gegend schießen ließ. Ich grinste sie schief an und fragte: "Hätte die Dame jetzt lieber den berühmten Arnet im Bett oder ..."
In diesem Moment bremste Ben meine Klappspatenlyrik aus und sang die letzte Arie des Alvaro in "Die Macht des Schicksals", die seit einiger Zeit Chouettes Lieblingsmusik war. Ich war froh, dass unser Schlafbereich nicht an diese oberschlaue Technik angeschlossen war.
 
Die sechs Monate vergingen rasend schnell. Erstaunlicherweise hatte der Blick aus den Fenstern irgendwann seinen Reiz verloren. Auch Alpha Centauri, das wir exakt zur vorgegebenen Zeit erreichten, interessierte uns nur noch beiläufig.
 
Ben aber war ein echter Knaller. Entertainer, Beichtvater, Mentor, Hausarzt, Lehrer – er hatte einfach alles drauf. Manchmal konnte er sogar die Klappe halten, und er entpuppte sich immer mehr als echter Freund. Das wusste ich besonders zu schätzen, als Chouette wieder zu husten begann.
 
Kurz nach ihrem Geburtstag begannen die Anfälle und wurden stetig schlimmer. Einen Monat, bevor wir wieder auf der Erde landen sollten, war Chouette kaum noch auf den Beinen. Ben war ebenso besorgt wie ich und versuchte, sie zu einem Gesundheitscheck zu überreden. Aber Chouette weigerte sich und schwieg uns beide nach solchen Vorschlägen an, bis wir sie in Ruhe ließen. Sie versprach nur, dass sie nach unserer Rückkehr sofort zu ihrem Arzt fliegen würde. Ohne die Gespräche mit Ben hätte ich diese Phase unseres Fluges kaum ertragen.
 
Genauso abrupt, wie es nach dem Start ausgegangen war, schaltete sich das Radioteil plötzlich wieder ein. Ben sortierte die auflaufenden Nachrichten und schickte seine Funksignale zur Station, um die aktuellen Nachrichten abzurufen. Danach rief er mich. "Du solltest dir das einmal ansehen", flüsterte er mit seiner Frauenstimme und spielte den ersten Film ab.
 
Unser Start war aufgenommen worden, und dieser Film zeigte nun im Zeitraffer unser qualmendes Hinterteil, was mir einen Eindruck von unserem Tempo verschaffte. Dann folgte ein Interview mit Maryanna, die am Tag danach der Presse Rede und Antwort gestanden hatte. Wieso glaubte sie eigentlich, dass sie unsere Rückkehr nicht erleben werde, aber die Enkel unserer Enkel uns als Helden begrüßen würden?
Ben gab keine Antwort, sondern spulte ein Band nach dem anderen ab. Ich fühlte mich, als wäre ich im falschen Film: Präsidentschaftswahlen, kleinere Kriege, größere Kriege, eine neue Eiszeit in Europa –
"Stopp das mal", verlangte ich  und blickte Ben scharf in die Fotovoltaik. "Veräppel mich nicht. Wir waren sechs Monate unterwegs. Da gibt es vielleicht mal eine Bezirkswahl oder Regierungswechsel im Ausland. Gut, uns droht eine Klimakatastrophe. Gegen die tun wir gerade etwas. Und eine Eiszeit kommt nicht in ein paar Wochen vom Nordpol heruntergekrochen ..."
 
Das Schweigen, mit dem Ben mir nichts beantwortete, ließ endlich die Alarmglocken schrillen. "Hast du mir irgendwas zu sagen?", fragte ich ihn.
Der gelehrte Vortrag, den Ben mir über Geschwindigkeiten und Zeitabläufe hielt, fügte die Puzzleteile, die ich schon seit dem Tag im Space-Center mit mir herumtrug, zusammen. Kurz gesagt: Während wir sechs Monate durchs All gezuckelt waren, waren auf der Erde knapp tausend Jahre vergangen.
"Kacke", sagte ich und fiel rücklings in den Sessel vor dem Steuerpult. "Dann kennen wir ja niemanden mehr da unten."
"Du sagst es", antwortete Ben. "Bleib sitzen, da kommt noch mehr."
 
Das konnte mal wohl so sagen.
 
Sturmfluten, Hungersnöte und Seuchen hatten die Menschen erst dezimiert und dann ausgerottet. Nur ihre Bauwerke und die moderne Technik trotzten dem wuchernden Grün, das nach dem Verschwinden der Menschen wieder die Erde überzog.
Die Filme rauschten an mir vorbei, und ich nahm die Bilder nur verschwommen wahr. Zum ersten Mal war ich froh, dass Chouette nebenan den Schlaf der Gerechten schlief. Sie tauchte erst bei uns auf, als wir sanft auf dem entvölkerten Planeten aufsetzten.
 
Ich überließ es Ben, die Sache mit ihr zu regeln. Langsam entriegelte ich die Luke und kletterte hinunter auf die Erde, die nun mehr oder weniger uns allein gehörte. Adam und Eva, dachte ich plötzlich und zuckte erschrocken zusammen, als ich Chouettes Hand auf der Schulter spürte.
"Es tut mir so leid", sagte sie.
"Du kannst doch nichts dafür", seufzte ich und nahm sie in die Arme.
"Doch", sagte sie und hustete. "Ich dachte, ich hätte alles ganz genau verstanden! Diese beiden Physiker sind mit der Atomuhr rund um die Erde geflogen. Und die Uhr ging danach nur neunundfünfzig Milliardstel Sekunden nach. Ich konnte doch nicht ahnen, dass wir plötzlich fast tausend Jahre später landen."
So etwas erzählte sie mir natürlich erst, wenn es zu spät war. Warum nicht früher, als noch etwas zu retten gewesen wäre? Weil ich ihr dann den Flug nicht zum Geburtstag geschenkt hätte. Darum. Ich starrte Chouette an und fragte mich, was eigentlich in ihrem Kopf vorging.
Chouette schluchzte heftig und wurde von einem schweren Hustenanfall geschüttelt. "Es tut mir so furchtbar leid", flüsterte sie heiser. "Ich wollte doch nur, dass wir ein bisschen später herunterkommen und in einer Zeit landen, in der die Strafbefehle gegen mich verjährt sind. Und dass du den Ärger los bist, den du meinetwegen hattest, damit du noch einmal neu anfangen kannst."
Das war ihr ja gelungen. Ich streichelte müde ihre Schulter und hielt sie fest, als der nächste Hustenanfall kam. "Und jetzt sind wir zwei ganz allein", stellte ich resigniert fest. "Was sollen wir tun?"
Der Blick, den Chouette mir unter ihren Ponyfransen hervor zuwarf, ließ mich Böses ahnen. "Ich weiß nur, was ich gerade tue", krächzte sie. Offenbar hatte sie mir noch etwas verschwiegen. Sanft streichelte ich ihre Wange. Konnte es noch schlimmer kommen?
Chouette hustete und spuckte Blut. "Ich habe Lungenkrebs. Vor unserem Abflug haben die Ärzte mir noch knapp sieben Monate gegeben." Sie klammerte sich an mich und krallte ihre Finger in meinen Arm. "Ich will nicht sterben", wimmerte sie und die Tränen rannen in breiten Strömen über ihr blasses Gesicht. Ich drückte sie fest an mich und küsste sie, bis ich keine Antwort mehr fühlte. Dann drückte ich sanft ihre Augen zu und wischte vorsichtig die Tränenspuren von ihren Wangen.
 
So war sie, meine kleine Chouette: Wenn es nicht nach ihrem Willen ging, kullerten die Tränen.
Und wenn die nächste Evolution nicht zügiger vonstatten geht als die erste, dann stecke ich dieses Mal in schlimmeren Schwierigkeiten, als Chouette mir tausend Jahre früher jemals hätte bescheren können.


Susanne Schnitzler
Geboren lange nach dem Ende der letzten Evolution hat es die gebürtige Kölnerin 1985 von Kiel nach Hamburg verschlagen. Sie hat das Autorinnenleben im Gegensatz zu bekennenden JüngestjüngstautorInnen erst spät aufgenommen. Die Gute-Nacht-Geschichte „Herr Schuschiduz spielt Ball“ erschien 1999, kurz darauf folgte eine Lesergeschichte in der John-Sinclair-Reihe. Die Autorin schreibt in erster Linie für Kinder. Von ihr stammten das Konzept und die Startgeschichte der inzwischen eingestellten Kinderbriefreihe „Lotte und Jan“. Hin und wieder verwendet die Autorin ein Pseudonym, mit dem sie nicht kindgerechte Themen bedient. Wer mehr über sie wissen möchte, findet Informationen auf der Seite http://susanneschnitzler.twoday.net

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ISSN 1422-8904
Ausgabe 239 - 17.08.2010
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